Mein Papi ist nicht mein Vater – Nathalie B. – Aargauer Zeitung – Schweiz


Abbildung des Schriftzuges der Aargauer Zeitung

Aargauer Zeitung veröffentlicht einen Bericht über ein Kuckuckskind.

Kuckuckskind – Wahrheit – Verantwortung / Aargauer Zeitung – Erina Allmendinger / Schweiz – Zürich – In der Schweizer ‚Aargauer Zeitung‘ erschien heute am 26.03.2013 der Artikel ‚Kuckuckskind Nathalie B.: «Mein Papi ist nicht mein Vater»‚. Der ist wirklich empfehlenswert und birgt einige interessante Punkte. Deswegen werde ich einen großen Teil des Artikels zitieren, die mir wichtigen Passagen hervorheben und kommentieren.

Nathalie B.* aus Neuenhof erzählt ihre Geschichte: «Dein Papi ist nicht dein richtiger Vater.» Meine Mutter weinte, als sie mir nach 19 Jahren die Wahrheit sagte.

… Ich hatte zwar

niemals ernsthaft daran gezweifelt, das leibliche Kind meines Vaters zu sein, doch dieser Satz erklärte einiges.

Meine Mutter erzählte mir später, dass ich im Alter von vier Jahren bei einemFamilienessen plötzlich sagte, dass ich eigentlich zwei Papis habe.Möglicherweise hatte ich dies im Unterbewusstsein schon immer geahnt.

Alle Kuckuckskinder, die ich bisher kennengelernt habe, berichteten ebenfalls, dass sie immer schon ein Gefühl gehabt hatten, dass etwas nicht stimmen würde. Manche nehmen es mehr wahr und andere verdrängen es und erinnern sich so wie Nathalie, dass sie es eigentlich schon immer spürten.

… Erst nach und nach wurden mir die Folgen dieses einen Satzes bewusst: Meine Schwester ist nur meine Halbschwester, meine Grosseltern sind nicht meine Grosseltern.

Mein leiblicher Vater hat noch zwei Töchter, das heisst, ich habe noch zwei Halbschwestern. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film.

Spätestens bei den Großeltern, zu denen im Allgemeinen eher eine größere emotionale Distanz besteht als zu den gesetzlichen Eltern, wird die biologische Abstammung wichtiger als die gesetzliche Definition der Familienzugehörigkeit. Geschwister werden zu Halbgeschwistern und die Familie wird in der Regel durch die Aufdeckung der Lebenslüge größer.

Warum sie mir die Wahrheit gerade jetzt sagte, wollte ich wissen. Der Auslöser sei mein nicht leiblicher Vater gewesen. Bereits seit einem Jahr habe er gezweifelt, ob ich wirklich seine Tochter sei.

Er habe festgestellt, dass ich mich physisch ganz anders entwickelte als alle anderen aus meiner Familie. Im September habe er meine Mutter schliesslich direkt darauf angesprochen und sie bestätigte seine Zweifel.

Dass Kuckucksmütter von selber irgendwann die Wahrheit aus freien Stücken ans Tageslicht befördern, ist eher selten. Zumeist bekommen Scheinväter noch bei der Nachfrage und selbst nach einem negativem Vaterschaftstest von den Kuckucksmüttern gesagt, dass sie hundertzprozentig der Vater seien und alles nur Hirngespinste, Fälschung oder ein Irrtum sei. Insofern bemerkenswert von dieser Kuckucksmutter, dass sie den Klärungsprozess nicht noch weiter in die Länge gezogen hat und von da an zur Wahrheit steht. Das vermögen nur die wenigsten Kuckucksmütter.

… Nach einigen Tagen … konnte die Tragweite dieser Wahrheit realisieren.

Erstaunlicherweise hat mich der Gedanke, ein Kuckuckskind zu sein, fortan nicht Tag und Nacht begleitet. Ich wurde oft gefragt, ob ich auf meine Mutter nicht wütend sei. Ich verneinte immer.

Dass sie nicht wütend auf ihre Mutter ist, klingt für mich seltsam. Glaubhafter für mich ist, dass sie ihre Wut umwandeln konnte, da ihre Mutter nicht noch weitere Lügen auftischt und Verantwortung übernimmt. Durch diese Übernahme von Verantwortung wird Verzeihen ermöglicht.

Ich weiss, dass ich in ihrer Situation anders gehandelt hätte, doch ich konnte ihre Erklärung, dass sie mich in einer «intakten» Familie hatte aufwachsen lassen wollen, annehmen.

Meine Eltern sind seit mehreren Jahren geschieden. Zu meinem vermeintlichen Vater konnte ich trotzdem eine Beziehung aufbauen und pflege regelmässigen Kontakt zu ihm.

Die ‚intakte‘ Familie ist ja seit mehreren Jahren offensichtlich nicht mehr intakt und die Lüge wurde weiter aufrecht erhalten und ich bin mir sicher, dass die Kuckucksmutter vom Scheinvater den Kindesunterhalt und andere Ansprüche, die sich durch das untergeschobene Kind ergeben, einforderte. Jedoch, dass die Kuckucksmutter sich selbst die Illusion der ‚heilen Familie‘ aufrecht erhalten wollte, ist glaubwürdig. Vorstellbar ist, dass nach der Scheidung sich eine Kuckucksmutter nicht vor anderen die Blöße geben möchte, bereits lange Zeit voraus die zerrüttete Beziehung besiegelt oder gar verantwortet zu haben.

Auch mit meiner Mutter habe ich ein gutes Verhältnis. Das ist wohl der Grund, weshalb ich ihr Lügen entschuldigen konnte. Ich bin der Meinung, dass eine solche Wahrheit die Beziehung nicht zwingend gefährden muss.

In der heutigen Zeit sind Patchwork-Familien an der Tagesordnung und viele Kinder wachsen nicht bei den leiblichen Eltern auf. Unsere Generation ist mit dem Thema vertraut und kann damit umgehen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei sicher das Verhalten der Mutter. Ich konnte ihr nur vergeben, weil sie nach dieser Eröffnung aufrichtig mit mir über dieses Thema sprach und mir die Chance gab, meinen leiblichen Vater kennen zu lernen.

Oben kam der Punkt der Wut, der sich hier ganz gut erklärt, warum sie (jetzt?) keine Wut ihrer Mutter gegenüber verspürt. Auch ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass ihre Kuckucksmutter sie dabei unterstützte (in welchem Maß ist ungenannt), ihren leiblichen Vater kennen zu lernen.

… Es war merkwürdig zu wissen, dass dieser Mann am anderen Ende der Leitung mein Vater sein sollte. …

… Wir trafen uns am Zürcher Hauptbahnhof. Im Zug war mir übel vor Nervosität. Wie in Trance lief ich zum Treffpunkt und ich hatte das Gefühl, gleich umzukippen.

Die Nervosität, das Gefühl von Trance und nahe der Ohnmacht zu sein, zeigt deutlich, wie tief das Bedürfnis von Kindern ist, ihren leiblichen Vater zu kennen und angenommen zu werden.

Das erste, was ich dachte, als ich meinem Vater gegenüberstand, war: «Ist dieser Mann nicht zu jung, um mein Vater zu sein?» Dann fielen mir seine blauen Augen auf, die genau wie meine sind. …

… Er zeigte mir ein Foto seiner Töchter und schnell wurde mir klar, dass er mich in seiner Familie aufnehmen wollte, worüber ich sehr glücklich war.

Obwohl ich diesen Mann noch nie gesehen hatte, konnte ich nicht nur äußerlich starke Ähnlichkeiten feststellen, sondern auch im Charakter. …

ich hatte bisher geglaubt, dass Eigenschaften und Einstellungen vor allem über die Erziehung weitergegeben werden und nicht über die Gene.

Die Bedeutung der leiblichen Abstammung wird in vielen, vor allem in extremfeministischen Kreisen mit der Definition „Erzeuger“ abgewertet und versucht herunterzuspielen oder gar zu leugnen. In Scheidungskriegen bekommt man den Begriff ‚Erzeuger‘ besonders häufig zu hören. Letztendlich wird mit dem Leugnen ein Teil (50%) des Kindes geleugnet und darf somit nicht sein. Dass dies negative Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung und -empfindung der Kinder hat, davon ist in der Regel auszugehen.

Inzwischen habe ich auch die Familie meines leiblichen Vaters kennen gelernt und wir pflegen regelmässig Kontakt.

Meinen Vater kennen zu lernen, war sehr aufschlussreich für mich. Ich empfehle jedem Kuckuckskind, das die Möglichkeit dazu hat, diese Chance wahrzunehmen.

Das Verhältnis zu meiner Familie hat sich seit der Lüftung dieses Geheimnisses nicht verschlechtert. Die Tatsache, nicht genetisch verwandt zu sein, bedeutet nicht, dass inzwischen aufgebaute Beziehungen zerstört werden müssen.

Genau diese Chance bedarf einiger wichtiger Punkte: Zum einen, dass der leibliche Vater von der Kuckucksmutter genannt wird und zum anderen, dass der leibliche Vater zu einem Kennenlernen bereit ist. Als besonders nennenswertes Negativ-Beispiel ist an dieser Stelle der leibliche Vater und die Kuckucksmutter von Marta Pandora (Die Standesbeamtin machte mich stutzig – Meine Suche nach Identität und Wahrheit – Teil 1 – von Marta Pandora Beitrag nicht mehr vorhanden) anzuführen, die beide ihrem Kind diese Chance erschwerten bzw. verwehren.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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