Leben in Ketten – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 17


Baby beim Stillen - Foto von Andyk

Meine kleine Prinzessin braucht die Brust – © Foto by Andyk, Perth, Australia

Kuckuckskind – Moralprediger – Moralapostel / Autorin – Claudia Knieriem – Wann hatten wir uns derartig verloren? Oder geht es nur mir so? Die Nächte sind zur Zeit eine echte Qual, stündlich stehe ich auf, stille die Kleine, massiere ihren aufgeblähten Bauch bis ich vor Erschöpfung den Tränen nahe bin. Auch da bist Du wieder mal toll. Obwohl Du früh aufstehen und in den Job musst, löst Du mich ab, gibst Deiner kleinen Prinzessin Tee zu trinken und schleppst sie im Fliegergriff durch die Wohnung, bis sie wieder in einen Schlummer fällt.

Während Du bei ihr bist, liege ich wach und denke an ihn. Er, der wohl der wahre Vater ist und

mir immer öfter in den Ohren liegt, ich solle reinen Tisch machen und zu ihm kommen, mich zu ihm und unserem Kind bekennen. Ja, wie stellt er sich das denn vor?! Ich welchem Licht würde ich dann dastehen? Vor meinen und Deinen Eltern, der Familie, unserem Freundeskreis?

Überhaupt schaut mich Dein Vater immer so merkwürdig an. Gemocht haben wir uns nie wirklich, doch seit die Kleine auf der Welt ist sieht er Dich beinahe mitleidig an. Oder bilde ich mir das nur ein?

Deine Mutter ist noch eine Spur schlimmer, völlig vernagelt in ihre Söhne und immer perfekt. Ja, für sie musste es ja geradezu ein gefundenes Fressen sein, dass dieses Mal an Deinem Geburtstag nur eine Fertigtorte den Kaffeetisch ziert. Scheinbar hatte sie vergessen wie anstrengend die ersten Monate mit Säugling waren.

Äußerlich bin ich zwar anwesend, doch in mir schreit alles nach Rebellion, nach Freiheit, nach Veränderung. Ich will Ketten sprengen – und weiß nicht wie. Hat je einer von Euch Moralisten gefühlt, wie es ist, wenn man aus der Haut platzen möchte? Wenn man das Gefühl hat, dass einem ein anderes Leben bestimmt ist? Viele Umwege sind zu gehen … Ich mag nicht mehr, ich will schreien, wüten, heulen, um mich schlagen, jemandem weh tun, weil ich meinen eigenen Schmerz nicht aushalten kann.

Nachdem ich Dir unser Kind in die Arme gelegt habe und vorgebe, in der Küche noch dringende Arbeiten verrichten zu müssen, nutze ich die Gelegenheit IHM eine SMS zu schreiben. Dieses armselige Rumgeheuchle Deiner Eltern, das Geschwaller Deines erfolgsverwöhnten Bruders und Deine Erbsenzählerei verhageln mir zunehmend die Laune. So bin ich heilfroh, als mein Schwiegervater mich bittet, Deine Mutter nach Hause zu fahren. So weiß ich Dich in der nächsten Zeit abgelenkt, weil Dein Vater ja ganz offensichtlich noch Gesellschaft wünscht.

Dies gibt mir die unerwartete Gelegenheit ihn kurz zu sehen. Die Zeit vergeht viel zu schnell, und ich bin länger weg als erklärbar ist. Das wird mir erst bewusst, als mir warm die Milch aus den Brüsten läuft und meine Seidenbluse durchtränkt. So geht das nicht weiter. Entweder reiße ich mich zusammen und lebe mein Leben mit Dir und unserer Tochter oder …

Warum Dein Vater wohl so unbedingt noch alleine mit Dir sein wollte?

© Claudia Knieriem Mai 2013

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Fortsetzung Ich mache den heimlichen Vaterschaftstest – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 18

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Heimlicher Vaterschaftstest zum Geburtstag – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 16

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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