Wir bekommen ein Baby – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten Teil 2


postiviver Schwangerschaftstest

Manche versuchen es lange, bis sie endlich schwanger werden – © Foto: Bart Everson

Schwangerschaftstest – Versuche – Kinderwunsch / Spiegelwelten – Serie – Seit bald zwei Jahren weiß ich auf den Tag genau, wann Du Deine Regel hast. Bekomme es schließlich oft genug von Dir vorgerechnet. Drei Tage vor Deinem Eisprung verweigerst Du Dich mir gegenüber, damit ich für den speziellen Moment auch genügend zur Verfügung habe. Am Anfang war es aufregend. Nun ist es Routine, wie alles bei uns in den letzten Jahren.

Mein Vater sagte mir, es sei völlig normal, dass

es nach 12 Jahren in einer Beziehung ruhiger wird. Verwunderlich sei eher, dass es bei uns noch nicht zu kriseln begonnen habe, schließlich bist Du schon Ende 30 und immer noch kein Nachwuchs da, den wir beide uns doch so sehr wünschen. Wir Männer könnten entspannt sein, aber bei Frauen, da ticke nun einmal die Uhr. Als wenn ich das nicht wüsste. Er ist, ganz im Gegensatz zu meiner Mutter, geradezu in Dich vernarrt. Immer wenn bei unseren Besuchen mein Vater mal für einen Moment mit mir alleine ist, sagt er, was ich mir da doch für eine tolle Frau geangelt hätte und deutet dabei stets mit den Händen Deine Figur an. Ich grinse verlegen und möchte am liebsten im Erdboden versinken. Sicher wirst Du oder Mutter früher oder später das mal mitbekommen.

Ich sitze auf dem Wannenrand und reiße die Verpackung vom Schwangerschaftstest auf, nehme die Kappe ab und reiche ihn Dir. Atme schwer aus. Bin aufgeregt. Das ist lange her. Bist Du wirklich schwanger? Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Noch nie war Dein Zyklus unregelmäßig, sondern stets genau wie ein Schweizer Uhrwerk. Seit knapp zwei Tagen ist nun Deine Blutung überfällig. Wieder stelle ich mir die Frage: „Würdest Du wirklich schwanger sein?“ Mein Puls pocht bis in die Ohren. Ich reiche Dir die Kappe. Wir schauen uns in die Augen. Du bist still.

Den Test legst Du auf den Wannenrand neben mich und starrst auf das kleine Resultats-Fenster. Ich sehe Deine Lippen leise rückwärts zählen. In mir kommt langsam ein  Glücksgefühl auf. Das mag ich nicht. Mag nicht enttäuscht sein, wenn es wieder nicht geklappt haben sollte. Mir ist mulmig. Muss cool bleiben und stark sein. Wenn der Test negativ sein sollte, muss ich mir was einfallen lassen, damit Du nicht total down bist. Es kommt mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Bewachtes Wasser kocht nicht.

Der zweite Balken fängt an sich blau zu färben. „Es ist ein Plus! Es ist blau! Es ist positiv! Der Test ist positiv! Du bist schwanger! ICH WERDE VATER!!!!“, denke ich und laufe förmlich über vor Freude, grinse wie in Honigkuchenpferd über beide Wangen und sage leise: „Schatz, wir bekommen ein Baby!“. Uns kommen die Tränen.

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Fortsetzung: Gewissensbisse – Gedanken einer werdenden Mutter – Spiegelwelten

Hier geht es zum vorangegangen Teil von ihr: Zweifel – Gedanken einer werdenden Mutter – fiktiver Text von Claudia Knieriem

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Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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