Kuckuckskind – Ich fragte meine Mutter an ihrem Todesbett – von Rachel


Foto von zwei Kuckuckseiern im Nest anderer Vögel.
Rachel aus Kanada fand dieses Nest kurz bevor sie in Neuseeland ankam. Ihre Verwandtschaft ist quer über den Globus verteilt.

Kanada – Alberta – Canady / Niederlande – Amsterdam / Deutschland / Kuckuckskind – Kuckucksmutter – Scheinvater – Geschwister – Ich wurde 1951 in Amsterdam, Niederlande, geboren. Meine Mutter war Deutsche und mein rechtlicher Vater war Holländer.

Als ich drei Jahre alt war,

wanderten meine Eltern, mein älterer Bruder und ich nach Kanada aus. Es war 1954. Im Jahr 1955, sieben Monate nach unserer Einwanderung, wurde mein zweiter Bruder geboren. Vier Jahre später, 1959, wurde ein dritter Bruder geboren. Wir alle sind in Calgary, der drittgrößten Stadt Kanadas aufgewachsen. Calgary gehört zur Provinz Alberta.

Als ich 21 war, zogen meine Eltern und die zwei jüngeren Brüder nach Victoria in die kanadische Provinz British Columbia. Im Jahr 1977, als ich 26 war, starb mein jüngerer Bruder bei einem Autounfall. Er war 22. Wir standen uns sehr nahe und ich war untröstlich. Nicht lange danach starb Anfang 1980 mein rechtlicher Vater. Es war eine tragische Zeit für meine Familie.

Ich blieb in Calgary, besuchte die Universität und erwarb meinen Hochschulabschluß. In der zweiten Hälfte des Jahres 1980 heiratete ich einen erfolgreichen Anwalt, worüber meine Mutter sehr glücklich war.

Sieben Jahre später, im Jahr 1987, brach meine Ehe mit dem Anwalt auseinander. Meine Mutter war auf einer längeren Besuch nach Europa, um ihre Verwandten zu besuchen und als sie zurückkam, erzählte ich ihr von meiner Entscheidung, mich scheiden zu lassen. Die Nachricht verärgert sie sehr und sie fing an zu weinen.

Ich versuchte sie zu trösten, aber sie konnte nicht aufhören zu weinen. Dann erzählte sie mir: „Du hast einen anderen Vater.“ Sie erzählte mir, dass er verheiratet ist, in Amsterdam lebt und er und seine Frau sechs Kinder haben, von denen eines starb. Sie weinte immer noch, und ich sagte zu ihr: „Das ist okay, Mutter.“ Ich bemühte mich, sie zu trösten. Dann erzählte sie mir: „Dein Bruder auch. Er hatte den gleichen Vater.“ Das war der zweite Bruder, geboren 1955, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Er und ich waren sehr eng miteinander verbunden und wir hatten somit eine besondere Beziehung zueinander.

Ich hörte zu und nahm die neuen Informationen auf, aber verarbeitet habe ich sie nicht wirklich. Meine Mutter nannte mir den Namen meines leiblichen Vaters und sagte, dass sie im Kontakt mit seiner Frau war. Sie sagte, dass seine Frau nicht über die beiden außerehelich gezeugten Kinder Bescheid wisse.

Ich dachte: „Dieser Mann, mein leiblicher Vater, ist verheiratet. Er hat sein Leben und seine Familie in Amsterdam. Ich werde nicht jemanden aufregen wollen, indem ich versuche Konakt zu ihm aufzunehmen.“ Somit unternahm ich keine Anstrengungen, um Kontakt zu meinem leiblichen Vater aufzunehmen.

Nach diesem Tag im Jahr 1987, verschloss sich meine Mutter wie eine Muschel und würde nicht mehr über ihn reden.

Zehn Jahre später, im Jahr 1997, rief mich meine Mutter eines Tages zu mir, um mir mitzuteilen, dass mein leiblicher Vater gestorben war. Seine Frau hatte sie aus Amsterdam angerufen, um ihr die Nachricht mitzuteilen.  Während dieses Anrufes gestand ihr meine Mutter, dass sie hatte zwei Kinder von ihm hat – meinen Bruder und mich. Ich weinte fürchterlich, als ich hörte, dass er gestorben ist, weil mir klar wurde, dass ich niemals mehr die Möglichkeit haben werde, ihn zu treffen und kennen zu lernen.

Nun, langsam tauchten die Informationen aus meinem Unterbewußtsein auf und lösten Fragen aus. Wer war dieser Mann? Wie sind seine Kinder – meine Brüder und Schwestern? Ich fragte mich, wie ich ich mich auf die Suche nach den Antworten begeben könnte. Aber ich war nicht bereit, die Gefühle von jemanden zu verletzten, indem ich versuche, mit der Familie Kontakt aufzunehmen.

Dennoch, im Jahr 2001, kurz vor Weihnachten, sah ich durch das Adressbuch meiner Mutter und fand meine Adresse der Witwe meines leiblichen Vaters. Ich schickte ihr eine Weihnachtskarte und legte ein Foto von mir, meinem jetzigen Mann und unseren drei Söhnen bei.

Ich hörte nichts, bis zum 20. Februar 2009. Wie sich herausstellte, war es ein Monat, bevor meine Mutter starb. An diesem Tag im Februar, erhielt mein Mann eine E-Mail, die an mich gerichtet war. Diese besagte: „Ich bin deine Halbschwester aus den Niederlanden.“ Sie gab den Namen meines leiblichen Vaters an und fragte mich, ob ich Kontakt haben wollte. Ihre Mutter war gestorben, und sie hatte die Weihnachtskarte, die ich ihrer Mutter im Jahr 2001 geschickt hatte, gefunden. Meine Halbschwester behielt es und kurz bevor sie die E-Mail an meinen Mann versendete, suchte sie nach mir im Internet.

Nun, in den letzten drei Jahren habe ich versucht, die Puzzleteile zusammen zu  bekommen. Ich war nach Europa und nach Neuseeland gereist, traf mich mit Verwandten und versuchte mehr über meine leibliche Familie väterlicherseits herauszufinden.

Ich fragte meine Mutter an ihrem Sterbebett, ob mein rechtlicher Vater wusste, dass ich nicht sein Kind war. Sie sagte: „Nein, er wußte es nicht.“

Er war ein Kuckucksvater.

Der Originaltext „I asked my mother on her deathbed – chronicle from Rachel“ wurde von mir aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und ist im englischen Blog „The Milkman’s Child“ im Original zu lesen.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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11 Antworten zu Kuckuckskind – Ich fragte meine Mutter an ihrem Todesbett – von Rachel

  1. Pingback: Jetzt bin ich ein Teil einer großen Familie – von Rachel aus Kanada – Teil 2 | kuckucksvater

  2. Juan Sebastian schreibt:

    Hola, Max
    que has sabido de Rachel? sigues en contacto con ella?
    esta historia me impacto mucho, y creo que el alrededor del mundo este tipo de historias son muy frecuentes.
    Rachel le confeso esto a sus otro dos hermanos? ellos lo saben?

    Saludos Max, desde Colombia

  3. Pingback: I asked my mother on her deathbed – chronicle from Rachel | The Milkman's Child

  4. JUAN SEBASTIAN schreibt:

    Terrible historia, existen mujeres que no tiene razón ni corazón como la madre de Rachel, pero estaba la madre de Rachel realmente segura de que esos dos hijos eran de su amante, o posiblemente de que los tres primeros hijos fueran de el? Saben el hermano mayor y el hermano menor de la situación? Tu Max, has hablado con Rachel? Se han realizado pruebas de paternidad?

    SALUDOS MAX DESDE COLOMBIA, SURAMERICA

  5. JUAN SEBASTIAN schreibt:

    terrible historia, existen mujeres que no tiene razon ni corazon, pero estaba la madre realmente segura de que esos dis hijos eran de su amante, o posiblemente de que los tres primero fueran de el?? Tu Max, has hablado con Rachel? Se han realizado pruebas de patrernidad??

    SALUDOS MAX DESDE COLOMBIA

  6. Ein wirklich sehr trauriger Beitrag ! Aber zum Glück blieb dem Kuckucksvater die Trauer erspart…und musste nicht mehr erleben das er nicht der richtige Vater war. Auch wenn Männer oft sehr unnahbar und hart erscheinen, bin ich mir sicher…das Männer genauso ihre Kinder lieben wie Frauen tun…und wie würde sich wohl eine Frau fühlen…plötzlich zu erfahren…“Dein Kind ist nicht Dein Kind“ unfassbar…extrem traurig und enttäuscht…man verliert wohl den Glauben an das Gute…und ganz ehrlich…warum sollten Männer da anders fühlen.

    @ Max Kuckucksvater es tut mir sehr leid für Dich…das man Dich so hintergangen hat und somit viel Leid verursacht hat. Ich finde Deine Idee solch einen Blog zu starten super ! Super für Deine Trauerbewältigung und auch als Anlaufstelle für andere Betroffene.

    lies Grüßle
    Mandy

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Hi Mandy, vielen lieben Dank für das Kompliment zum Blog. Hier im Kuckucksvaterblog zu schreiben hat mir dabei geholfen, mein Erlebnis zu verarbeiten. Letztendlich kann man es mit einer seelischen Vergewaltigung beschreiben, was mir und anderen Kuckucksvätern angetan wurde. In vielen Staaten ist die Abtreibung von Kindern aus Vergewaltigungen erlaubt und der größte Teil der Gesellschaft hat vollstes Verständnis dann dafür. Für die Kuckuckskinder von uns Scheinväter ist eine Trennung zum Kind möglich, doch die meisten möchten weiterhin den Kontakt zu ihren Kindern pflegen, doch der Umgang wird zumeist von den Kuckucksmüttern soweit sabotiert, daß die Kinder – um Ruhe im Leben zu erhalten – und auch die Scheinväter aufgeben. Dass alle Betroffenen vom Gesetzgeber aufeinander gehetzt werden, aber die Kuckucksmutter als Verursacherin des ganzen lediglich als Zeugin geladen wird, macht die Konfliktbewältigung unterhalb der Opfer nur noch schwerer. Es wird Zeit, dass Kuckucksmütter in die Verantwortung genommen werden.

      Im meinem Fall gab ich auf, damit mein Junge nicht weiter von der Kuckucksmutter seelisch mißbraucht wird. Mal Kontakt mit mir haben dürfen, dann wieder nicht, ist kein Zustand, der Gesund für die Psyche eines Kindes ist, zumal es eh schon genug damit zu kämpfen hat, was es wohl bedeutet, dass der Papa nicht der Vater ist und da ein ganz fremder Mann nun der Vater sein soll und warum die Mutter denn die ganze Zeit es angelogen hatte. Was den Kuckuckskindern von ihren eigenen Müttern angetan wird, ist grausam.

      Der Kuckucksvaterblog hat mit diesem Artikel nun seinen 250zigsten Artikel veröffentlicht und bereits über 120.000 Seitenaufrufe in weniger als zwei Jahren erreicht. Unter anderem der Vielzahl an eingereichten Erlebnisberichten von Betroffenen hat der Blog es zu verdanken, daß auch die breite Gesellschaft und die Medien das Thema mehr und mehr wahrnehmen und darüber berichten. Auch die Bereitschaft vieler, den Medien Interviews zu geben, hilft dabei, den Geschichten ein Gesicht zu geben und Empathie bei Nichtbetroffenen zu erzeugen. Dafür möchte ich mich nochmal bei allen Kuckuckskindern, Scheinvätern und auch leiblichen Vätern bedanken. Nicht minder bedanke ich mich bei der Kuckucksmutter „Nadine“*, die sich für Interviews bereitstellt, obwohl ihr kalter Wind entgegenweht.

      *Nadine ist ein Pseudonym um die Kuckucksmutter zu schützen.

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