Rosinenpickerei im Vaterschaftsfeststellungsrecht und die gegensätzlichen Argumentationsführungen


Alles Evolution - der Blog von Christian Schmidt

„Alles Evolution“ ist ein Blog mit dem Thema „Unterschiede der Geschlechter, Evolution, Männerbewegung, Feminismus und Pickup

Gestern stieß ich auf einen Artikel in Christian Schmidt’s Blog Alles Evolution, welcher die Rosinenpickerei des Feminismus und dessen widersprüchliche Argumentationsführungen behandelt. Gleich erinnerte ich mich an die Ausprägungen dieser gegensätzlichen Argumentationsführungen auch im Vaterschaftsfeststellungsrecht.

Geht es darum, dass die Vaterschaft festgestellt werden soll, so gibt es auch zwei diametrale (entgegengesetzte) Argumentationsführungen.

A) Kindesmutter will eine Vaterschaftsfeststellung:
In diesem Fall hat / haben sich der / die möglichen Väter einem Vaterschaftstest zu unterziehen, gleichgültig, ob sie verheiratet sind und evtl. eine Familie mit Kindern haben. Der Schutz ihrer Familie ist für den Gesetzgeber bedeutungslos und fällt somit nicht ins Gewicht. Hier ist die Argumentationsführung folgende:
1. Der Vater habe Verpflichtungen gegenüber dem Kind und der Kindesmutter.
2. Ein Kind habe das Recht darauf, zu wissen, wer dessen Vater sei.
Es ist somit wichtig, dass dem Kind DER Vater zugeordnet wird. Die Rechte des Kindes hätten Vorrang vor den Rechten des putativen Vaters auf informationelle Selbstbestimmung und dem Schutz seiner Familie. Somit stünden seine Rechte NICHT ÜBER den Interessen des Kindes und der Kindesmutter, sondern hätten hinten anzustehen.

B) möglicher / wahrscheinlicher leiblicher Vater will eine Vaterschaftsfeststellung:
1. Der putative Vater kann eine Vaterschaftsfeststellung nur erwirken, wenn das Kind nicht innerhalb einer Ehe geboren wurde.
2. Eine Vaterschaftsfeststellung ist ebenfalls nicht durchsetzbar, wenn die Vaterschaft bereits durch EINEN anderen Mann anerkannt wurde und dieser mit der Kindsmutter in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft lebt.

Argumentation von FeministInnen und Gesetzgeber hier: Die Familie hat das Recht auf Schutz. Dieses Recht stehe ÜBER den Interessen des möglichen leiblichen Vaters. Das Interesse des Kindes sei ja gewahrt, da ihm bereits EIN Vater zugeordnet wurde.

Gegensätzliche Argumentationsführungen findet man auch im Umgangsrecht etc.

Das schlimmste daran ist, dass Gesetzgeber und Politik dieser verqueren Argumentationsführung folgen und somit das im Grundgesetz garantierte Recht auf Schutz vor Willkür des Staates und gleichzeitig das Recht auf Gleichbehandlung verletzt werden.

Wie seht ihr diese Argumentationführungen und wie steht ihr dazu? Wie sollte denn das Vaterschaftsfeststellungsrecht besser ausgelegt werden und sollte es überhaupt geändert werden?

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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6 Antworten zu Rosinenpickerei im Vaterschaftsfeststellungsrecht und die gegensätzlichen Argumentationsführungen

  1. Norbert Potthoff schreibt:

    Ich bin kein Kuckuckskind, aber ich fühlte mich immer etwas fremd in meiner Familie. Durch meine Art zu denken, meinen Humor und meine Kreativität eckte ich immer an und war oft der „kleine Idiot“. Auch als Erwachsener stieß ich oft auf Unverständnis. Erst als ich mit über Fünfzig den Spuren meiner jüdischen Ur-Uroma nachging, entdeckte ich meine geistigen und kreativen Besonderheiten in meinen jüdischen Wurzeln. Seitdem fühle ich mich viel wohler.
    Es ist also nicht nur die soziale Sicherheit für das Kuckuckskind von Bedeutung, sondern tatsächlich auch die vollständige Kenntnis der eigenen Wurzeln, um die Chance zu haben, körperlich und geistig gesund heranzuwachsen.

    Gerade in Deutschland macht man aber gerne um die weitreichende Bedeutung von Herkunft und Vererbung einen großen Bogen, weil mit „Rasse und Vererbung“ im 3. Reich soviel unwissenschaflicher Schindluder getrieben wurde und man damit den größten organisierten Völkermord der Geschichte begründete.
    Der Staat stellt die Interessen der Mutter an die erste Stelle, um angeblich das Kind zu schützen. Dabei bewirkt man nur das Gegenteil.
    In der Abwägung der Interessen zwischen Vater, Mutter und Kind sollten daher die langfristigen Interessen des Kindes an erster Stelle stehen.
    Fragt mal die Kuchuckskinder, die alle Probleme einer unsicheren Herkunft erlebt haben.

  2. Lutz Bierend schreibt:

    Naja, also wenn man das Kindeswohl in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen beiden fällen. Im ersten Fall hätte des Kind keinen Vater (weder biologisch noch sozial). Im zweiten Fall hätte das Kind zu mindestens einen sozialen Vater.
    Und so sehr ich auch dafür eintrete das Väter ihr Recht erfüllen können Vater zu sein (auch jenseits der des Zahlvaterseins), ich kann dieses Verhalten von Männern nicht verstehen, die sich da zwingend in die Familie reinklemmen wollen. Das ist der große Vorteil der Männer, dass sie beliebig oft Kinder in die Welt setzen können (solange sie nicht von der Mutter zur Verantwortung gezogen werden und zahlen müssen, was in deinem zweiten Fall ja nicht das Problem des Vaters ist). Wenn das Kind eine Intakte Familie hat, in der die Mutter halt mal fremd gegangen ist, oder den sozialen Vater vielleicht auch erst kurz nach der Affäre erst geheiratet hat und der darum weiß, dass er möglicherweise nicht der biologische Vater ist und trotzdem diese Rolle übernehmen will. Warum soll man als Mann das Recht haben sich da rein zu klemmen. Meine Vermutung ist da ja, dass es sich oft um verletzte Eitelkeiten handelt.
    Dein zweiter Fall ist für mich ein Beispiel für die Vorteile Männlicher Sexualität. Einer Frau fällt es schwerer mit einer Schwangerschaft, dass Kind einfach wegzugeben, oder einen neuen Partner zu finden, mit dem sie vielleicht noch ein gemeinsames Kind zeugt.
    Der Nachteil ist sicherlich, dass sie über ihre Familienplanung nicht in gleicher Weise wie die Frau entscheiden kann. Wenn die Freundin stillschweigend die Pille absetzt und das Kind gegen den Willen des Mannes bekommen will. Hat er keine Rechtliche Möglichkeit seine Vaterschaft zu verweigern.

    • Marcus Spicker schreibt:

      Hallo Lutz,

      vielen Dank für deinen Kommentar. „Leider“ habe ich – nachdem hier im Blog mittlerweile Konstellationen zum Kuckucksfaktor aufgetaucht sind, die man im Leben nicht für möglich gehalten hat – mittlerweile einen ganz passablen Überblick, in welcher Weise man betroffen sein kann. Und eines haben alle gemeinsam: Es ist immer zu kurz gegriffen, wenn man davon spricht, dass „es um verletzte Eitelkeiten“ ginge, es doch besser sei die Kinder hätten wenigstens „einen“ Vater oder dergleichen mehr. Fast immer hat die Kindsmutter das Heft des Handelns in der Hand, sind Kind und „Väter“ ihren Entscheidungen ausgeliefert. Es haben aber alle Beteiligten ein Recht auf die Wahrheit: das Kind muss wissen wo seine Wurzeln sind, der biologische Vater muss Verantwortung übernehmen können und der Scheinvater/rechtliche Vater muss wissen, dass er eben nicht der biologische Vater ist, um sich von vorneherein darauf einstellen zu können.
      Eine Vaterschaft ist eine intensive, emotionale Erfahrung, die man nicht einfach abstellen kann. Schon gar nicht, wenn man eine Bindung zu seinem Kind aufgebaut hat. Und wenn hier ein falsches Spiel getrieben wird, geht das nicht zuletzt immer auf Kosten des Kindes. Und eine biologische Vaterschaft ist ein hohes Gut, das man nicht so einfach aushebeln können sollte. Solange man als Ehemann automatisch rechtlicher Vater aller während der Ehe geborenen Kinder wird, solange die Möglichkeit eines obligatorischen Vaterschaftstests bei jeder Geburt nicht genutzt wird, solange Kindesunterschiebung nicht geahndet wird, solange wird weiter munter betrogen und gelogen werden. Und deshalb ist aus meiner Sicht jede Gesetzesänderung zu begrüßen, die die Rechte von Vätern stärkt. Denn sie ist gut für die Kinder und ein weiterer Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit.

      • Fatherleft schreibt:

        Hallo Marcus,
        Ich glaube, was du schreibst widerspricht mir nicht, ich gehe damit nur anders um.

        Klar hat die Mutter das Heft in der Hand, aber solange sie nicht von mir verlangt, dass ich finanziell für ihre Familienplanung aufkomme, und das Kind in sozial und finanziell stabilen Verhältnissen groß wird, muss ich nicht das Recht haben ihm zu sagen: „Eigentlich ist der Mann den du als deinen Vater liebst nicht dein Vater, weil du meine Gene hast.“ Wenn ich ein Kind gross werden sehen will muss ich mir eine Partnerin suchen,die das mit mir durchziehen möchte. Dass ist der Teil an sexueller Benachteilung, den wir, solange wir keine Kinder in Flaschen heranwachsen lassen, als Männer leider akzeptieren müssen. Alles Andere sobald die gemeinsame Elternschaft vereinbart ist, ist eine Frage der Gleichberechtigung um die man kämpfen kann, ich würde z.B. ein zu mindestens juristisches Abtreibungsrecht für Männer für einen wichtigeren Schritt in der Männlichen Gleichberechtigung halten, denn das letztendlich eine Frau ganz alleine Entscheiden darf ob aus einem „Unfall“ eine finanzielle und soziale Verantwortung für mich entsteht finde ich diskriminierender, als die Frage, ob sie mich aus der Frage heraus halten kann, mit wem das Kind groß wird. Ein One Night Stand mit einer Samenräuberin verschafft keine soziale Bindung, die einen Eingriff in das Leben des Kindes genehmigt.

        Und ich glaube in jenen Fällen, wo die familiären Strukturen stabil sind, gibt es wenig Bedarf für diese Ehrlichkeit (wenn dass Kind nicht gerade eine andere Hautfarbe hat),

        Und nur weil der Mann sich wünscht er könnte sich dem Kind als Vater vorstellen (oder weil er Angst hat, dass er keine Frau mehr findet, die noch einmal ein Kind mit ihm in die Welt setzen will), halte ich für keine hinreichende Begründung um in eine funktionierende soziale Familie zu springen und das Recht zu erzwingen, dem Kind zu sagen, dein „Vater“ ist nicht dein Vater, und diese damit vielleicht irreparabel zu stören.

        Wenn man das Kindeswohl in den Vordergrund stellt, kann man eigentlich hierfür nur den Fall von Genertisch vererbaren Krankheiten ins Feld führen. (wie gesagt, solange das Kind in Stabilen sozialen Verhältnissen aufwächst)

  3. ja, das die Rechte des eigentlichen Vaters so beschnitten werden, wenn er selbst Rechte geltend macht und der gleiche Prozess unproblematisch ist, wenn die Mutter dies will ist unlogisch. es sollte angeglichen werden.

  4. Susanne von Lese schreibt:

    Gleich nach der Geburt des Kindes, sollte ein DNA Test und eine Vaterschaftsfeststellung gemacht werden. Dazu sollte keine Einwilligung der Gegenparteien nötig sein. So hat jedes Kind auch die Sicherheit seinen leiblichen Vater zugeordnet zu werden und ist später nicht den Streitereien und Lügen der Familie ausgesetzt, was im Endeffekt nur Leiden für das Kind bedeutet!

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