Zweifel – Gedanken einer werdenden Mutter – fiktiver Text von Claudia Knieriem – Spiegelwelten – Teil 1


postiviver Schwangerschaftstest

nicht selten ist unklar, wer denn der Vater des kommenden Kindes ist – eine Frage, die in der Schwangerschaft sehr belastend sein kann – © Foto: Bart Everson http://www.flickr.com/people/editor/

Kuckucksmutter – Schwangerschaftstest – Zweifel / Autorin – Claudia Knieriem / fiktiver Text Ich hasste es diesen Test zu machen. Warum nur war ich so leichtsinnig gewesen? Gerade jetzt … Seit Monaten planten wir, wollten ein Baby. Jedes Mal die gleiche Enttäuschung, wenn ich meine Periode bekam. Pünktlich wie ein Uhrwerk, alle 26 Tage. Lag es an Dir? Oder gar an mir?

Sicher die Strafe dafür, dass

ich als Teenager abgetrieben hatte … Noch so eine Leichtsinnigkeit. Träume quälten mich seither. Ich wollte so gern ein Baby. Mit Dir. Im Traum lachte mich die Seele meines Kindes von damals aus, verhöhnte mich. „Wir sehen uns noch, Mami!“ – und das Kind sah mich aus diabolischen Augen an.

Dieses Mal würde es klappen. Ich war euphorisch. Ich spürte überdeutlich meinen Eisprung. Ein Glas Prosecco auf dem Balkon, mit Dir, meiner Liebe. Der Mond leuchtete prall und rund vom Himmel, schien uns zuzuzwinkern als Du Deine Arme um mich legtest. Es war ein Akt der Liebe, voller Lust.

Warum ich dann noch mit den Mädels losziehen musste, kann ich mir nicht wirklich erklären. Doch warst Du dankbar, mal wieder einen Abend für Dich zu haben.

Und dann tauchte er auf. Er, über den ich nie hinweg gekommen war. Rassig, heiß, verboten. Wie ein heißer Sandsturm fegte er über mich hinweg, blind machend und taub, den Verstand vernebelnd, nein raubend. Ich war willenlos. Ergeben. Nicht ich. Und doch. Ganz und gar. Mit jeder Pore, jeder Faser meines Körpers. Hingebungsvoll. Gedankenlos …

Und nun stehe ich hier. Zähle von 30 rückwärts … drei, zwei, eins … schaue auf das Sichtfenster des Schwangerschaftstests. Und sehe, was ich ohnehin schon weiß, in meinem Zyklus gab es keine Verspätung. Schwanger! Deine Freude ist grenzenlos. Mir ist schlecht. Mit kaltem Kalkül resümiere ich in Sekundenbruchteilen: Abgetrieben, wir wollen ein Baby, monatelang nichts, mein Fehltritt … DU bist der Vater. Es gibt nur diese Wahrheit für mich. Oder doch nicht? Sollte ich Dir beichten? Dich verwirren, unsere Beziehung riskieren – vielleicht für nichts? Ich würde warten. Abwarten, wie UNSER Baby aussah … Und wer weiß?! Vielleicht …

© Claudia Knieriem 2013

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Portraitaufnahme von Claudia Knieriem

Claudia Knieriem

Über Claudia Knieriem

Mit ihrer Phantasie und Empathie gelingt es ihr, sich in Situationen und Menschen hinein zu versetzen, womit sie ihren, zumeist fiktiven, Texten Authentizität verleiht. So auch in Bezug auf die Kuckuckskind / Kuckucksvater und Kuckucksmutter-Thematik.

Wortverliebter Draussenmensch, L(i)ebenssüchtling, hart-zarte Bloggerin (http://gestochenscharf.blogspot.de/ und http://naeheramleben.blogspot.de/), Mutter aus Überzeugung mit Leidenschaft und herzübervoller Liebe, Autorin …

Geboren 1968, im Sternzeichen des Skorpion, in der norddeutschen Tiefebene, Deichliebhaberin und Vollmondjunkie …

Textveröffentlichungen auf verschiedenen Internet-Plattformen, z. B. Text „Benutzt von Dir!“ im Feinstoffblog und Anthologien, u.a. Text „Papa“ in „Kinderherz“ im November 2010 erschienen, Hrsg. Tristan Rosenkranz.

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Tristan Rosenkranz veröffentlichte bei uns ebenfalls einen Gastartikel: Nischenschmerz

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Fortsetzung: Wir bekommen ein Baby – Gedanken eines werdenden Vaters – Spiegelwelten

Logo der Kuckucksvaterblog-Serie Spiegelwelten

Spiegelwelten – Geschichts-Serie im Kuckucksvaterblog – Kuckucksmutter und Scheinvater berichten aus ihren jeweiligen Welten

Spiegelwelten ist eine fiktive Geschichts-Serie von Claudia Knieriem und Max Kuckucksvater. Das Paar dieser Geschichte wird – jeder für sich – aus der ganz eigenen Welt über die selben bzw. mit einander zusammenhängenden Momente erzählen und darin sich einander spiegeln.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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7 Antworten zu Zweifel – Gedanken einer werdenden Mutter – fiktiver Text von Claudia Knieriem – Spiegelwelten – Teil 1

  1. Petra schreibt:

    Hallo, wie gewünscht hier mein Bericht nach erfolgreicher Lektüre des eBooks „Kuckucksmutter“:

    Die Geschichte fängt harmlos an, die Protagonistin schreibt in lockeren Tagebuchträgen, wie sie versucht schwanger zu werden und ihren Partner mit ihrem Fortpflanzungseifer anzustecken. Das Ganze ist aber eine Nullnummer; es klappt einfach nicht. Bei einer Feier verguckt sie sich in einen attraktiven Mann und nach einer durchzechten Nacht stürzt sie sich blindlings in eine erotische Affäre.

    Diese Affäre kostet sie in vollen Zügen aus – bis sie merkt, dass sie schwanger ist …

    Ab hier schlägt die Stimmung innerhalb der Geschichte um. Sie ahnt, wer der Vater sein könnte, verheimlicht zuerst ihre Schwangerschaft ihrem Liebhaber gegenüber und kommt in große Bedrängnis, als sich dieser sehr hartnäckig für das werdende Kind und die schwangere Mutter interessiert. Um ihr lang ersehntes Glück nicht zu gefährden, belügt sie sich selbst und alle anderen hinsichtlich der Herkunft des Kindes. Dafür muss sie aber einen hohen Preis bezahlen: dauernde Angst!

    Mir hat die Geschichte und die Art und Weise, wie sie erzählt wurde, sehr gut gefallen. Der Autor schreibt eine einfache, gut verständliche Sprache. Und das Thema der Kuckuckskinder ist ja, wie alle hier wissen, zudem nach wie vor hoch aktuell 🙂

    Also ich kann´s empfehlen. Gibt es, glaube ich, momentan nur bei Amazon als eBook für den Kindle.
    Beste Grüße

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  4. Petra schreibt:

    Wow… lese gerade das eKindle-Book „Kuckucksmutter“ und dort ist die Szene, wie die Protagonistin schwanger wird, ähnlich. Nein, muss mich korrigieren, nicht die Szene ist ähnlich, aber die Umstände (Warten auf Schwangerschaft, feste Beziehung, Affäire, positives Ergebnis). Finde das gerade sehr witzig, da ich momentan im Buch auch genau an der Stelle bin, wo sie überlegt, wie´s weitergeht und wo hier der Beitrag endet 🙂

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Hi Petra, wenn Du mit dem Buch durch bist, würde ich mich sehr freuen, wenn Du uns darüber berichtest. Machst Du das?

      • Petra schreibt:

        Hi Max, mach ich sehr gerne. Bisher finde ich´s sehr spannend und bin immer traurig, wenn ich´s wg. Zeitmangel wieder weglegen muss. Aber das Thema ist ja an sich schon spannend, gell? 🙂
        Übrigens: Hut ab, vor der Vielfalt und dem Umfang eurer Seite!

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