We are family – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 13


Baby hält den Daumen seiner Mutter

In den folgenden Wochen haben düstere Gedanken keinen Platz. – © Foto under CC2.0: tiarescott, Beverly Hills, California, USA

Kuckuckskind – erste Wochen mit Baby /  Fremdgehen – Seitensprung – Affäre / Autorin – Claudia Knieriem – Ich glaube, dass Du mir nichts angemerkt hast. Du lachtest sogar, als ich meinte, sie hätte Deinen krummen Zeigefinger. Und wahrscheinlich hast Du, so vollgepumpt mit Adrenalin und überschüttet mit Endorphinen überhaupt nicht wahrgenommen, dass unser zuckersüßes Mädchen braune Augen hat. Welcher Vater bemerkt sowas auch schon? Ist doch erst einmal nicht

ungewöhnlich, so redete ich es mir zumindest ein. Nur leider stichelte der Teufel in meinem Ohr. „Für wie blöd hältst Du ihn eigentlich?! So ein vorbildlicher schwangerer Vater. Schon vergessen, was die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs erzählt hat? Eltern mit blauen Augen können AUF JEDEN FALL nur Kinder mit blauen bekommen …“ Na und? Dann irrt sie sich eben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und die Kleine hat tatsächlich den gleichen krummen Zeigefinger wie Du. Alles wird gut.

Deine Reserviertheit der folgenden Tage schiebe ich auf den Stress, der sich für Dich durch die frühere Geburt unserer Tochter ergeben hat. Als wir nach Hause kommen hast Du alles ganz wunderbar für uns vorbereitet. Im Kinderzimmer stapeln sich schon jede Menge Geschenke von Freunden und Verwandten, ein riesiger Hello Kitty Ballon von meiner besten Freundin schwebt kitschig unter der Decke. Für mich steht ein großer Strauß wunderschöner Lilien und Rosen im Wohnzimmer. Ich will mich schon bedanken, da sagst Du mir, dass Du Deine Blumen im Esszimmer untergebracht hast und dass es im Vergleich zu diesem opulenten Strauß nur ein Sträußchen wäre, immerhin jedoch meine Lieblingsblumen: Tulpen in allen Farben.

Dein Blick brennt mir heiß im Rücken als ich die beiliegende Karte öffne. Ich halte die Luft an, in Erwartung entlarvender Worte meines Liebhabers und lache kurz hysterisch auf. Dein nichtsnutziger bester Freund gratuliert mir zur Geburt, mit viel Stolz und Pathos lobt er meine „Leistung“ und entschuldigt sich für sein ungehöriges Verhalten auf der Babyparty. Deiner sich aufhellenden Miene nach zu urteilen werde ich dummerweise den Gedanken nicht los, dass auch Du jemand anderen für die Blumen im Verdacht hattest.

In den folgenden Wochen haben düstere Gedanken keinen Platz. Wir sind so vernarrt in unser kleines Bündel; die Tage und Nächte sind ausgefüllt. We are happy familiy …

Nachdem Du nun so viele Wochen zu Hause geblieben warst, geht der Business-Alltag wieder los, mit Pauken und Trompeten. Gleich am ersten Wochenende musst Du zu einer Fortbildung. Und so lasse ich mich zum ersten Mal alleine treiben, samstäglicher Spaziergang mit Kind. Wie von Geisterhand geführt stehe ich plötzlich vor dem Stamm-Café meines Seitensprungs und ertappe mich, dass ich Ausschau nach ihm halte. Gerade noch rechtzeitig verhindere ich ein Zusammenstoßen mit einem Passanten. Beim Anblick dieses Blondschopfs und dem strahlenden Lachen aus tiefbraunen Augen schlottern mir die Knie. Wie aus weiter Ferne höre ich mich sagen: „Bist Du Dir sicher, dass Du zeugungsunfähig bist?“

© Claudia Knieriem April 2013

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Fortsetzung: Ich will es nicht wahrhaben – Gedanken eines jungen Vaters – Spiegelwelten

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Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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Eine Antwort zu We are family – Gedanken einer jungen Mutter – Spiegelwelten Teil 13

  1. Olga schreibt:

    Eine krasse Geschichte. Gänsehaut…

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