Der alte Sack und die Samenspende / Tochter – von Steve Stitches – Der Humor zum Sonntag


Der Humor zum Sonntag

Karikaturen, Witze etc. werden in unregelmäßigen Abständen, jedoch stets am Samstagabend um 19:55 Uhr veröffentlicht

Humor – Samenspender – alter Sack / Steve Stitches

Er war jung und er brauchte das Geld

Es ist Dienstagmorgen, der alte Sack ist im ‚Schlechtwetter‘, er wird durch das penetrante Klingeln seines Telefons geweckt:

 aS: (mürrisch) Hm?

 Weibliche junge aufgeregte Stimme: Ha…Hallo …Herr, …Herr Sack? Alduir Sack?

 aS: (bejahend) HmHm.

 wejuaSti: Also, … weshalb ich anrufe, … ähm, … ich bin so aufgeregt. Bist du auch so aufgeregt?

 aS: (verneinend) m m

 wejuaSti: Ich bin deine Tochter.

aS: Was?

wejuaSti: Ich bin deine leibliche Tochter. Du bist mein Samenspender.

(der alte Sack legt auf und geht wieder schlafen, lässt es klingeln, so oft es auch klingelt.

Gegen Mittag steht ein etwa sechzehnjähriges nervöses Mädchen vor seiner Wohnungstür, hat zuerst kurz, danach lang, danach kurz+lang geklingelt, bleibt auf der Klingel)

aS: (macht die Kette vor, was nicht seine Art ist, und öffnet) Was´n?

sehr nervöses sechzehnjähriges Mädchen: Hallo, wir haben heute Morgen telefoniert, ich bin deine Tochter.

aS: Die Samenspende-Tochter?

senesezeMä: (aufgeregt) Jahaha.

(der alte Sack macht die Tür wieder zu und will wieder zurück in sein Bett, zu seinem Buch)

senesezeMä: (ruft durch die Tür) Ich werde nicht eher von hier weggehen, bevor ich nicht mit dir gesprochen habe. Ich habe ein Anrecht darauf, du bist mein leiblicher Vater. (das leiblich hat sie besonders betont)

aS: (der vor gar nicht all so langer Zeit erfuhr, dass er einen Sohn hat, hadert mit sich Gott und dem warmen Bett, dreht sich um und öffnet wieder die Tür) Was willst du? Alimente?

senesezeMä: Nein, keine Alimente, ich will nur meinen leiblichen Vater kennenlernen, (trotzig) da hab ich ein Recht drauf.

aS: (wägt ab: warmes Bett und Buch gegen unbekannte Verrückte, lässt sie rein) Schuhe ausziehen! Kaffee oder Tee?

senesezeMä: Roibusch bitte.

aS: (zählt auf) Schwarzer Tee, Pfefferminz, Hagebutte.

sezeMä: (enttäuscht) Pfefferminz.

(sie schaut sich im Flur um, enttäuscht) Zuhause haben wir einen doppelt so großen Flur, wir haben eine Galerie.

aS: (Ist in der Wohnküche, bastelt den Pfefferminztee zusammen) Wo ist Zuhause?

sezeMä: In München. (enttäuscht) Das ist ja alles total klein hier, wie viel Quadratmeter sind das? Vierzig?

aS: 66

sezeMä: Da ist ja meine Bude noch größer.

aS: Deine Bude? Du hast eine eigene Wohnung? In München?

sezeMä: Eine Einliegerwohnung, im Haus meiner Eltern, äh…, ich meine im Haus meiner Mutter und meines Stiefvaters Ludwig.

aS: Wie heißt du eigentlich? Sollte doch den Namen meiner Tochter kennen.

sezeMä: Jasmin, Jasmin Goteburg.

aS: Kannst mich Asi, nennen. (Er streckt ihr die Hand hin, sie weiß zunächst nicht was sie damit anfangen soll, bis sie kapiert und sie geben sich einen Händedruck – er fest, sie fischig)

Jasmin: Ach, ich weiß nicht? Asi klingt so Assi, ich möchte dich lieber Alduir nennen oder wär dir Papa lieber?

aS: (ausdrücklich) Von mir aus Alduir. (Er schenkt beiden Teewasser ein, nimmt selbst den Schwarztee von Amina, tunkt ihr den Teebeutel mit Pfefferminz ein und stellt ihr die Tasse auf den Küchentisch)

Wie war das? Ich hatte irgendwas mit deiner Mutter?

Jin: Nein, natürlich nicht, mein Vater, äh … mein Stiefvater Ludwig war irgendwie zeugungsunfähig und deshalb haben sie, mit einer Samenspende, ein Ei meiner Mutter befruchten lassen. Und der Samenspender bist du. Deshalb bist du mein leiblicher Vater.

aS: Weil ich mal in einen Becher gewixt hab, bin ich dein Vater?

Jin: (ist eine solche Ausdrucksweise nicht gewohnt) Äh, … ja, das ist etwas krass ausgedrückt, aber ja, deshalb bist du mein Vater.

aS: (überlegt, lacht) Scheiße, da muss ich jetzt Eintritt verlangen – wenn die alle kommen, für die ich mein kostbares Ejakulat verschleudert habe, werd ich noch stinkreich.

Jin: (enttäuscht) Freust du dich denn gar nicht?

aS: Über was?

Jin: Dass ich da bin.

aS: Sei mir bitte nicht böse, aber bisher warst du mir Scheißegal.

Jin: (enttäuscht) Aber du bist doch mein Vater, du musst mir gegenüber doch was empfinden?

aS: Was denn?

Jin: Vaterliebe!

aS: Willst du mich verarschen? Ist das hier versteckte Kamera? Nur weil du ein paar Gene von mir abbekommen hast, heißt das noch lange nicht dass ich dein Vater bin, da gehört doch eine Menge mehr dazu.

Jin: Und was?

aS: Zumindest irgendwie so eine gefühlte Verbindung? Ich kenn dich nicht, wie kannst du gefühlt meine Tochter sein?

Jin: Du hast die gleichen Augen.

aS: In Europa haben mindestens zig-Millionen solche Augen.

Jin: Aber die Nase, ich habe die gleiche Nase wie du. Aber die will ich mir umoperieren lassen.

aS: Wieso das denn?

Jin: Die ist doch viel zu groß.

aS: Das ist eine richtig schöne Charakternase, keine so 08/15 jederhatsie-Stubsnase. Männer stehen auf markante Frauen.

Jin: Also magst du doch deine Tochter.

aS: Ich hab ein Faible für markante Frauen, zu meiner Freundin sag ich ja auch nicht: Schade dass du nicht meine Tochter oder Schwester bist.

Jin: Wo ist denn deine Freundin?

aS: (schwindelt) Unterwegs, einkaufen. Wo sind denn deine Eltern?

Jin: Meine Mutter ist doof und mein Vater ist nicht mein Vater sondern nur mein Stiefvater – die haben mir mein Leben lang nur was vorgemacht.

aS: Was haben sie dir vorgemacht?

Jin: Das sie mich lieben.

aS: Und das tun sie jetzt plötzlich nicht mehr?

Jin: Ständig habe ich nur Stress mit denen: Die sagen mir ständig was ich zu tun habe und ich soll mein Zimmer aufräumen und meine Hausaufgaben machen und ich darf nie woanders übernachten.

aS: Wieso? Bist du so eine Schlampe?

Jin: (empört) Hey, wieso Schlampe? Spinnst du?

aS: Dass du dein Zimmer nicht aufräumst?

Jin: (mault) Aber wir haben doch eine Putzfrau, meine Eltern räumen ihr Zimmer doch auch nicht auf!

aS: Und Hausaufgaben sind uncool?

Jin: Die hab ich überhaupt nicht nötig – ich werd ein berühmtes Supermodel und dann brauch ich Abi und so´n Scheiß nicht.

aS: Hast du schon Modelerfahrung?

Jin: Papa..äh, ich mein Ludwig…

aS: Dein Stiefvater.

Jin: Ja, mein Stiefvater, hat mir ein paar Shootings besorgt, ich hab meine Mappe dabei, willst du sehen?

aS: Ja, Klar, muss doch wissen was meine Tochter so treibt.

(Jasmin holt aus ihre Tasche eine Hochglanzbroschüre mit vielen verschiedenen Frauenfotos, keine Akte, das gewagteste sind Bikiniaufnahmen oder in Unterwäsche. Aber auch diese Bilder sind nüchtern, handfest, beeindruckend und nicht erotisch aufgeilend, der Stil des Fotografen kommt ihm irgendwie bekannt vor.

Nur auf der Hälfte der Fotos erkennt der alte Sack Jasmin) Und das bist alles du?

Jin: Ja, was man mit Make up und Lichteffekten alles machen kann.

aS: (sehr erstaunt, wiederholt) Ja, was man mit Schminke und Schatten alles machen kann. Dadurch siehst du auch viel älter aus. Wie hieß denn der Fotograf?

Jin: Irgendwas mit Raumfahrt?

aS: Rakete?

Jin: Ja, Rakete stimmt, der war total nett der Typ.

aS: Als Model musst du doch die ganzen Sprachen können – Englisch, Französisch, Italienisch und heutzutage Mandarin.

Jin: Englisch und Französisch kann ich ja schon, zu was soll Italienisch gut sein?

aS: Modewoche in Mailand – Dolce und Gabbana, Armani, Versace.

Jin: Aber außer den Sprachen? Zu was soll Mathe und Physik und der ganze Kram gut sein?

aS: Das ist doch Bedingung. Ohne Vernünftige Schulbildung keinen Modelvertrag, ich kenne keine mit Hauptschule oder Realschule die Model geworden ist.

Jin: Woher willst du ein echtes Model kennen?

aS: Merkst du was? Gerade deshalb kenn ich ja keine. Mädels mit meiner Bildung schaffen es nur zum Erotikmodel?

Jin: Erotikmodel?

aS: (erklärt) sich vor laufender Kamera von mehreren Männern ficken lassen, für wenig Geld. Wär das was für dich?

Jin: (angewidert) Du meine Güte, NEIN!

aS: (bevor ihm das Mädel noch sympathischer wird, geht der alte Sack zur Offensive über)

Mann, da besorgt dir dein Vater ein Shooting mit Jimmy Rakete: Wer so die Kohle rauswirft (die Aussage schmerzt ihn als großen Bewunderer), verantwortungslos handelt und von seiner Tochter aufreizende Fotos machen lässt, muss ein riesen Arschloch sein!

Jin: Die Fotos sind überhaupt nicht aufreizend! Mein Papa ist kein Arschloch!

aS: (spricht in ernstem Vaterton) Stiefvater! So viel Zeit muss sein – ich bin dein Vater. Ich habe dich viel zu lange vernachlässigt und das muss jetzt anders werden!

Jin: (erschrocken) Wie meinst du das?

aS: Du kannst mit in meinem Bett schlafen, das Bett ist groß genug für uns beide. Ich verspreche dir, du bekommst jeden Tag deinen Teller Schweinssülze.

Jin: Aber ich bin Vegetarierin!

aS: (Streng) Papperlapapp! Gegessen wird was auf den Tisch kommt. Wie alt bist du nochmal?

Jin: (zögerlich) Sechzehn.

aS: (mit Bärenbass) Sehr gut! Mit sechzehn habe ich bereits meine erste Lehre zum Maurer begonnen. Du kannst hier in Ulm sofort Morgen als Auszubildende, als Fleischereifachverkäuferin, in der Metzgerei Nebenan anfangen, ich hab Connections.

Nicht diese albernen Träumereien von Model und Laufsteg und so nen Kram! Ab Morgen lernst du richtig zu arbeiten!

Du wirst mich kennenlernen, wir beide (drückt sie grob an seine Brust, atmet ihr ins Gesicht, er hat heute noch keine Zähne geputzt) werden so richtig Vater und Tochter und nachher kannst du gleich meine Wohnung nass rauswischen.

Jin: (rückt deutlich von ihm ab, packt ihre Sachen ein) Ich wollte dich doch nur kennenlernen.

aS: (mit leichtem Wahnsinn in der Stimme) Natürlich meine Tochter! Und wie du mich kennenlernst, in Zukunft gibt es nur noch uns Beide!

Du machst deine Ausbildung und wohnst hier bei deinem alten Vater – aber so lange du deine Füße unter meinen Tisch steckst, tust du was ich dir sage. Kennst du Pediküre?

Jin: Ja, wieso?

aS: Du musst mir unbedingt meine Zehen schneiden, damit können wir sofort beginnen, das ist richtige Frauenarbeit!

Jin: Frauenarbeit? Zehenschneiden?

aS: Tochter, (zeigt auf ihre Mappe) gib das her, dieser Schweinkram kommt gleich ins Altpapier!

Jin: (Steht auf, hat sich ihre Tasche übergestreift, hält ihre Mappe schützend vor ihre Brust, weicht zurück auf den Flur) War total nett dich kennenzulernen, Asi (sagt das Asi etwas respektlos, als wärs ein Assi).

aS: (donnert) Was soll das heißen? Willst du schon gehen? Du bist doch erst gerade in mein armseliges Leben getreten?

Jin: Mamma und Papa machen sich bestimmt schon Sorgen.

aS: Welcher Papa? Ich (klopft sich bedrohlich, wie ein Silberrücken, mit beiden Fäusten auf die Brust), ich bin dein Vater! (das Luke verkneift er sich)

Jin: Aber nur mein leiblicher.

aS: (tut furchtbar empört) Natürlich dein leiblicher! – Dein eigen Fleisch und Blut! Du weißt doch wie es heißt: Blut ist dicker als Wasser!

(weinerlich) Ich freu mich so dich wiederzuhaben, du bist sooo schööön, komm in meine Arme meine Tochter!

(sie rennt durch den Flur, zur Tür hinaus, die Treppen runter – weg ist sie.

Es klingelt an der Tür, der alte Sack schaut nach, es ist Frau Schnetzler von Nebenan)

Frau Schnetzler: (sehr aufgeregt) Herr Sack, was haben sie mit der jungen Frau gemacht?

aS: (genervt) Wieso?

Frau Schnetzler: Die ist ja wie von der Tarantel gestochen abgehauen.

aS: (erklärt, bevor die Schnetzler noch was Dummes macht oder irgendwo anruft) Meine Tochter ist ein bisschen aufbrausend – sechzehn, wenn sie wissen was ich meine.

FraSler: In dem Alter sind sie am schlimmsten, meine Nichte ist auch so eine.

aS: so Eine?

FraSler: Frech, aufbrausend, aufmüpfig – Hormonverschwurbelt, eben Pubertät!

aS: (eigentlich mit den Gedanken woanders, bei einer Tochter) Sie sagen es Frau Schnetzler, sie sagen es.

FraSler: Ich wusste gar nicht, dass sie eine Tochter haben?

aS: Bis vorhin wusste ich das auch nicht.

(Damit schließt der alte Sack die Tür und geht zurück zu Bett und Buch. Er nimmt sich vor, in Zukunft auf jüngere Models zu achten, vielleicht ist eine dabei, die er kennt)

Schwarzweißkinderfoto von Steve Stitches

Steve Stitches bereits als kleiner Junge mit feschem Hut und legerer Haltung

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Steve Stitches ist Autor und veröffentlicht seine meist satirischen und ironischen Texte auf seiner Seite auf http://www.neon.de/user/SteveStitches.

Auf seinem Facebookprofil finden sich inzwischen auch einige sehr interessante Beiträge.

Wir danken sehr für die Veröffentlichungsgenehmigung seiner Texte und des Bildes.

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Samstag in einer Woche folgt der nächste „Der Humor zum Sonntag“. Das Spermienrennen – Dirk Pietrzak alias DIPI – Der Humor zum Sonntag

Hier geht es zum Vorwochenhumor: Der alte Sack und (s-) ein Sohn – von Steve Stitches – Der Humor zum Sonntag

Übersicht der Humorartikel findest Du hier: Humor

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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3 Antworten zu Der alte Sack und die Samenspende / Tochter – von Steve Stitches – Der Humor zum Sonntag

  1. Joachim schreibt:

    Letztens habe ich einen Bericht über einen Samenspender gesehen, der wahrscheinlich an bis zu 1000 kindern sein Erbgut weiter gegeben hat und das alles in unmittelbarer Nähe. Über die Konsequenzen hat sich sowohl der Donator, als auch die Samenbank wohl keine Gedanken gemacht. (Quelle: Puls4)

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Hi Joachim,

      vielen Dank für den Hinweis! Wenn ich richtig schlussfolgere, dann ist dieser Samenspender, derselbe, über den auch in der Geo-Sonder-Ausgabe „Väter“ berichtet wurde.

  2. Pingback: Das Spermienrennen – Dirk Pietrzak alias DIPI – Der Humor zum Sonntag | kuckucksvater

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