Wir reiben uns auf – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 19


Baby beim Stillen - Foto von Andyk

Meine kleine Prinzessin braucht die Brust – © Foto by Andyk, Perth, Australia

Kuckuckskind – Rabenmutter / Herumvögeln – Kiffen / Autorin – Claudia Knieriem – In Deinem vorwurfsvollen Blick, als ich am Geburtstagsabend mit milchnasser Bluse vor Dir stand, lag eine Spur Verachtung, wie ich empfand. Doch war ich in dem Moment nur froh gewesen, dass Dein Vater schon gegangen war und mir so weitere Peinlichkeiten erspart blieben.

Mit „Sie ist schon seit 15 Minuten wach!“ drücktest Du mir unsere Tochter in den Arm, die ihren Durst nun nicht mehr bändigen konnte und ungeduldig zu meckern begann. Deine Fragen blieben unausgesprochen, Rabenmutter stand Dir auf die Stirn geschrieben. Ich wollte noch zu einer Erklärung ansetzen, meine, mit heißer Nadel zusammengestrickte Ausrede, weshalb

ich geschlagene zwei Stunden gebraucht hatte, meine Eltern und Deine Mutter nach Hause zu fahren vortragen, doch da hattest Du mir schon den Rücken gekehrt und machtest Dich ans Aufräumen.

Es passte so zu Dir, nicht weiter in mich zu gehen. Lieber alles zugedeckt lassen, bevor es unangenehm wurde. Seit jenem Abend warst Du noch gedankenverlorener als sonst, bisweilen sogar abweisend.

Ich versuche es wirklich. Versuche, Dich weiterhin mit den Augen der Liebe zu sehen. Du gehst so liebevoll mit der Kleinen um, die Vaterrolle ist Dir wie auf den Leib geschrieben. Doch anstatt mich darüber zu freuen, es Dir zu gönnen, steigen Neid und Eifersucht in mir auf, Missgunst sogar. Hast Du es überhaupt verdient ihr Vater zu sein? Als Mann nehme ich Dich nicht mehr wahr. In meinen Augen bist Du ein Männlein, schwach und weich, mir immer zu Gefallen gewesen. Jetzt stößt mich das ab.

Seit ein paar Tagen wirkst Du so nervös, als hättest Du etwas zu verbergen. Ob Du Dir eine Affäre angelacht hast? Das wäre hervorragend … und ich das klassische Opfer. Der Aufschrei wäre groß, wenn Du mich so kurz nach der Geburt unseres Kindes sitzen lassen würdest. Doch wann solltest Du die Bekanntschaft einer Frau gemacht haben?! Dazu fehlt Dir auch einfach das Selbstvertrauen …

Zu allem Überfluss sitzt Du heute mit Deinem Taugenichts von Freund bei einem Bier auf der Terrasse. Gerade als mich zum Fitnesstraining verabschieden will, dringen Wortfetzen an mein Ohr, die mich an der Terrassentür stehend innehalten lassen. „Merkwürdig … braune Augen … Deine … blau und wer … gefragt?“

Was bildet sich dieser Pimpf nur ein?! Mir steigt Hitze ins Gesicht. Dieser Mensch hat doch vom Leben nun wirklich keine Ahnung, und ausgerechnet er bringt Dich womöglich auf schräge Gedanken. Bevor er Dich weiter aufstacheln kann, trete ich hinaus auf die Terrasse. Sofort herrscht Schweigen. Du schaust mich an, ringst mit einem Lächeln. Dein Freund senkt den Blick, spielt mit dem Etikett seiner Bierflasche.

„Mir geht es seit einiger Zeit nicht so gut, ich hab bestimmt fünf Kilo abgenommen in den letzten vier Wochen.“ In seinen Gesichtszügen sehe ich tatsächlich Sorge, und für einen kurzen Moment habe ich Mitleid mit ihm, was sich sofort in Wut auf ihn wandelt als ich Dich, fürsorglich wie Du nun mal bist, sagen höre: „Mensch, da musst Du aber zum Arzt gehen. Siehst auch echt ein bisschen mitgenommen aus.“

„Lass‘ einfach mal die verdammte Kifferei sein und werd‘ mal solide. Dieses ewige Rumgesumpfe und durch-die-Welt-gevögele … Ist doch kein Wunder, dass Du beschissen aussiehst!“

Warum nur fühle ich mich durch ihn immer so provoziert? Ihr sagt beide kein Wort, Du siehst etwas zornig aus. Ich verabschiede mich bei Dir mit einem Kuss auf die Wange – und schon das kostet mich Überwindung.

Mit zwei Schritten bereits im Wohnzimmer spüre ich seinen Blick wie ein Messer zwischen meinen Schulterblättern und höre ihn verächtlich „Verdammte Eisprinzessin!“ zischen.

© Claudia Knieriem Mai 2013

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Fortsetzung folgt …

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Ich mache den heimlichen Vaterschaftstest – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 18

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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