Zwischen Verachtung und Gerissenheit – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 21


Fitnesscenter für Frauen in Indien

Mittlerweile führe ich ein echtes Doppelleben – © Foto: Ramasamy Chidambaram, Indien

Kuckuckskind – Liebhaber – Betrug – Doppelleben / Autorin – Claudia Knieriem – Zwischen uns läuft es alles andere als gut. Bei einem unserer Streits habe ich mich sogar dazu hinreißen lassen, Dich nach einer Affäre zu fragen. Es macht mich rasend, dass Du Dich nicht provozieren lässt. Immer lieb, bloß keine Disharmonie. Wie sehr Du mich damit zur Weißglut bringst … Du drehst den Spieß nicht mal um. Du würdest wahrscheinlich nicht merken, dass

ich Dich betrüge, wenn ich es direkt vor Deiner Nase täte. Was habe ich nur für einen Waschlappen von Mann geheiratet?!

Für Dich gibt es nur noch Kind und Job – und neuerdings ist Dein Vater ständig hier und übt sich in vorwurfsvollen Blicken, wie ich finde. Oder ist das wieder nur mein Gewissen? Dazu passt nicht, dass er wie immer total nett zu mir ist, eigentlich fast scheißenfreundlich.

Sollte es nicht anders herum sein? Meine Mutter, ständig zu Besuch, mich unterstützend mit wohlmeinenden Tipps? Doch die ist auch immer auf Tour; eine Wohltätigkeitsveranstaltung hier, ein Damenabend dort, Kino, Fitness, Sauna … Na, da fiel der Apfel wohl wirklich nicht weit vom Stamm.

Meine Fitnessabende reize ich aus, Du sagst ja nichts dagegen. Dafür nehme ich auch die elende Milchabpumperei in Kauf. Aber lange mach ich das nicht mit. Überhaupt – ich will meinen Körper endlich wieder für mich haben, dann werde ich auch die letzten fünf Kilo zu viel los. Still-BH’s sind so unerotisch wie nur irgendwas, es wird Zeit für schicke Unterwäsche, die Du mir sowieso nicht kaufst, weil es für Dich überflüssiger Schnickschnack ist, zudem quakst Du immer häufiger wegen Geld herum.

Du mochtest mich immer ganz natürlich und sportlich gekleidet. Dass ich nun immer öfter auf Highheels unterwegs bin, Röcke und Kleider trage, scheint Dir gar nicht aufzufallen. Wie hatte sich in so wenigen Monaten alles so rasant verändern können? Wenn ich daran denke, dass ich mir deinetwegen den Bauch bemalt hatte. Es kommt mir so lächerlich vor, so verlogen.

Mittlerweile führe ich ein echtes Doppelleben. Mein Sportprogramm absolviere ich natürlich, sonst gäbe es ja keine sichtbare Veränderung, doch die zwei Stunden danach, wo Du mich in der Sauna oder bei einem Umtrunk mit neugewonnenen Sportkameradinnen wähnst, verbringe ich mit ihm. Er beginnt mich immer öfter zu drängen zu ihm zu ziehen. Er will seine Vaterrolle gerne erfüllen. Die Wochenenden, an denen er die Kleine sieht, sehnt er inzwischen herbei. Ich weiß nicht, warum ich nicht einfach dazu stehen kann, dass ich einen Fehler begangen habe und dass er der Vater meines Kindes ist, meine große Liebe.

Ich finde es nur fair, dass ich Unterhalt für die Kleine bekomme, nach all den Jahren, die ich mit Dir vergeudet habe. Deshalb ist es immer noch mein Bestreben, dass DU Dich von MIR trennst.

Deinen bandagierten Fuß ignoriere ich geflissentlich, wahrscheinlich willst Du eh nur Aufmerksamkeit von mir. Ich fühle mich sicher und völlig im Recht mit dem, was ich tue. Und so nehme ich Deine finstere Miene nicht wirklich wahr, verabschiede mich freundlich und knapp von Deinem Vater, der mal wieder Gast in unserem Hause ist und bin froh endlich zum „Sport“ zu können. Ich fahre direkt zu IHM. Es ist unser Abend, wie jeden Mittwoch. Eine gute Stunde später klingelt es an der Wohnungstüre. Ich höre meinen Namen und im nächsten Moment stehst Du im Schlafzimmer meines Liebhabers …

© Claudia Knieriem Mai 2013

OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO

Fortsetzung Erwischt, Du Schlampe! – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 22

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Vaterschaftstest und Nahtoderfahrung – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 20

Und alle Teile im Überlick: hier klicken!

Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

Advertisements

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Geschichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s