Jetzt bin ich ein Teil einer großen Familie – von Rachel aus Kanada – Teil 2


Amsterdam bei Tageslicht

Dieses Foto ist von der Nieuwe Achtergracht, Amsterdam Zentrum. Im Hintergrund ist die Universität von Amsterdam. Als Kind lebte ich in der Straße neben diesem Kanal. © Foto: Rachel, Kanada

Kuckuckskind – Erlebnisbericht – Rachel / Niederlande – Frankreich – Deutschland – Neuseeland – Kanada / Amsterdam – Im ersten Teil meiner Geschichte schrieb ich, dass ich kurz vor Weihnachten des Jahres 2001 das Adressbuch meiner Mutter  durchsucht und dabei den Namen der Witwe meines biologischen Vaters zusammen mit der Anschrift in Amsterdam, Niederlande gefunden hatte.  Ich beschloss, die Chance wahrzunehmen,

sendete ihr eine Weihnachtskarte und legte noch ein Foto von mir und meiner Familie bei. Es war, als ob man eine Nachricht in eine Flasche steckt und sie anschließend in den Ozean wirft. Vielleicht würde die Nachricht ihr Ziel – meine biologische Familie – erreichen und ich würde eine Antwort erhalten oder vielleicht aber auch nicht.

Mehr als sieben lange Jahre lang, bis zum 20. Februar 2009, hörte ich nichts. An diesem Tag erhielt mein Mann eine E-Mail, die allerdings für mich bestimmt war. Darin stand zu lesen: „Ich bin deine Halbschwester aus den Niederlanden.“ Sie nannte den Namen meines biologischen Vaters und fragte mich, ob ich Kontakt haben wollte. Ihre Mutter war gestorben und sie hatte die Weihnachtskarte, welche ich an diese geschickt hatte, gefunden und aufbewahrt. Kurz bevor sie die E-Mail an meinen Mann versandte, googelte sie nach mir im Internet und fand mich auf diese Weise.

Seither markiere ich mir dieses Datum in meinem Kalender. Es war der Tag, der mein Leben dramatisch veränderte. Die Tür öffnete sich zu meiner biologischen Familie, und es ist wie ein Tsunami gewesen.

In den vergangenen vier Jahren habe ich viele der Leute, mit denen ich blutsverwandt bin, getroffen. Sie leben in den Niederlanden, Frankreich, Neuseeland und Deutschland. Ich habe vier Auslandsreisen unternommen und bin zehntausende von Kilometern gereist, um so viele von ihnen kennen zu lernen, wie ich konnte.

Mein biologischer Vater war eines von zehn Kindern. Nun habe ich die beiden einzigen seiner noch lebenden Geschwister, also meinen Onkel und meine Tante getroffen. Mittlerweile erfuhr ich, dass ich über 60 Cousins habe und vermute, dass durchaus noch mehr auftauchen könnten. Bis vor vier Jahren hatte ich lediglich eine Handvoll von Cousins ​​ersten Grades:  genau neun, welche alle in Deutschland leben.

Der Kontakt mit meinen Halbgeschwistern, den Kindern meines leiblichen Vaters, war stets ein auf und ab gewesen. Für einige von ihnen hat die Begegnung mit mir schmerzhafte Gefühle ausgelöst. Sie fühlten sich von ihrem Vater verraten und meinten, dass er ihre Mutter hintergangen hatte. Sie sahen meine Mutter als Eindringling, als jemanden, der das Bild, das sie von ihrem Vater hatten, erschütterte. Ihr Vater hatte eine außereheliche Affäre mit meiner Mutter. Es ist eine unangenehme Wahrheit. Genau so, wie es für mich der Fall war, als sich herausstellte, dass meine beiden Brüder nur meine Halbbrüder waren und auch ich fühlte mich von meiner Mutter verraten. Meine Halbbrüder halten unsere Mutter nun für eine Betrügerin und für jemanden, der ihrem Vater, dem Vater, der mich aufzog, die Hörner aufgesetzt hatte.

Doch da sind auch noch die Vettern. Keiner meiner Vetter, egal von welcher der drei Seiten, hat diese Probleme. Sie sind nicht so von der Affäre meiner Eltern betroffen. Sie haben mich in der Großfamilie begrüßt. Meines rechtlichen Vaters Nichten und Neffen haben mich ebenfalls nicht abgelehnt. Meine Vetter aus Deutschland mütterlicherseits blieben so freundlich wie sie es stets zu mir waren und ich besuchte sie auch weiterhin regelmäßig.  Von ihnen habe ich das deutsche Wort „Kuckuckskind“ gelernt.

Nun, ich bin Teil eines großen Clans, der viele Teile des Globus umspannt, und deswegen fühle und sehe ich mich als glücklichen Menschen an. Es gibt noch mehr Cousinen zu treffen und ich freue mich auf sie.

Der Originaltext “Now, I am part of a large clan – chronicle from Rachel – Part Two” wurde von mir aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und ist im englischen Blog “The Milkman’s Child” im Original zu lesen.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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