Nachwuchs! Interview mit unserer neuen Co-Autorin Liane R. Anderson


Foto von einer Frau mit Microfon auf der Bühne

Liane R. Anderson bei einer Theateraufführung

Deutschland – Odenwald / Kuckuckskind – Co-Autorin – Liane R. Anderson fand vor einem Jahr heraus, dass sie möglicherweise ein Kuckuckskind ist. Durch einen Fernsehbeitrag von „RTL Punkt 12“ ist sie auf den Kuckucksvaterblog aufmerksam geworden und bewarb sich als Co-Autorin. In ihrer Artikelserie „Bin ich ein Kuckuckskind?“

wird sie ab morgen nun über ihre Forschungs- und Aufklärungsgeschichte berichten.

Kuckuckskind Liane R. Anderson

Bin ich ein Kuckuckskind? von Liane R. Anderson

Kblog (Kuckucksvaterblog): Herzlich willkommen im Team Liane. Du bist durch einen Fernsehbeitrag auf uns aufmerksam geworden, was hat Dich dazu bewegt, mit uns Kontakt aufzunehmen?

Liane: Ich habe den Beitrag über Marta Pandora gesehen. Ihre Geschichte, dass ihr vermutlicher leiblicher Vater sich so gegen die Vaterschaftsfeststellung wehrt und sie verstößt, hat mich sehr betroffen gemacht und zum Weinen bewegt. Durch meine eigene Situation hatte ich das Bedürfnis, mich auch mit anderen Betroffenen auszutauschen und war froh, dass ich erst einmal einfach nur die Erlebnisberichte der anderen lesen konnte. Das eigene Umfeld weiß nichts mit all den Fragen und Konflikten, die mit der Kuckuckskindthematik zusammenhängen anzufangen und sind davon einfach schlicht überfordert, wie auch ich selbst es war. Nachdem ich mich etwas sicherer gefühlt hatte, wurde das Bedürfnis nach Austausch stärker, aber auch gleichzeitig das Gefühl, meine eigenen Erlebnisse mit anderen teilen zu wollen. Trotzdem war es mir nicht leicht gefallen, über meine Schamgefühle hinweg zu kommen und mit Euch in Kontakt zu treten. Aber wie man sieht, habe ich dann doch diesen Schritt geschafft. Seitdem fühle ich mich um einiges erleichtert.

Kblog: Du bist verheiratet und hast zwei Kinder im Alter von 17 und 20 Jahren, also alt genug, um den Sachverhalt zu verstehen. Wie waren deren Reaktionen auf Deine Zweifel?

Liane: Oje, die waren erschrocken, aufgeregt, gespannt und zugleich schockiert. Mein Sohn hat mir bei der Internetrecherche nach meinem möglichen Vater geholfen. Wir haben sehr viel in der Familie darüber geredet und alle stimmten immer mehr damit überein, dass ich wirklich nicht so ganz in meine Familie hineinpasse. Ich habe im Gegensatz zu meiner Familie blaue Augen, bin viel lebhafter und sehr am Schauspiel interessiert. Mein Mann, mein Sohn und auch meine Tochter waren in der Zeit ganz besonders einfühlsam und gaben mir und meiner Thematik viel Raum, was mir sehr dabei geholfen hat, meinem Zweifel über die Vaterschaft nachzugehen und auf mein Bauchgefühl zu vertrauen. An der Stelle möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei meiner Familie bedanken.

Kblog: Hattest Du Dich vor Deiner eigenen Geschichte mit dem Kuckucksfaktor bereits einmal auseinandergesetzt gehabt?

Liane: Nein, das habe ich nicht, doch gewissermaßen schon. Immer wieder gab es Impulse und Kleinigkeiten, bei denen ich das Gefühl hatte, dass irgendwas nicht so ganz richtig ist. Da mein gesetzlicher Vater Alkoholiker war und ich mir immer einen besseren Papa gewünscht hatte, hatte ich damals immer mal wieder die Phantasie gehabt, dass jeden Moment jemand an der Tür klopft und sagt, dass er mein Papa sei und für mich da ist. Dafür habe ich mich sehr geschämt. Immer wieder wurde ich in der Familie als das Träumerchen und Sensibelchen dargestellt, so dass ich selber nie in Erwägung zog, dass durchaus berechtigte Zweifel an der Vaterschaft meines gesetzlichen Vaters bestehen.

Kblog: Was sind Deine Wünsche, die Du mit Deiner Artikelserie verbindest?

Liane: Oh, da gibt es viele. Unter anderem, mir den Druck von der Seele zu schreiben und so auch mein Erlebtes zu verarbeiten. Alleine schon die ersten Zeilen zu schreiben, hatte eine sehr befreiende Wirkung auf mich. Auch möchte ich anderen dabei helfen, zu sehen, dass es sich lohnt, mutig zu sein und auf seine innere Stimme zu vertrauen und man auch Hilfe dafür bekommen kann. Ein weiterer Wunsch ist, dass mit mir andere Betroffene in Kontakt treten und die Leser ihre eigene Meinungen und Ratschläge in den Kommentaren hinterlassen. Darüber würde ich mich sehr freuen. Nicht zuletzt ist es mir ein Anliegen, zu vermitteln, dass die Kenntnis über die eigenen Wurzeln unheimlich wichtig ist und man nicht so gleichgültig mit der Kuckuckskindthematik umgehen darf, wie es derzeit weitgehend verbreitet ist.

Danke Liane für das Interview und wir sind gespannt, wie die Reaktionen auf Deinen ersten Teil morgen sein werden.

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Kuckuckskind Liane R. Anderson

Bin ich ein Kuckuckskind? von Liane R. Anderson

Mittlerweile ist der erste Teil der erschienen: Mama verplappert sich und es lässt mich nicht los – Bin ich ein Kuckuckskind? – Liane R. Anderson

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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7 Antworten zu Nachwuchs! Interview mit unserer neuen Co-Autorin Liane R. Anderson

  1. Pingback: Kuckucks-News vom 19.08.2015 | kuckucksvater

  2. Petra Scholz schreibt:

    Auch meine Kindheit war mit so manchen Wünschen durch geheime Phantasien, auf Grund meines ebenso gewalttätigen Vaters geprägt
    Letztlich macht die ganze Sache es den Eltern leicht, dass von ihnen Jahrzehnte, belogene Kuckuckskind als Phantasten und Lügner darzustellen, wenn es versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
    Das hat oft zur Folge, dass man als Betroffene ein weiteres Mal verurteilt wird. Zum Schutze und um der Wahrung der Lüge Willen.

  3. Pingback: Vatersuche auf Facebook – Bin ich ein Kuckuckskind? – Teil 5 – Liane Scholl | kuckucksvater

  4. Pingback: Von Scham keine Spur – Bin ich ein Kuckuckskind? – Teil 4 – Liane Scholl | kuckucksvater

  5. Marta Pandora schreibt:

    Liebe Liane,
    ich hoffe, dass Dir das was mir widerfahren ist erspart bleibt, nicht nur der putative Vater zeigt solch ein Verhalten!
    LG Marta

  6. Marta Pandora schreibt:

    Liebe Liane
    Willkommen hier bei uns im Blog, ich bin gespannt auf Deine Geschichte
    LG Marta

    • Liane Scholl schreibt:

      Liebe Marta,
      ich danke Dir und freue mich über Deine Nachricht. Deine Geschichte hat mich sehr bewegt. Ich war ziemlich tief erschüttert über das Verhalten Deines Vaters.
      Lg Liane

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