Doch – Gedicht eines Scheinvaters an ein Kuckuckskind – von Steve Stitches


Vater mit Baby

Vaterliebe – ein Gefühl, das echt ist.

Gedicht – Scheinvater – Kuckuckskind – Vaterschaftstest / Steve Stitches

Doch

Ich hab bei deiner Geburt
die Hand deiner Mutter gehalten und um dich gebangt.
Ich habe deine Windeln gewechselt und dir dein Fläschchen gegeben,
dich auf den Rücken geklopft, bis du mir das Shirt vollgespuckt hast.
Ich trug dich durch deine Fieber- und Zahnwuchsnächte.
Ich hielt dich und fing dich auf bei deinen ersten Gehversuchen.
Ich habe dir die Welt erzählt, lange bevor du etwas begreifen konntest.
Ich habe mit dir Laute und Worte geübt,
dein ‚Papa‘ galt mir.
Ich habe dir Buchstaben- und Zahlen- Malen beigebracht,
im Kindergarten schriebst du stolz deinen und meinen Namen.
Ich habe dir alle Märchen erzählt,
auch selbsterfundene.
Ich habe deinen Kopf nach Läusen abgesucht.
Ich habe dich zum Zoo und Flughafen gefahren,
damit ich dein Staunen sehen kann.
Ich habe mit dir deine Schultüte gebastelt.
Ich habe dir Gutenachtgeschichten vorgelesen.
Ich bin neben dir hergesprungen als du Fahrradfahren lerntest.
Wir haben gezeltet, haben Lagerfeuer gemacht
und sind gemeinsam, zur großen Sorge deiner Mutter, auf Bäume geklettert.
Wir haben gemeinsam dein Baumhaus gebaut.
Ich habe dir Schwimmen beigebracht.
Wenn Mutter nicht mehr weiterwusste oder die Geduld verlor,
habe ich mit dir Hausaufgaben gemacht.
Wir waren in allen Disneyfilmen, deine Mutter ist immer eingeschlafen.
Wir waren in Italien, Österreich, der Schweiz, in Spanien.
Ich war an deinem Bett als du die Windpocken hattest,
bekam selber Gürtelrose.
Ich habe dir den Pflug und den Parallelschwung gezeigt.
Ich habe dich beim Fußball angefeuert,
nur dich, nicht diese lausige Truppe.
Ich habe dir Preußler, Ende und Hemingway vorgelesen.
Ich habe dich zum Training und zu allen Turnieren gefahren,
war stolz auf alle deine Siege, hab dich aufgerichtet nach Niederlagen.
Bei der Blinddarmsache war ich jeden Tag im Krankenhaus,
nach dem Fahrradunfall auch.
Wir waren in Actionfilmen, ohne Mutter und ohne ihr Einverständnis.
Ich habe dich während deiner Firmung und Kommunion begleitet.
Ich habe dich heimlich Autofahren lassen.
Ich habe deine Zigaretten verschwinden lassen.
Ich habe dich zu Konzerten mitgenommen,
du hast mich zum Wacken mitgeschleppt.

Daran ändert diese Genanalyse gar nichts.
Es ist mir egal, ob dein genetischer Vater ein anderer ist.
Du kannst mich nennen wie du willst,
ich werde dich immer lieben.
Bei mir wirst du immer ein Bett, einen vollen Tisch, ein Taschengeld bekommen.
Du kannst mich nennen wie du willst,
doch,
ich bin dein Vater.

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Schwarzweißkinderfoto von Steve Stitches

Steve Stitches bereits als kleiner Junge mit feschem Hut und legerer Haltung

Weitere Gedichte & Geschichten zum Kuckuckskindthema von Steve Stitches findest Du hier.

Steve Stitches ist Autor und veröffentlicht seine meist satirischen und ironischen Texte auf seiner Seite auf http://www.neon.de/user/SteveStitches.

Auf seinem Facebookprofil finden sich inzwischen auch einige sehr interessante Beiträge.
Wir danken sehr für die Veröffentlichungsgenehmigung seiner Texte und des Bildes.

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Mehr Gedichte & Zitate gibt es in der Übersicht hier.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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6 Antworten zu Doch – Gedicht eines Scheinvaters an ein Kuckuckskind – von Steve Stitches

  1. don2alfredo schreibt:

    Steves Text macht mich froh. Ein Mann steht zu seiner Beziehung, die er nicht bejahen müsste. Er könnte mit Fug und Recht beleidigt, gekränkt und zornig sein. Er könnte wutentbrannt alles hinschmeißen, was er bisher festgehalten hat. Aber er sagt „Doch! ich bin dein Vater.“ Das nötigt mir Respekt und Anerkennung ab. – Besser gesagt: Ich empfinde hohen Respekt und große Anerkennung für diese Haltung.

  2. Bernd Plechatsch schreibt:

    Ein sehr schönes Gedicht. Ohne Reim aber mit viel Wahrheit !

  3. Max Kuckucksvater schreibt:

    Hi Papax2
    immer mehr Menschen nehmen wahr, dass Scheinväter und ihre Kuckuckskinder von der Willkür der Mutter abhängig und ausgeliefert sind. Der Staat hat die perfekten Rahmenbedingungen für Kuckucksmütter geschaffen. Die Identität des Kindes und die Rechte der Väter werden nun immer mehr von den obersten Gerichten anerkannt. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch diesem Treiben ein Ende gesetzt wird.

    Ja, diese Geschichte ist viele zigtausende Male so oder ähnlich bereits vorgekommen und wird leider noch viele zigtausende Male geschehen – bis sich endlich was ändert.

  4. Pingback: Zitate und Gedichte zu Kuckuckskind, Scheinvater und Kuckucksmutter | kuckucksvater

  5. Papax2 schreibt:

    Wie traurig und rührend….aber liest das jemand…wie unglaublich schlicht und offen realistisch diese geschicht ist?

    • ruby schreibt:

      Ja, das liest „jemand“. Von diesen „Jemands“ wird es einen nicht unerheblichen Teil geben, die nicht nur etwas damit anfangen werden, nein, es wird sie trösten können und beruhigen. Es wird bedeuten, dass sie sich zum wiederholten Male werden davon überzeugen können, sie sind keine „extraterristrischen Wesen“. Und dann noch oben drauf, wird es sie daran erinnern, dass ihr Vater sie liebt. Vater ist Vater – nur die anderen sind die Stigmatisierer … Man selbst weiß es, in einem solchen Fall.
      Danke Steve Stitches!!!!!!
      Ruby

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