Ich bin ein Kuckuckskind und wurde abgeschoben – von Natalja – Geschichten aus den Kommentaren


rotes Bobbycar

Bobbycar ® – die meisten der unter 40 Jährigen werden es aus der eigenen Kindheit heraus kennen – © Foto: Liane R. Anderson

Erlebnisberichte – Geschichten – Erfahrungsberichte – Kommentare / Serie – Blog / Kuckuckskind – abgeschoben – Großeltern – Diesmal habe ich einen ergreifenden Kommentar in einem Bericht von Max Kuckuckvater gefunden. Er veröffentlichte den Artikel, im Land der weiblichen Opfer und männlichen Täter – Beim Vater aufgewachsen – Teil 6 – von Manfred W.

Diese Darstellung kommentierte das Kuckuckskind Natalja mit einer beklagenswerten Wiedergabe über sich selbst.

Ich bin ein Kuckuckskind, mittlerweile eine Frau und Mutter, die die Last des Verrats an der Kinderseele ihr Leben lang mit sich tragen wird. Es können nicht unbedingt alle nachvollziehen, was

in einem Kind vorgeht, wenn es zu Großeltern (oder gar zu fremden Personen) abgeschoben wird und in regelmäßigen Abständen die “neuen Väter” vorgestellt bekommt. Genau so wenig wird einer, der das nicht erlebt hat, nachvollziehen können, wie verzweifelt ein Kind sich fühlt, wenn ihm auch noch ständig gesagt wird, dass diese “Mistgeburt” lieber gar nicht erst zur Welt kommen sollte. Keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich auch nur vorstellen, dass solche kindliche Erlebnisse dein ganzen Leben prägen und dieses gestalten. Dass die Sehnsucht nach einer Familie, die das Kind nicht hatte, zum Wahnsinn treibt. Dass jede, auch wenn nur kleine Lüge in ein Tief wirft. Dass jeder Verrat, der diesem Kuckucksmenschen angetan wird, ein Grund für einen Selbstmord sein kann, weil die Verzweiflung nicht auszuhalten ist… Das können nur ganz wenige und nur die nachvollziehen, die das Selbe erleb(t)en.
Manfred, Ihre Geschichte ist ergreifend und müsste eigentlich größeres (und besseres) Publikum finden, damit diese millionenfache Kinderverwaisung bei lebenden Eltern endlich ein Ende findet.

Erfahrungsberichte, die in den Kommentaren ein unbeachtetes Dasein fristen erhalten hier die Chance auf mehr Beachtung

Geschichten aus den Kommentaren – Serie im Kuckucksvaterblog

Natalja ist ein Kuckuckskind und wurde schon in der Kindheit an ihre Großeltern abgeschoben. Mittlerweile ist sie erwachsen und selbst Mutter. Als Kind schmerzte ihre Seele schwer unter dieser Situation. Noch heute leidet sie darunter und kann es nicht vergessen. Es war unbeschreiblich schlimm für Natalja, dass sie bei ihren Großeltern leben musste und in regelmäßigen Abständen irgendwelche neuen Väter vorgestellt bekam.

Ständig wurde ihr verdeutlicht, dass es besser gewesen wäre, wenn sie erst gar nicht zur Welt gekommen wäre. Man beschimpfte sie als Missgeburt. Sie fühlte sich deshalb schlecht und war verzweifelt.

Diese furchtbare Ablehnung prägte und gestaltete Nataljas ganzes weiteres Leben. Sie wurde fast wahnsinnig vor Sehnsucht nach einer intakten Familie. Noch heute verkraftet sie irgendwelche Unaufrichtigkeiten von ihren Mitmenschen nur sehr schwer. Jede, wenn auch nur kleine Lüge, wirft sie in ein Tief. Jeder Verrat, der heute diesem mittlerweile erwachsenen Kuckuckskind angetan wird, bringt sie an den Rand der Verzweiflung und lässt Gedanken an Selbstmord in ihr aufkeimen. Natalja ist der Meinung, dass nur sehr wenige Menschen und nur die, welche dasselbe erlebt haben, nachvollziehen können, was sie empfindet.

Ich bin selbst ein Kuckuckskind und kann sehr stark den tiefen Schmerz und die Trauer von Natalja nachfühlen.

Das Elternhaus ist der Grundstein für jedes Kind. Dort sollte man die Geborgenheit und Wärme bekommen, die für das weitere Dasein das Fundament bildet. Die bedingungslose Liebe von Vater und Mutter bauen das Vertrauen in das junge Menschenleben erst auf. Dieses Selbstvertrauen ist der Grundstock, um so stark zu sein, sämtlichen negativen Einflüssen von außen standzuhalten.

Leider blieb Natalja der Wunsch, einfach angenommen zu werden, verwehrt. Sie wurde schon von Klein auf damit konfrontiert, dass sie unerwünscht sei. Sie fühlte sich sicherlich ungeliebt, unnütz und einsam. Wurde weggestoßen von den Menschen, bei denen sie Liebe und Aufmerksamkeit suchte.

Sie sehnte sich nach Schutz und Geborgenheit. Ihre Kinderseele zerbrach an der kalten, lieblosen und abwertenden Behandlung. Mittlerweile ist ihre Seele so tief verletzt und wund, dass jeder noch so kleine Angriff für sie einen grenzenlosen Schmerz bedeutet. Denn somit drängt sich immer wieder der Gedanke von Zurückgestoßen werden und Wertlosigkeit bei ihr in den Vordergrund. Natalja hat inzwischen eine eigene Familie gegründet. Wir vom Blog wünschen ihr, dass sie dort die Liebe und Geborgenheit findet, nach der sie sich ihr ganzes Leben lang gesehnt hat. Des Weiteren, dass sie die Kraft aufbringt, sich selbst anzunehmen und ihre Stärken in sich aufspürt.

Vielleicht hilft auch das Bewusstsein, dass Eltern ebenso eine Vergangenheit hatten und oft unreif und mit verletzter Seele Kinder zeugen oder zur Welt bringen. Diesen Eltern ist deshalb leider oft nicht bewusst was sie da ihrem eigenen Nachwuchs Schlimmes und Furchtbares antun.

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Erfahrungsberichte, die in den Kommentaren ein unbeachtetes Dasein fristen erhalten hier die Chance auf mehr Beachtung

Geschichten aus den Kommentaren – Serie im Kuckucksvaterblog

Hier eine Auflistung sämtlicher Artikel aus der Serie „Geschichten aus den Kommentaren„.

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Über Liane R. Anderson

Bin ich mit 44 Jahren noch einmal Tochter geworden? Ich wurde im Oktober 1967 geboren, bin verheiratet und habe zwei tolle Kinder. Mein gesetzlicher Vater war Alkoholiker und sehr gewalttätig. Schon früh übernahm ich die Verantwortung für meine Mutter und meinen Bruder und organisierte mit nur 13 Jahren, unsere Flucht aus dieser Hölle. Mit viel Ehrgeiz und Kampfgeist erschaffte ich mir ein schöneres Leben. Bis ein einziger Satz mir den Boden unter den Füßen wegriss und meine komplette Identität in Frage stellte.
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Eine Antwort zu Ich bin ein Kuckuckskind und wurde abgeschoben – von Natalja – Geschichten aus den Kommentaren

  1. Boris Schneider schreibt:

    Das hängt aller Wahrscheinlichkeit nach damit zusammen, dass die Eltern das Selbe erlebt haben. Bleibt nur zu hoffen, dass Natalja irgendwann mal ihren Kindern viel Liebe entgegenbringen wird. Schade, dass es sowas noch immer gibt 😦

    Toller Artikel mit einem traurigen Thema.

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