Sein Brief war Balsam für meine Seele – Bin ich ein Kuckuckskind? – Teil 14 – LianeR. Anderson


Vater und Kind - Geborgenheit

Ich wünsche mir so sehr eine väterliche Geste

Kuckuckskind – Erlebnisbericht – 21. JanuarLiane R. Anderson Es war definitiv ein sehr langer Brief, den mir Christian gestern geschrieben hat. Er gab sich mit seinen 74 Jahren wirklich viel Mühe dabei und man konnte schon erkennen, dass er mich nicht mehr verlieren möchte. Trotzdem löste dieses Schreiben ein ungutes Gefühl in mir aus. Ich kann es nur ganz schwer in Worte fassen, was mich gestört hatte. Klar, sein oberflächliches Verhalten, seine Ungeduld und seine unrealistischen Unterstellungen auf jeden Fall. Ebenso entspricht seine gewöhnungsbedürftige Lebensweise natürlich nicht unbedingt meinen Vorstellungen. Dies alles war es nicht alleine, etwas anderes hat mich auch noch gestört. Eine Spur von Liebe, Verständnis, Wärme, echtes Interesse an mir oder etwas väterliches fehlte diesem Brief total. Natürlich kann man nichts über das Knie brechen und es braucht auch einige Zeit, bis man sich aneinander gewöhnt hat, allerdings bin ich der Meinung, dass unser Verhältnis im Grunde genommen doch sehr kostbar und außergewöhnlich sein sollte. Dieses zarte Band zwischen Vater und Tochter muss man vorsichtig und mit Bedacht behandeln. Nicht so seltsam und befremdend wie er es von Anfang an gemacht hat. Zumal er sich nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass ich seine Tochter bin. Insbesondere fühle ich mich von ihm ausgenutzt. Christian will mich für seine berufliche Karriere verwenden! Kann er denn nicht nachempfinden, wie furchtbar für mich der Vertrauensbruch von Mama und ihm ist? Wie schlimm die verlorenen Jahre mit meinem Vater für mich sind? Da macht es wirklich keinen guten Eindruck, dass er nur wegen seinem Ansehen ins Fernsehen möchte. Merkt er den überhaupt nicht, wie verdammt weh er mir damit tut?

Am Nachmittag fällt mir eine neue Nachricht von Christian auf. Sicherlich die Antwort auf meine aufklärenden Zeilen, die ich ihm gestern anschaulich und mit Herzblut geschrieben habe. Erwartungsvoll beginne ich zu lesen:

„Entschuldige meine Liebe Liane, vielen Dank für diesen Brief. Jetzt verstehe ich, warum du geschrieben hast, ich soll mich nicht mehr melden. Ich konnte das einfach nicht so nachvollziehen, aber jetzt schon. Zum Ende deines wunderschönen Briefes habe ich geweint. Bin im Moment allein zu Hause und dachte die meiste Zeit an dich. Schon oft habe ich meinen Freunden von dir erzählt. Es sind noch sechs, natürlich alles Frauen und mit denen habe ich meistens nur telefonischen Kontakt, aber sie wissen seit Jahren von mir, dass ich noch eine Tochter im Odenwald habe. Welche ich sehr vermisse und die leider nicht wissen darf, das ich ihr Vater bin. Bitte, bitte verzeih mir, dass ich dich so bombardiert habe, aber es ist einfach so. Ich denke an dich und möchte dann sofort mit dir kommunizieren. Ich bin einfach ein ungeduldiger Mensch. Wahrscheinlich hat es etwas mit meinem Theaterblut zu tun. Lassen wir meine anderen Töchter. Es sind vier bei zwei Muttis. Ich schwöre dir, ich möchte mich jetzt nur noch mit dir beschäftigen. Ok? Glaub mir, wenn alles so ist, wie deine Mama mir gesagt hat, dann bist du mein Kind. Bitte bleibe ganz gelassen, wenn es geht, atme ein paar Mal tief durch und schreib mir bitte, wie dein Leben als Kind erst einmal verlaufen ist. Ich liebe dich seit ich weiß, dass es dich gibt. Das ist die Wahrheit.

Liebe Grüße dein Christian

Ps. Übrigens meine Mutter, also deine Oma war eine geborene von … also eine Adelige.“

Vor Rührung kamen mir die Tränen! Diesmal hat sein Brief mich sehr bewegt. Er war Balsam für meine Seele.

==============================================================

Kuckuckskind Liane R. Anderson

Bin ich ein Kuckuckskind? von Liane R. Anderson

Fortsetzung: Bestimmt laufen noch mehr Kuckuckskinder von ihm herum und er weiß es nicht – Bin ich ein Kuckuckskind? – Teil 15

Voriger Teil: Ich fühle mich als Opfer – Bin ich ein Kuckuckskind? – Teil 13

Eine Auflistung aller Teile findest Du hier.

Advertisements

Über Liane R. Anderson

Bin ich mit 44 Jahren noch einmal Tochter geworden? Ich wurde im Oktober 1967 geboren, bin verheiratet und habe zwei tolle Kinder. Mein gesetzlicher Vater war Alkoholiker und sehr gewalttätig. Schon früh übernahm ich die Verantwortung für meine Mutter und meinen Bruder und organisierte mit nur 13 Jahren, unsere Flucht aus dieser Hölle. Mit viel Ehrgeiz und Kampfgeist erschaffte ich mir ein schöneres Leben. Bis ein einziger Satz mir den Boden unter den Füßen wegriss und meine komplette Identität in Frage stellte.
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichten, Kuckuckskind abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s