Vaterschaftstest und Nahtoderfahrung – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 20


Blutentnahmeröhrchen im Labor

Wann kommt endlich das Ergebnis vom Vaterschaftstest?
wwww.changestock.com © by Nick Casberg

Kuckuckskind – heimlicher Vaterschaftstest – Warten – Zweifel / Spiegelwelten – Serie – Wieder klicke ich auf den E-Mail-Abrufen-Button, doch nur Spam-Mails treffen ein. Nicht jedoch das Ergebnis vom Vaterschaftstest. Es frisst mich innerlich förmlich auf, auf das Ergebnis zu warten. Gleichzeitig Dir die heile Welt vorzuspielen, so als ob nichts wäre, fällt mir schwer. Ehrlich gesagt, ich bin darin grottenschlecht. Wir streiten uns wieder mehr und du fragst mich,

ob ich eine Affäre hätte. Darauf, dass ich mir mittlerweile sicher bin, dass du eine hast und meine Tochter gar nicht meine ist, sondern von irgend so einem Penner, kommst du nicht einmal ansatzweise oder du bist noch abgebrühter, als mein Vater es bereits vermutet.

Mein Vater und ich sehen uns jetzt häufiger bei uns zuhause, denn du musst ja abends zum Fitnesskurs etc. und somit habe ich die Schicht oder sollte ich besser sagen, dass ich der Babysitter bin? Vor Wut schäume ich und Dad rät mir zur Ruhe, es wäre jetzt nicht an der Zeit, von einem Kuckuckskind zu sprechen, bevor nicht das Ergebnis des Vaterschaftstests vorliege. Weiterhin drücke ich alle paar Minuten den Knopf und hoffe auf die Mail vom Labor. Die Kleine schaut mich aus dem Laufstall an und fängt an zu heulen. Sie scheint hungrig zu sein, ich gebe ihr die Flasche und ihre Augen fangen an, schwerer zu werden. Nur noch fünf Minuten und sie wird eingeschlafen sein. Lass jetzt bitte niemanden anrufen oder an der Tür klingeln, sonst ist sie wieder putzmunter und wie die Nacht dann aussieht, kenne ich mittlerweile zu Genüge. Auf dem Bildschirm sehe ich, dass endlich die Mail vom Labor eingetroffen ist. Ausgerechnet jetzt, habe keine Hand frei und reden geht auch nicht. Mein Herz rast im Galopp und mir wird schlecht, wie damals bei der Geburt, als ich ihre braunen Augen zum ersten Mal sah. Adrenalin flutet meine Blutbahnen und denken kann ich nun nur noch wie ein Neandertaler.

Endlich ist sie eingeschlafen, bringe sie hoch in unser Schlafzimmer und lege sie behutsam in ihr Bettchen, mache das Babyphone an und schleiche mich raus, eile die Treppe herunter und stolpere dabei so, dass ich mir den Fuß umknicke und eine Badelatsche verliere, scheißegal, ich will jetzt endlich nur dieses verflixte Vaterschaftstestergebnis wissen und humpel halb barfüßig an meinem Paps vorbei hin zum Computer und öffne das PDF.

100% sehe ich als erstes, ja was denn? Vater oder nicht?!!!

Die Untersuchung ergibt, dass der untersuchte Mann in 7 der betrachteten 16 Loci keine Übereinstimmung mit dem untersuchten Kind aufweist. Somit ist entsprechend den Richtlinien zur Erstattung von Abstammungsgutachten eine Vaterschaft des untersuchten Mannes biologisch zu 100% Prozent ausgeschlossen.

Bis ich endlich in der Lage war, die Zeile richtig zu lesen, brauchte es ein paar Anläufe. Immer wieder lese ich diesen verschwurbelt formulierten Satz durch und stammle: „Paps, Du hattest so Recht, Du hattest so Recht und wie Du Recht hattest! Was wird Mutter nur dazu sagen? Sie war so glücklich, endlich Großmutter zu sein.“

„Setz Dich jetzt erst einmal wieder hin, ich hole uns ein Bier und einen Beutel gefrorener Erbsen, Dein Fuß ist schon ganz geschwollen. Das sieht nicht gut aus“, höre ich ihn wie aus der Ferne sagen. Meinen Fuß spüre ich nicht. Hingegen fühle ich jeden einzelnen meiner Atemzüge, jeden einzelnen Herzschlag, wie in Zeitlupe. Es ist so, als ob ich diese Szene als Außenstehender beobachte. So stelle ich mir eine Nahtoderfahrung vor.

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Fortsetzung Zwischen Verachtung und Gerissenheit – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 21

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Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu Vaterschaftstest und Nahtoderfahrung – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 20

  1. Matthias schreibt:

    Also die Hölle möchte ich nicht durchmachen. Das Problem ist nur: So wie man sich überhaupt noch auf eine Beziehung einlässt, macht man sich verwundbar und wird auch mit hoher Wahrscheinlichkeit verwundet. Gerade in der heutigen Zeit, bei der Fluktuation auf dem Partnermarkt, geht vieles schief. Da gehen Beziehungen und Ehen kaputt, auch, nachdem bereits gemeinsame Kinder auf der Welt sind – oder aber die Kinder sind noch nicht mal gemeinsame, sondern halt untergeschobene.

    Da fragt man sich: Wie kriegt die Gesellschaft das alles wieder in den Griff, wenn überhaupt?

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