Mein Weg in die Öffentlichkeit – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 14


Profikamera für Filme

Unter anderem stand Yelka Schmidt für ein Fernsehinterview für Mona Lisa ZDF bereit. Symbolfoto: © Chris Greene

Deutschland / Mona Lisa – Interview – Reportage / Kuckuckskind – Vor 4 Monaten wagte ich es. Es gab eine Anfrage vom ZDF Format ML-Mona Lisa zu einem Interview und einer Reportage über Kuckuckskinder und Kuckucksväter. Ich fühlte sofort, dass das für mich und mein Anliegen das richtige Format ist. Ich stimmte zu und nach einigen Mails kam ein Kamerateam zu mir. Die Aufnahmen dauerten 7 Stunden. Ich war nur zu Beginn ein wenig aufgeregt. Mein psychologischer Schutzschild half mir auch im Interview, meine Geschichte zu erzählen, als sei sie jemand anderem passiert und ich wäre nur die Zeugin.

Ein paar Wochen später war dann die Ausstrahlung. Ich befand mich zu der Zeit beruflich im Ausland. Einen Tag vor der Ausstrahlung trafen sich meine Mutter und ihre Geschwister. In einem Moment, in Abwesenheit meiner Mutter, verbreitete eine meiner Tanten die Neuigkeit. „Yelka ist morgen im ZDF zu sehen!“ Somit war es in der Familie rum. Es passierte, was immer passierte. Nichts. Einer meiner Cousins meldete sich kurz per sms. Meine Freunde fanden es mutig und toll. Ich hingegen merkte, wie sehr mir das Schreiben im Kuckucksvaterblog und dieser Dreh Abstand brachte. Es bestimmte nicht mehr meinen Alltag, meine freie Zeit. Ich atmete auf und hatte endlich die Kraft mir professionelle Begleitung zu suchen.

Auf die Reportage von ML-Mona Lisa folgten Interviewanfragen für verschiedene Zeitschriften, meist Frauenzeitschriften. Wie beim TV-Format war und ist es mir wichtig genau diese Zielgruppe anzusprechen, die Frauen und Mütter über ihre Verantwortung in Bezug auf die Identität ihres Kindes zu informieren und vielleicht zum Nachdenken anzuregen. Meine beste Freundin kaufte sofort die Zeitschrift, die als erste meine Geschichte veröffentlichte und zeigte die Seiten ihren Eltern, unseren ehemaligen und langjährigen Nachbarn. Sie zeigten sich nicht minder überrascht über das, was nicht irgendwo geschehen ist, sondern in direkter Nachbarschaft und Bekanntschaft. Eine gute Freundin aus Süddeutschland schrieb mir eine Mail. Sie hatte zufällig die Zeitschrift gekauft und war ebenso verwundert, mich dort zu finden und sprach mir Mut zu.

Nebenher wurde die Klage auf Unterhaltsregress vorbereitet. Sechs Monate zur außergerichtlichen Einigung waren gescheitert. Der Kontakt zu meiner Mutter und ihrem Mann, meinem biologischen Vater, so gut wie eingestellt. Das, was ich bereits in allen Interviews sagte, stimmt nach wie vor. Ich vermisse meine Mama und warte darauf, dass sie endlich das Gespräch mit mir sucht. Ein Mutter-Tochter-Gespräch, wie früher, als alles noch gut war, zumindest nach außen.

Die Links zur TV-Reportage und auch zum ausführlichen Interview mit Yelka Schmidt, welches es nur online zu sehen gibt findest Du hier.

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Kuckuckskind Yelka Schmidt erzählt von ihren Erlebnissen auf dem Weg zur Klärung der Vaterschaft und den Folgen

Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt

Fortsetzung: Die Familie feiert

Hier geht es zum vorangegangenen Teil 13 „Lügen – Märchen – Nervenkrieg

Eine Auflistung aller Teile dieser Serie findest Du hier.

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Über Yelka Schmidt

Geboren im Mai 1981, seit März 2011 weiß ich, dass ich ein Kuckuckskind bin. Ich will kein Tabu sein. Ich lebe. Ich lache. Ich liebe. Ich spreche. Über mich. Über Dich? Miteinander? Das würde mich freuen. Ich schreibe. Meistens drauf los. Das befreit mich. Das hilft mir Aktuelles oder Vergangenes zu begreifen und vielleicht auch zu verarbeiten.
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7 Antworten zu Mein Weg in die Öffentlichkeit – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 14

  1. charlotte schreibt:

    Auch ich habe mich lange lange Zeit wenn ich meine Geschichte erzählt hab komisch gefühlt.. ich hatte das Gefühl ich rede über irgendjemanden ,, aber nicht über mich .. man kommt sich seltsam vor.. die ungläubigen Blicke etc etc.. ich versteh das vollkommen

    und noch etwas wer bei diesen Geschichten Daumen runter drückt hmmm zu feige etwas dazu zu sagen? verstecken hinter Daumen runter.. oder doch so ein Mitwisser Vertuschern Lügner… !!!! Also wenn du was zum sagen hast… dann hab doch soviel Hintern in der Hose und schreib.. und versteck dich nicht hinter Daumen runter !!!!

    • Yelka Schmidt schreibt:

      Liebe Charlotte, danke für Deine Kommentare. „Wir Kuckuckskinder“ haben viele Gemeinsamkeiten auf der Ebene der emotionalen Erfahrungswelt und dann noch wie wir solche Traumata bewältigen. Teilweise erschreckend aber für mich immer wieder beruhigend zu wissend, dass ich nicht allein bin und das meine Erlebniswelt durchaus von Anderen verstanden wird. Da nehme ich Daumen runter gar nicht mehr wahr…
      Liebe Grüße, yelka

      • charlotte schreibt:

        liebe yelka du sprichst mir aus der seele… mich beruhigt es einerseits das ich nicht allein so ein “ komisches Wesen“ bin.. mit dem die Umwelt nicht so umzugehen weiss… aber ich ärger mich das jemand sich erdreistet über uns zu richten.. ohnen Ahnung zu haben wie es uns geht… aber du hast recht .. man sollte diese Armseligen feigen Drücker/inen lassen… wenn es sie glücklich macht dann soll es mir recht sein 🙂 wer weiss was die zu verbergen haben… Mein Opa hat immer gesagt.. die Leute die ständig in die Kirche laufen und beten.. die musst du am meisten fürchten.. wer am meisten Dreck am Stecken hat.. schreit am lautesten MORAL und ANSTAND fehlen dieser Welt 🙂 in diesem Sinn gglg charlotte

    • Marta Pandora schreibt:

      Wer bei unseren Geschichten und Kommentaren die Daumen nach unten drückt, ist nicht in der Lage sich konstruktiv zu äußern und konstruktiv zu kritisieren. Es zeugt für mich von Dummheit und Feigheit sich im Netz auszutoben und das Netz zu benutzen um sich groß zu machen!
      Wir Betroffenen wissen wie es uns geht, wir haben uns hier gefunden und tauschen uns aus, über andere Seiten und privat und es ist gut so! 🙂 Verständnis bekommen wir eh nur von denen, die in er Lage sind, sich in unsere Situation zu versetzten oder gleiches erlebt haben.
      Marta

      • charlotte schreibt:

        Vollkommen richtig Martha und noch was, WIR!!! haben uns das nicht ausgesucht !! Man hat uns dazu gezwungen dieses Leben zu leben.. WIR sind das Ergebniss von Lügen und betrügen.. und dafür versucht man uns auch noch für schuldig zu erklären…. lg

  2. charlotte schreibt:

    Liebe Yelka ich finde es sehr tapfer von dir das du in die Öffentlichkeit gehst… Ich verstehe genau was du meinst , es hat dir geholfen Abstand zu finden, man befreit sich.. So geht es mir auch, ich fühle mich immer freier und nicht mehr von meiner Geschichte verfolgt… ich wünsch dir weiterhin alles liebe und gute und bleib weiterhin so stark lg

  3. Anna schreibt:

    Liebe Yelka
    Du hast es wunderbar beschrieben, der psychologische Schutzschild lässt es uns erscheinen, als wären wir „Zeugen“
    Verständnis von der „Familie“ ? Für uns Kuckuckskinder die Hoffnung, die jedoch in den meisten Fällen nicht erfüllt wird. Annahme der Situation – kaum möglich. Alles sollte am Besten so bleiben wie es war. Ein Kind/Erwachsener auf den Spuren der Wahrheit wird als Störenfried gesehen, ein Eindringling in die allertiefste Privatsphäre. „Wir“ werden beschuldigt, beschimpft und belächelt. Von Anfang an kämpfen wir um Annerkennung, so angenommen zu werden, wie wir sind. Die Identitäsfrage zu klären ist ein Kraftakt, den keiner nachvollziehen kann, nur die, die ihn durchleben.
    Das Deine Mama nicht ins Gespräch geht mit dir, finde ich schade. Ich wünsche dir, dass das Gespräch zwischen dir und ihr noch statt findet.

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