Du gehst mir auf die Nerven – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 15


Wiener Melange in einem Café

Kaffee mit meinen Freundinnen – © CC2.0 Foto: Rüdiger Wölk

Kuckuckskind – Vasektomie – Vaterschaft – Sündenbock / Autorin – Claudia Knieriem – Deine schlechte Laune geht mir langsam ziemlich auf den Keks. Du hast nur noch Augen für unsere Tochter, wenigstens das. Mit mir scheinst Du zu grollen. Wir sprechen kaum noch miteinander, an den wenigen Tagen, die Du zu Hause verbringst. Dein Job spannt Dich zur Zeit sehr ein, jedes Wochenende fährst Du zu dieser dämlichen Fortbildung, von der ich nicht mal weiß, was sie bringen soll. Geld wohl erst einmal nicht, da Du die Weiterbildung mitfinanzieren musst. Und das, wo ich jetzt so viel Zeit zu Hause verbringe, mit der Lütten immer mal shoppen möchte, mich mit Freunden und Freundinnen in Cafés treffe. Zum Glück

gibt es ihn. Meinen großzügigen Liebhaber. Er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, wobei ich mich noch zurück halte, damit ich Deinen Argwohn nicht wecke. Ansonsten hätte ich wohl schon die neue Frühjahrskollektion von Dolce und Gabbana …

Wann immer es uns möglich ist, treffen wir uns. Nicht mehr nur samstags mit Kind im Café, nein, auch an zwei Abenden in der Woche, wo Du mich in der Sauna oder im Fitnessstudio wähnst.

Wie hatte ich so blind sein können? Und ihn damals aufgeben? Mit Dir heißt es immer nur knausern. Und so wirklich attraktiv fand ich Dich auch nie. Das alles geht mir zunehmend auf die Nerven. Ich will ein anderes Leben. Schicke Klamotten für mich und mein Kind – und einen Mann zum herzeigen.

Je öfter wir uns mit Kind treffen, desto mehr ändert sich sein Verhalten ihr gegenüber. Neuerdings nimmt er sie sofort aus der Sportkarre und setzt sie sich auf den Schoß. Für ihn scheint es inzwischen sicher, dass er der Vater ist. Ihre Augen ähneln frappierend den seinen. Und so ist für uns klar: in äußerst seltenen Fällen kommt es trotz Vasektomie zu einer Schwangerschaft. Er hatte sie damals gerade erst durchführen lassen, vier Wochen war es her gewesen …

Natürlich will ich mich nicht outen. Warum auch? Wenn wir uns trennen sollten, nehme ich den Unterhalt für mich und die Kleine gerne von Dir in Anspruch. Schließlich brauche auch ich ein wenig finanzielle Unabhängigkeit. Und wegen ein paar brauner Augen wirst Du schon nicht auf den Trichter kommen, einen Vaterschaftstest machen zu wollen – meine Urgroßmutter väterlicherseits hatte ebenfalls braune Augen, eine sehr gute Erklärung, wie ich finde. Außerdem bekämest Du von mir niemals die Einwilligung dazu, eine Szene wäre Dir sicher. Mindestens. Und das weißt Du auch.

Ich denke jetzt nur noch an mich. Und so, wie Du Dich verhältst, hoffe ich mal, dass Du unsere Ehe bald hinschmeißt – der Buhmann steht Dir deutlich besser als mir.

© Claudia Knieriem Mai 2013

 OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO

Fortsetzung Heimlicher Vaterschaftstest zum Geburtstag – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten Teil 16

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihm: Ich will es nicht wahrhaben – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten

Und alle Teile im Überlick: hier klicken!

Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

Advertisements

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Geschichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s