Erwischt, Du Schlampe! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 22


Straße bei Nacht auf der Insel und Stadtteil Södermalm in Stockholm Schweden

Das ist also Dein Fitnessprogramm?!!! – © by Peter Lindberg, Stockholm, Schweden

Kuckuckskind – Affäre – Nachstellen / Spiegelwelten – Serie – Eigentlich sollte ich Zuhause bei der Kleinen sein, während Du zum Training gehst, doch ich kann nicht weiter still bleiben. Ich möchte Dich anschreien und Dir an den Kopf werfen, was Du bist und was ich von Dir halte. Doch wie soll ich erklären, warum ich von dem ganzen Betrug Bescheid weiß? Den heimlichen Vaterschaftstest werde ich Dir nicht benennen dürfen, da der deutsche Staat mich halb kriminalisiert und mir ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro droht. Kein Wunder, dass man es landläufig auch „Schlampenschutzgesetz“ nennt.

Seitdem ich das Ergebnis des Vaterschaftstests kenne, merke ich erst, wie blind ich Dir die ganze Zeit vertraut habe, denn jetzt

kommt mir so manches spanisch vor. Vor allem die langen Abwesenheitszeiten, wenn Du zum Training gehst. Noch nie warst Du so lange an etwas dran geblieben. Normalerweise beginnst Du etwas aus einer Laune und lässt es genauso schnell wieder. Doch diesmal ist es anders. Nicht einmal eine leichte Verspätung zum Training kommt vor, bei allen anderen Dingen aber schon. Ich schäume innerlich über vor Wut.

In der Mittagspause treffe ich mich kurz mit Paps in der Stadt zum Essen. Es tut gut, wenigstens mit ihm kann ich offen über Dich reden. “Am liebsten würde ich ihr einmal nachspionieren und sehen, was sie die ganze Zeit macht. Nur so kann ich beweisen, dass sie mich betrügt und das Fass ohne einen Vaterschaftstest zu erwähnen aufmachen. Ich will die Ratte sehen, die meine Frau vögelt!” sage ich schon etwas zu laut, sodass das Paar am Nachbartisch rüber schaut. Mein Vater ist gelassen wie immer und sagt mit leichtem Lächeln: “Lass mich doch heute bei Dir zu Hause sein. Wenn das Herzchen kommt, hat sie keine Zeit zu warten und ich werde ihr sagen, dass Du jeden Moment wieder da bist. Leihe Dir den Golf von Deinem Kumpel, mit dem kannst Du ihr in Ruhe folgen. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um die Kleine.” Für einen Moment vergesse ich mein Leid und freue mich diebisch darauf, Dir nachzustellen. Endlich nicht mehr den ganzen Mist in mich hineinfressen. Es tut so weh und zugleich spüre ich, dass ich danach freier sein werde.

Du fährst wie der letzte Henker und machst es mir damit nicht gerade leicht, Dir unauffällig zu folgen. An der Kreuzung, an der Du eigentlich rechts abbiegen müsstest, um zu Deinem Fitnessstudio zu kommen nimmst Du den Weg geradeaus. “Ha! Hab ich`s doch gewusst!” Jetzt wird es interessant. Wer ist Dein Lover? Im Nobelviertel angekommen verliere ich den Anschluss wegen einer roten Ampel. Weit weg kannst Du nicht sein. Irgendwo hier musst Du stecken. Ich habe Glück, gleich am Ende der nächsten Straße sehe ich Dich aussteigen. Dir schon recht nahegekommen halte ich am Straßenrand. Diesmal bist Du diejenige, die keine Ahnung hat was geschieht. In meiner Brust spüre ich ein Stechen als Du auf die Klingel einer Villa drückst. Ein Mann im Bademantel macht Dir die Tür auf und Du fällst ihm regelrecht um den Hals und verschwindest.

Mein ganzer Übermut, Dir nun voraus zu sein schlägt innerhalb eines Wimpernschlages um in Ohnmacht. Mein Magen fühlt sich an, als ob ich einen Stein verschluckt hätte und selbst meine Speiseröhre schmerzt. Ich möchte mich übergeben, doch es geht nicht.

Fast eine gute Stunde ist nun vorbei, meine Hände sind nass, doch wenigstens kann ich wieder klarer denken und rufe meinen besten Freund an und erzähle ihm, dass meine Frau eine untreue Schlampe ist. “Äh, ja? Wieso? Was hat sie Dir gesagt?” fragt er mich. “Nichts hat sie mir gesagt! Sie ist gerade bei ihrem Stecher!” rutscht mir raus. Hilflos höre ich ihn sagen: “Was willst Du jetzt machen?” “Gute Frage” antworte ich und lege unvermittelt auf, steige aus dem Wagen, gehe zu der beschissenen Tür, klingel und als sie einen Spalt aufgeht stürme ich rein und knalle die Eichentür gegen seinen Kopf, den er zum lugen hervorstreckt. Er fällt rücklings auf den Boden, doch das war nicht mein Ziel. Ich will sein Schlafzimmer finden, denn dort wirst Du sein. Dass Du nach ihm rufst, macht es mir nur leichter und ich renne die Treppe hoch, den Flur entlang zur Tür, die einen Spalt weit geöffnet ist und aus dessen Zimmer Licht scheint. Ein, zwei, drei zähle ich in Gedanken und trete zu Dir ins Schlafzimmer. Du liegst lediglich mit einer Corsage bekleidet auf dem Bett und starrst mich mit aufgerissenen Augen und Mund an. “Was machst Du denn hier?!” höre ich Dich nur noch stammeln.

“Du Schlampe vögelst fremd und fragst mich, was ich hier mache?!!! Das hier also ist Dein Fitnessprogramm?” Wutentbrannt reiße ich das Bild neben mir von der Wand und drehe mich um, um zu gehen, doch da steht schon Dein Lover und sieht überhaupt nicht glücklich aus. Ich hätte jetzt alles von ihm erwartet, doch dass er nur leise zur Seite tritt lässt mich aufatmen und ich gehe ebenso stumm an ihm vorbei, lediglich in die Augen schauen wir uns dabei. Er wirkt unsicher und verlegen, mir geht es nicht anders, doch ich lasse es mir nicht anmerken. Mein Bauch dreht sich wieder und ich trete hinaus in die kühle Nacht. Kurz darauf übergebe ich mich in seinem Vorgarten und denke, warum auch immer, dabei an das Lied “Niemals geht man so ganz” von Trude Herr. Ein leichtes Lächeln huscht mir dabei über mein Gesicht und ich nuschel “Irgendwas von mir bleibt hier. Es hat seinen Platz …” vor mich hin und empfinde Freiheit und Angst.

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Fortsetzung Ich habe Angst vor den Konsequenzen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 23

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Zwischen Verachtung und Gerissenheit – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 21

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Erwischt, Du Schlampe! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 22

  1. Pingback: Ich habe Angst vor den Konsequenzen – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 23 | kuckucksvater

  2. eileen schreibt:

    Ja , das Leben ist sehr vielseitig und das ist auch gut so , Stereotyp wollen wir nicht ! Als ich diesen Beitrag gelesen habe empfand ich großes Mitleid mit dem Mann ! Oft empfinde ich es als Schande meines eigenen Geschlechts , wenn sich Frauen mit Kuckucks Kinder wappnen um einen Mann so dreist und hinterlistig zu hintergehen !!!
    Der Allgemeine Vaterschaft Test ist ein absolutes muß , das man auch Politisch nicht mehr Ignorieren darf !!! ZU viel UNRECHT geschieht dem Mann , wir haben alle “ MENSCHENRECHTE „!

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