Meine kleine Prinzessin? – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten Teil 12


Foto einer Säuglingsstation

vertauscht auf der Kinderstation – eine Katastrophe für alle Beteiligten – © Foto: Daquella manera

Kuckuckskind – Vaterschaft unklar – Geburt – Kaiserschnitt – Kreißsaal – Baby vertauscht / Spiegelwelten – Serie – Ein Kaiserschnitt ist unausweichlich und man rät Dir zur Vollnarkose. Deine Augen füllen sich mit Tränen. Du möchtest eine PDA, damit Du unsere Tochter willkommen heißen kannst, doch nachdem der Chefarzt Dir in Deinem Fall davon abrät, willigst Du ein. Zum Glück darf ich mit in den OP-Raum. Die Kanüle ist gelegt, das OP-Tuch und der Sichtschutz platziert. Mir wird mulmig. „Sag unserer Prinzessin Hallo von mir“ flüsterst Du mir zu, während Du wegdämmerst.

Nun geht alles recht schnell und ich darf unser schreiendes Baby sehen, doch schon muss es in den Untersuchungsraum der Kinderärztin und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis

ich endlich unsere kleine Prinzessin in die Arme nehmen kann. Sie schaut mich mit ihren dunklen braunen Augen an. Ich bekomme Gänsehaut. Es kann nicht unser Kind sein! Es wurde vertauscht, war mein erster Gedanke, doch die Kinderärztin beruhigt mich, dass eine Verwechslung wirklich nicht sein kann, zumal dies heute die erste Geburt in der Nachtschicht war und die anderen Kreißsäle leer sind. Doch wie soll das sein? Ich weiß ganz genau, dass Eltern mit blauen Augen nur Kinder mit blauen Augen haben werden. Selbst die Hebamme im Kurs meinte damals, dass wir uns auf die garantiert schönen blauen Augen freuen können, die unser Kind bekommen würde, so wie die Eltern.

Langsam wird mir klar, dass etwas geschehen ist, was nicht sein darf. Ich kann nicht der Vater dieses Kindes sein. Was mache ich jetzt, ich liebe dieses Kind. Ich liebe Dich. Es tut so unendlich weh. Mir wird schlecht und setze mich zu Dir auf das Bett im Aufwachraum mit diesem kleinem Würmchen auf dem Arm. Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll und merke, wie mir die Tränen kommen. Nein, jetzt nicht. Das ist nicht der Zeitpunkt um mich gehen zu lassen! So wische ich mir die Augen trocken und warte.

Alles nehme ich nur noch dumpf wahr. Die Krankenschwester gibt mir Bescheid, dass im Flur die Tanten, Onkels und Großeltern und ein paar Freunde darauf warten, die Kleine sehen zu dürfen. Ich stehe auf und stelle mich meiner Aufgabe und zeige kreidebleich die Kleine den Besuchern. „Mensch hat sie schöne dunkle Augen!“ „Man kann geradezu darin versinken!“ und andere Kommentare schlucke ich mit guter Miene herunter.  Warum in aller Welt muss ich nun auch noch durch diese Hölle gehen und die Geburt ausgerechnet auf der Babyshower einläuten. Keinen von ihnen will ich jetzt sehen und entschuldige mich, dass ich sehr müde sei und Du jeden Moment wach werden würdest. Es stimmt ja auch, nur nicht ganz. Mein Vater schaut mich traurig an und sagt leise: „Ich warte hier mit Mutter auf Dich mein Junge.“ Er zwingt sich ein Lächeln auf und wendet sich den anderen wieder zu um sie zu verabschieden.

Nun sitze ich wieder am Bettrand und Du wachst langsam aus der Narkose auf. Mit einem „Du bist nun Mutter“ lege ich Dein Kind Dir in die Arme. Du strahlst total und tastest sie überall ab. Sie öffnet ihre Äuglein. Dein Lächeln weicht für einen Moment, um dann im nächsten Moment zu sagen: „Schau mal, sie hat Deinen krummen Zeigefinger!“

Die Kinderkrankenschwester kommt und nimmt sich der Kleinen an und das andere Pflegepersonal schiebt Dich aus dem Aufwachraum in Dein Zimmer und ich verabschiede mich wortkarg. Ich habe keinen Schimmer, was ich sagen soll.

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Fortsetzung We are family – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Neues Leben, neues Glück? – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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