Gewissensbisse – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten Teil 3


Badezimmer mit Toilette

Morgenübelkeit, viele kennen sie aus den ersten Schwangerschaftswochen – © Foto: Erin Vermeer http://www.flickr.com/people/evilerin/ cc2.0

Kuckucksmutter – Gewissensbisse / Autorin – Claudia Knieriem – Deine Freude über die Schwangerschaft war für mich beinahe unerträglich. Es hätte so anders sein sollen … Mein Gewissen brachte mich fast um …

Ich hatte mir immer vorgestellt, dass ich rein, unantastbar, besonders, glänzend und strahlend schwanger sein, dass ich mich wie

auf Watte gebettet fühlen würde. Stattdessen hatte ich Gewissenbisse wegen der heißen Affäre. Ach, was redete ich da?! Ein One-Night-Stand war es gewesen, nicht mehr und nicht weniger. Im Niedergang zu den Toiletten …

Abermals flitze ich zum Klo. Du bist wieder sofort hinter mir, hältst mir die Haare im Nacken zusammen und streichelst meinen Rücken, faselst was von der blöden Morgenübelkeit, die bei mir den ganzen Tag anzuhalten scheint. Ich quäle mir den letzten Rest aus meinem Inneren, versuche dieses Arschloch von Sandsturm aus mir heraus zu kotzen. Bitte, lieber Gott, lass es nicht sein Kind sein!

Du bist einfach wundervoll, hast so viel Verständnis für mich – was ich überhaupt nicht verdiene. Ich habe Dich betrogen! Und das an einem scheinbar perfekten Abend. Manchmal geht mir Deine „Frauenversteherei“ einfach nur auf die Nerven. Warum kannst Du nicht einmal wie „er“ sein? So ein richtiger Alphamann? Musst ja nicht gleich zwangsläufig auch zum Arsch mutieren.

Vor ein paar Tagen sah ich „ihn“ aus der Ferne – ich wechselte sofort die Richtung, einer Begegnung war ich nicht gewachsen. Was er wohl dazu sagen würde? Vielleicht würde er bald Vater werden. Doch hat er sich ja nicht mal gemeldet. Und das, obwohl wir vor gefühlten 100 Jahren eine fast zerstörerische On/Off-Beziehung gehabt hatten. Ich hasste ihn. Und fand ihn so anziehend, immer noch …

In der gleichen Nacht träumte ich von ihm. War er nicht perfekt?! Er sah gut aus, nein, er sah verdammt gut aus, hatte einen erstklassigen Job, fuhr einen erstklassigen Wagen, war gebildet, wusste, was Frau mag und war leider eben auch ein erstklassiges Arschloch. Der perfekte Ernährer? Ja, vielleicht. Doch als Vater wahrscheinlich eine einzige Katastrophe.

Du hingegen … Naja, vielleicht bist Du nicht ganz so galant, hast nicht so viel Klasse und auch weniger Geld, doch liebst Du mich – und ich Dich – und Deine mitunter süße Naivität macht Dich wahrscheinlich zu einem erstklassigen Vater. Bestechend auch Deine Ehrlichkeit, was ich von mir nicht behaupten kann. Was soll ich nur tun? Ich drehe mich im Kreis. Wenn ich es Dir sage, verlässt Du mich, obwohl Du der Vater sein könntest. Wenn ich es Dir nicht sage, leben wir eventuell mit einer Lüge, weil Du eben auch nicht der Vater sein könntest. Ich muss „ihn“ treffen, sehen wie er reagiert, auch, wenn ich da so eine Ahnung habe …

© Claudia Knieriem 2013

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Fortsetzung: Ich werde Vater! – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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