Ich kümmerte mich um das Kind, als wäre es meines – von Stiefmutter Sandra


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im Gästebuch postete Sandra aus Österreich ihren Erlebnisbericht und reichte uns nun in ausführlicherer Form ein.

Kuckuckskind – Stiefmutter – Vaterschaftstest – Kontaktabbruch / Österreich / Erlebnisbericht – Geschichte – Erfahrungsbericht – Mein Mann und ich sind seit 10 Jahren verheiratet, unsere Ehe hat immer sehr unter den Ereignissen gelitten, die ich nun schildern werde, und ist manchmal schon auf der Kippe gestanden. „Mit uns“ waren immer seine Ex-Freundin und der kleine Bub.

Ich konnte damit immer schwerer umgehen als mein Mann, wir haben sicher auch viele Fehler gemacht, aber wie geht man mit so einer Situation um? Ich bin immer sehr zur Ehrlichkeit erzogen worden, und es fällt mir noch immer schwer zu glauben, dass jemand einem so mitten ins Gesicht lügt. Mein Mann wurde von Freunden und Verwandten aufmerksam gemacht, dass sein 6-jähriger Sohn nicht “sein Sohn” sei. (Er lebte zu dem Zeitpunkt schon getrennt von der Ex-Freundin.) Da der Junge dem Ex-Freund der Freundin ähnlich sah, entschloss sich mein Mann einen Vaterschaftstest zu machen. Heraus kam, dass mein Mann nicht der Vater ist. Anfänglich stritt es die Mutter ab, gab aber dann doch zu, dass sie während ihrer Beziehung mit ihrem Ex-Freund ein Verhältnis hatte. Es folgte dann noch die Feststellung der Vaterschaft des Anderen, und es kam zur Aberkennung der Vaterschaft meines Mannes. Dies hat alles mein Mann bezahlt. Mein Mann hat nichts gefordert, er wollte nur alles in Ruhe geklärt haben. Er war anschließend sehr krank. Das Verhältnis zu dem kleinen Jungen wurde ab dem Zeitpunkt der Aberkennung viel intensiver als vorher. Dies ging auch stark von der Mutter aus, sie bat meinen Mann laufend den Jungen zu nehmen, wohin zu bringen usw. Mein Mann forderte damals von der Mutter nur, dass sie dem Kind sagt, dass er nicht der leibliche Vater ist, das hat sie auch gemacht.

Heute ist der Junge schon 13 Jahre alt, wir blicken auf ein jahrelanges Chaos zurück, es gab immer wieder Probleme zwischen der Ex-Freundin meines Mannes und mir, wenn der Bub da war, dann habe mich um ihn gekümmert als wäre er mein Kind, der Bub hing auch sehr an uns – leider war immer Eifersucht bei der Mutter da, dies hatte dann oft zur Folge, dass der Kleine eine Zeit nicht kommen durfte. Einerseits war sie froh, dass sie den Buben bei uns abgeben konnte, andererseits war sie dann sauer wenn der Kleine nicht heim wollte. Ich werde nie vergessen, als er in unserem Wohnzimmer am Boden saß und ihm riesen Tränen aus den Augen kullerten, weil er heimfahren musste. Ich habe dann den Kalender genommen und ihm gezeigt, wann er das nächste Mal kommen darf. Dieses Versprechen konnte ich aber nicht einhalten, da ihn seine Mutter nicht kommen ließ. Wenn er länger bei uns war, dann rief er mich tagelang an, als er schon wieder zu Hause war und weinte fürchterlich, dass die Mutter ihm gedroht hat, wenn er nochmals weint beim Heimkommen, dann darf er nie wieder zu uns. Es hat auch Zeiten gegeben, wo er stark vernachlässigt war.

Der Junge weiß nur, dass mein Mann nicht sein leiblicher Vater ist, mit seinem leiblichen Vater und dessen Familie will er nichts zu tun haben. Er hat mir einmal erzählt, dass der richtige Papa seine Mama in der Schwangerschaft verlassen hat und dann halt der Papa (mein Mann) sich um ihn gekümmert hat. Er hat auch einmal zu mir gesagt, ich hab meine Mama gefragt, wer ist jetzt eigentlich mein richtiger Papa? Woraufhin die Mutter gesagt hat: “Du hast keinen Papa!“ Wir haben uns da nie eingemischt, nur ein zwei Mal gefragt, ob er Kontakt zu seinem Vater hat.

Es wurde in letzter Zeit immer schwieriger, es gab Konflikte zwischen seiner Mutter und uns, wo er sofort die Seite der Mutter ergriffen hat, was auch in Ordnung ist. Meist waren es banale Kleinigkeiten, die sich aber aufgeschaukelt haben.

Nun ist es so, dass wir die Mutter gebeten haben, dem Buben endlich die ganze Wahrheit zu erzählen, denn irgendwer wird es einmal tun, sehr viele wissen was damals passiert ist. Er wird sich später von uns allen hintergangen fühlen. Das Kind soll auch die freie Entscheidung haben, ob er seinen leiblichen Vater und dessen Familie kennenlernen will. Solange er glaubt, dass sein biologischer Vater ihn in Stich gelassen hat, wird er ihn nicht sehen wollen und wenn er später erfährt, dass es nicht so war, kann er die Zeit die er vielleicht versäumt nicht mehr zurückholen. Noch ist er jung genug, um es verarbeiten zu können und vielleicht kann er dann auch so einiges, was in der Vergangenheit passiert ist besser verstehen. Im Grunde hat diese Lüge zu manchem Konflikt geführt in der Vergangenheit. Ich habe meine Kinder immer mit der Wahrheit erzogen, und das war gut so.

Seit wir mit der Kindesmutter geschrieben haben, will der Bub mit uns nicht mehr reden. Wir wußten leider nicht, dass seine Mutter mit ihm unsere Mails bespricht, das hat uns schockiert. Was sie ihm da gesagt hat, wissen wir nicht, nur dass er seitdem keinen Kontakt mehr will.

Es ist sehr schwer, das alles niederzuschreiben, aber wir haben beschlossen, dass wir den Buben „in Liebe“ loslassen müssen. Er ist einen Teil seines Lebens mit uns gemeinsam gegangen, diese Zeit wird ihn sicher geprägt haben. Aber nun ist es für ihn besser, wenn wir ihn „in Ruhe“ lassen, denn das „Hin und Her“, schadet ihm mehr, als wir ihm helfen können. Er will den Kontakt nicht mehr, und das haben wir zu respektieren, auch wenn es weh tut. Vielleicht kommt er später einmal auf uns zu – er wird immer das Kind meines Mannes bleiben.

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Ich kümmerte mich um das Kind, als wäre es meines – von Stiefmutter Sandra

  1. Manfred W. schreibt:

    Die Eifersucht der Frauen untereinander (noch dazu auf Kosten der Kinder) ist ekelhaft. Ich habe darunter, bei meinem Vater und Stiefmutter aufgewachsen, ebenfalls leiden müssen.

  2. Marta Pandora schreibt:

    Wenn Liebe zwischen den Menschen liegt, ist es leider oft der Fall, dass eine dritte/eifersüchtige Person diese zerstört, in dem manipuliert wird und der Liebende, nicht aus freien Stücken, sich zurück zieht und nur negativ denkt. Ich musste es auch so erfahren. Nun, der Bub ist noch jung, vielleicht findet er den Weg zu Euch zurück, wenn er älter ist.

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