Neues Leben, neues Glück? – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten Teil 11


Baby hält den Daumen seiner Mutter

Und dann legtest Du mir unsere Tochter in den Arm. Was für ein perfektes Geschöpf! – © Foto under CC2.0: tiarescott, Beverly Hills, California, USA

Kuckuckskind – Geburt – geplatzte Fruchtblase /  Fremdgehen – Seitensprung – Affäre / Autorin – Claudia Knieriem –  Es war ein regelrechter Schock für mich gewesen, der blöde Spruch Deines Freundes. Er konnte doch nun wirklich nichts wissen. Und dann begießt er so heftig unser Ungeborenes, als gäbe es kein Morgen. Vor lauter Angst, er könnte auch Dir irgendeine mysteriöse Botschaft zuraunen, platzt mir die Fruchtblase.

Du bist mal wieder großartig. Meinen ängstlichen Blick führst Du,

wie sollte es auch anders sein, auf die nun bevorstehende Geburt zurück. Zwei Wochen vor dem errechneten Termin – ich bin nur froh, dass wir nun endlich einen Grund haben, unsere eigene Babyparty verlassen zu können.

Entgegen all meiner Gedanken und Selbstvorwürfe hatte ich mir meinen Bauch mit einer Szene aus „Der kleine Prinz“ bemalt. Eine Liebeserklärung an Dich, der Du dieses Buch vergötterst. Und ich hatte dringend das Gefühl gebraucht, etwas Gutes zu tun, ein guter Mensch zu sein – und auf diese Weise unser Baby willkommen zu heißen.

Unsere Prinzessin machte es mir nicht leicht. Ich empfand die Geburt als Bestrafung dieses kleinen Wesens, als wüsste sie um all die Geschehnisse. Stunde um Stunde lag ich in den Wehen, quälte mich durch die Schmerzen.

„Es sind noch keine Geburtswehen, gehen Sie nochmal in die Badewanne“ teilte uns die Hebamme nach einer weiteren Runde am Wehenschreiber mit. Ich empfand die Schmerzen schon jetzt unerträglich – und das waren noch keine Geburtswehen? Du, mein perfekter schwangerer Mann, unterstütztes mich nach Leibeskräften. Und ganz sicher hat es Kraft gekostet, mich zu halten, als ich mich auf dem Weg zum Bad mit all meinen Pfunden an Dich gehängt hatte, weil eine erneute Wehe meinen Körper erfasste. Mit der Zeit konnte ich den Schmerz immer besser bewältigen; unser Baby drängte auf diese Welt. Doch irgendetwas stimmte nicht. Unsere Prinzessin schien einen Dickschädel zu haben, verkeilte sich sozusagen hinter meinem Schambein – rien ne va plus … Kaiserschnitt.

Als ich mich endlich aus dem Schlaf der Narkose befreit hatte, blickte ich in Dein strahlendes, wenn auch erschöpftes Gesicht, ertrank fast im wässrigen Blau Deiner Augen. Und dann legtest Du mir unsere Tochter in den Arm. Was für ein perfektes Geschöpf! So wunderschön und alles dran. Acht kleine Fingerchen und zwei Däumchen zu Fäusten geballt, die Füße konnte ich durch den Strampler nur erfühlen, auch hier schien alles vorhanden. Kleinste süße Ohren, atemberaubend schöne und volle Lippen, ein Stupsnäschen, ein blonder Haarflaum und Augenbrauen wie gezeichnet.

Als ich diesem Wunderwesen über die geschlossenen Augen streiche und unser Glück kaum in Worte fassen kann, schaut sie mich zum ersten Mal an – ich blicke in tiefstes Braun. Und mit einem Augenaufschlag ist die Angst zurück …

© Claudia Knieriem April 2013

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Fortsetzung Meine kleine Prinzessin? – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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