Bin ich solch eine Schlampe? – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten Teil 5


Wiener Melange in einem Café

Samstags ist er stets in seinem Lieblingscafé – © CC2.0 Foto: Rüdiger Wölk

Kuckucksmutter – Laune – Zweifel – Schlampe / Autorin – Claudia Knieriem – Der Betrug muss mir ins Gesicht geschrieben stehen. Du musterst mich, kommst schon jetzt mit meiner Laune nicht klar. Wahrscheinlicher aber ist, dass ICH mit meiner Laune nicht klar komme.
Zu oft driften meine Gedanken weg. Was, wenn ich das Kind nicht bekomme? Doch wie könnte ich „heimlich“ abtreiben ohne Deinen Argwohn zu wecken? Ich müsste mir eine tränenreiche Geschichte ausdenken, meine Ärztin ins Betrugs-Boot holen, Dir Komplikationen vorgaukeln, allein in Urlaub fahren und eine Fehlgeburt vortäuschen …
Oh mein Gott, bin ich wirklich solch eine niederträchtige Schlampe? Was tue ich Dir

an? Und dem Baby? Allein meine negativen Gedanken reichen, dieses arme Wesen zu prägen, Zweifel zu säen … Was für ein Start in ins Leben?!

Bevor ich auch nur irgendetwas entscheiden kann, treffe ich ihn. Es ist leicht. Wie immer samstags sitzt er in seinem Lieblingscafé. Und er sieht einfach umwerfend aus: groß, sportlich (Surfer-Typ), braungebrannt, charmantes Lächeln und verdammt sexy. Einziges Manko, ein Segelohr auf der rechten Seite, verbirgt er unter seiner vollen, nackenlangen Haarpacht. Die Freude des Wiedersehens ist verhalten, eine erneute Begegnung in so kurzer Zeit scheint ihm unangenehm. Nach einer knappen Begrüßung konfrontiere ich ihn mit meiner Schwangerschaft. Er beglückwünscht mich mit einem süffisanten Grinsen. Und schiebt sogleich nach, dass er schon seit geraumer Zeit zeugungsunfähig sei. Der Stein, der mir vom Herzen fällt, wiegt Tonnen und löst augenblicklich einen Übelkeitsanfall aus. Die Mischung aus Coolness und Erleichterung ignoriere ich beim Verabschieden, ebenso die Schweißperlen auf seiner Oberlippe – ich brauche frische Luft.

Halleluja! Du bist der Vater! Wie hatte ich auch nur eine Sekunde zweifeln können? Jetzt wird alles gut. Hoffentlich.

© Claudia Knieriem März 2013

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Fortsetzung: Nur noch selten gehe ich zu den Heimspielen – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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2 Antworten zu Bin ich solch eine Schlampe? – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten Teil 5

  1. Pingback: Nur noch selten gehe ich zu den Heimspielen – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten | kuckucksvater

  2. Dr. Karin Jäckel schreibt:

    Sehr gute Idee. Ich werde den Blog gern auf meiner Webseite unter „Netzwerk“ verlinken.
    Viel Erfolg und gute Gedanken und – der Beitrag von Claudia Knieriem gefällt mir. Er ist gut verfasst, eindringlich, spannend zu lesen, mit überraschendem Ende. Alles, was eine Geschichte braucht.
    Karin Jäckel

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