Entsorgte Väter: Der Kampf um die Kinder: Warum Männer weniger Recht bekommen – Buchbesprechung


Entsorgte Väter: Der Kampf um die Kinder: Warum Männer weniger Recht bekommen     [Broschiert]                      Taschenbuch: 288 Seiten – Autorin: Katrin Hummel
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth) Auflage: 1 (12. März 2010)    ISBN-13: 978-3431038163, Preis: 16,99 €

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

„Im Krieg und nach der Liebe ist alles erlaubt. Das ist Fakt in Deutschland, zumindest, was das Sorgerecht angeht. Mit unfairen Tricks und Ausreden verhindern viele Mütter, dass Väter ihre Kinder auch nach einer Trennung noch sehen. Nur zahlen sollen sie, das Umgangsrecht wird boykottiert. Für die Kinder ist das schrecklich, denn sie vermissen ihren Vater und dürfen nur mit ihrer halben Familie aufwachsen. Die Väter leiden ebenso sehr unter der Trennung. Sie fühlen sich machtlos, ohne eine Chance, ihre Kinder jemals wiederzusehen. Warum ist es in unserem Land möglich, dass Kindern und Vätern dieses Leid geschieht, und weshalb handeln Mütter so? Katrin Hummel zeigt, was geschehen müsste, damit Väter zu ihrem Recht kommen.“

Hier nun mein Eindruck:

Die Journalistin Katrin Hummel schreibt hier über ein Thema,

welches sie überhaupt nicht persönlich betrifft. Sie tritt nicht als leidendes Kuckuckskind, nicht als entsorgende Mutter und auch nicht als geifernde Feministin an. Sie selber sagt:

„In meiner journalistischen Arbeit ging es mir schon oft darum, denen eine Stimme zu geben, die niemand hören wollte. Meist waren das Frauen. Und nun berichte ich über Männer, die nicht gehört werden. […] Es ist die Beschreibung eines Landes, in dem das Recht der Mütter mehr gilt als das Recht der Väter.“

Frau Hummel hat verschiedene Interviews mit betroffenen Vätern geführt. Im Kapitel „Entsorgte Väter“  beschreibt sie zwei Fälle, in denen dem Vater sukzessive das Kind entfremdet wird.  Die Fälle sind sehr lesbar geschildert und immer wieder durch Kommentare der Autorin bzw. durch das Herausarbeiten von allgemeinen Verhaltensmustern ergänzt. Besonderes Augenmerk richtet sie auf die moderne Bindungsforschung und versucht an vielen Stellen, ein allgemeines Handlungsschema der entsorgenden Mütter zu finden. Wie ich meine, gelingt ihr dies hervorragend.  Ein Beispiel auf Seite 126 unten:

„Ein Kind aber, das seinen Vater nicht mehr sehen darf, will auch nicht noch seine Mutter verlieren. Daher wird es alles tun, was die Mutter will. Wenn sie schlecht über den Vater redet, gerät es in einen Loyalitätskonflikt. […] Wenn die Mutter aber jahrelang immerzu schlecht über den Vater redet und gleichzeitig weitestgehend den Kontakt des Kindes zu ihm unterbindet, gleicht dies einer Gehirnwäsche, der sich das Kind nicht entziehen kann, weil es von ihr abhängig ist. Es wird sich davor schützen […] und selbst glauben, dass sein Erzeuger ein mieser Kerl ist.“

Nach den beiden Vätern kommt ein entfremdetes Kind zu Wort. Hier bringt die Autorin das Parental Alienation Syndrom (PAS) ins Spiel, unter dem ca. 90 Prozent aller betroffenen Kinder leiden sollen. Es wird der Fall eines mittlerweile 25jährigen Studenten erläutert, der, begleitet von „mangelnder Kompetenz der beteiligten Richter und Sachverständigen zu einem völligen Umgangsausschluss“ betroffen war. Die Mutter verstand es, das Kind völlig dem Vater zu entfremden. Immer mit dem Argument, das Kind brauche Ruhe. Dabei konnte sie immer auf Richter, Jugendämter, und Sachverständige zählen. Zum Abitur hin schmeißt die Mutter den Sohn aus der Wohnung und er findet wieder zu seinem Vater.  Mit gut 20 Jahren stellten sich bei ihm Depressionen ein. Begleitet wird dieses Kapitel auch weiterhin von empirischen Untersuchungen und Sachverständigenaussagen.

In Kapitel 4 entlarvt die Autorin, wie leicht es ist, in Deutschland einen Vater mit völlig aus der Luft gegriffenen Beschuldigungen hinsichtlich sexueller Übergriffe alle Rechte aus der Hand zu schlagen.

Kapitel 5 versprach spannend zu werden. Eine entsorgende Mutter kommt zu Wort. Allein dies ist in der Literatur ja schon eine Seltenheit. Frau Hummer wählt, wahrscheinlich, um besonders authentisch zu bleiben, die Briefform. Mehrere Briefe in einem Zeitraum von 10 Jahren dieser Mutter werden abgedruckt.  Jeder sollte sich nun selbst ein Bild dieser Frau machen. Als zentrale Aussage kann folgendes festhalten: Entsorgende Mütter empfinden in vielen Fällen neben dem verbleibenden Hass aus der gescheiterten Beziehung den Vater als schwelende Bedrohung der eigenen Gefühlswelt. Diese eigene Gefühlswelt wird dem Kind übergestülpt. Ohne jede Rücksicht auf das Kind. Der Wille der Mutter soll/muss der Wille des Kindes sein.

Danach geht die Autorin auf das Cochemer Modell ein. Dieses wird erst in wenigen Ländern angewandt. Gerichte, Öffentliche Stellen und Anwälte arbeiten Hand in Hand nur zum Wohle des Kindes und es erweist sich als echte Chance, das Gewinner- und Verliererspiel beim Streit um die Kinder zu beenden.

Eine Zusammenfassung mit Ausblick sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis runden dieses Buch ab. Ein Buch, das sich wie ein Psychothriller liest. Keine Seite wird als „gut“ oder als „böse“ pauschal dargestellt.  Verfahrens- und Verhaltensmuster werden herausgearbeitet und untermauert.  Packend von der ersten bis letzten Seite. Ich selbst konnte die Verhaltensmuster meiner Exfrau vielfach wiederfinden. Auf Seite 265 schreibt Frau Hummel treffend:

„Wenn ein Vater oder eine Mutter entsorgt wird, liegt das fast immer daran, dass es einen Konflikt mit dem Partner gibt, der nicht bewältigt wurde. Ursache dafür ist ein Kommunikationsdefizit – manchmal bei sehr gebildeten oder sprachlich geschulten Partnern. […] Die Regel ist es allerdings bislang, dass die Gerichte nicht vorsorglich eingreifen und etwa eine Mediation anordnen, sondern das die Ex-Partner, sobald der Streit eskaliert, ihre Anwälte aufeinander losjagen.“

Mein Fazit: Ein Muss für jeden, den dieses Thema interessiert. Der Preis von 16,99 € ist für das Gebotene angenehm und angemessen.

5 von 5  Punkten!

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Über Georg F. Terbeck

"Vater" eines Kuckuckskindes Leiblicher Vater eine Mädchens und eines Jungens Bonusvater zweier Mädchen Ehemann einer wundervollen Frau!
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Eine Antwort zu Entsorgte Väter: Der Kampf um die Kinder: Warum Männer weniger Recht bekommen – Buchbesprechung

  1. jemseneier schreibt:

    ich bin alleinerziehender Vater. Die Alte darf den Sohn regelmäßig sehen. Bin zwar selber nicht erpicht in irgendeiner Weise Kontakt zu ihr zu haben, versuch aber den Sohn da raus zu halten.
    Ich weiß dass es hart ist über das Kind ständig mit einer alten Beziehung konfrontiert zu werden, die man doch eigentlich gerne vergessen wollte – und da schalten besonders viele Frauen einfach irgendwann einmal ab!
    Auf der Seite alleinerziehender Frauen kenn die ganze Bandbreite: Von Kindern, von denen der Vater gar nichts weiß, weil die Beziehung lange vor Geburt gescheitert ist, von Kindern die nicht wissen dürfen wer der Vater ist, von Kindern die bis zur Volljährigkeit von ihren Müttern weggesperrt wurden, wo sich Vater und Sohn mit 16 oder 18 treffen und nach sovielen Jahren einfach nichts mehr gemeinsam haben. Von Frauen, die mit ihren Kindern noch im selben Ort des Mannes leben und es trotzdem schaffen die Kinder wegzusperren, von Müttern die ihren Ex-Männern hin bis zur Pädophilie alles in die die Schuhe schieben, nur damit die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen… Der Umgang von Frauen mit ihren Ex-Männern UND ihren Kindern ist zum Teil ziemlich brutal.

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