Kuckuckskinder, Kuckuckseltern: Mütter, Väter und Kinder brechen ihr Schweigen – Buchbesprechung


Buchtitel

Kuckuckskinder, Kuckuckseltern: Mütter, Väter und Kinder brechen ihr Schweigen von Simone Schmollack

Simone Schmollack
Kuckuckskinder, Kuckuckseltern: Mütter, Väter und Kinder brechen ihr Schweigen
[Broschiert]
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
1. Auflage März 2008
 ISBN-13: 978-3896028174
240 Seiten 
Preis: 9,90 €

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)
Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa fünf bis zehn Prozent (Anmerkung der Redaktion: die Autorin widerspricht sich innerhalb des Buches in Bezug auf die Zahlen) aller Kinder sogenannte Kuckuckskinder – der Vater, den sie kennen, ist also nicht der biologische Vater – oder sie werden von einer anderen Mutter großgezogen. Exakte Zahlen liegen darüber nicht vor, denn die Existenz eines Kuckuckskindes gilt bis heute als eines der bestgehüteten Geheimnisse. Meist wird die Wahrheit aber weniger aus böser Absicht verschwiegen, sondern weil eine funktionierende Familie aufgebaut oder erhalten werden soll. Der Wunsch nach Glück und Harmonie gewinnt die Oberhand über das Streben nach der Wahrheit. Die meist erst ans Licht kommt, wenn ein bisher intaktes Gefüge auseinanderbricht. Dann lassen Väter vielleicht Zweifel zu, Mütter reden, Kinder fragen nach. In der Regel bricht für alle Beteiligten eine Welt zusammen und es beginnt ein Kampf, bei dem alle zunächst verlieren. Simone Schmollack lässt Kuckuckskinder und Kuckuckseltern zu Wort kommen, die offen über ihre Gefühle und Gedanken sprechen: Eine Frau erzählt davon, wie sie zufällig bei der Geburt ihres eigenen Kindes erfahren hat, dass sie ein Kuckuckskind ist, eine andere schildert, wie ihr die Wahrheit durch das Gerede im Dorf zugetragen wurde. Kuckucksväter erzählen von ihren Erfahrungen und wie sich ihr Verhältnis zu „ihren“ Kindern nach dem „Verrat“ entwickelt. Eine Kuckucksmutter, die ihrem bereits erwachsenen Sohn das Geheimnis offenbart, kommt ebenso zu Wort wie eine Frau, die erst drei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter durch einen Gentest erfahren hat, welcher von zwei Männern der leibliche Vater ihrer Tochter ist. Für ein ausführliches Vorwort zum „Problem Kuckuckskind“ hat die Autorin Interviews mit Psychologen und Fachleuten geführt. Der Serviceteil bietet Infos zur aktuellen Rechtslage.

Hier nun mein Eindruck:
Das Buch besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:
Teil 1: (8 Seiten) Einleitung
Teil 2: (216 Seiten) Geschichten der Betroffenen Väter (3), Mütter (4), Kinder (3)
Teil 3:  (15 Seiten) Wissenswertes
Allein aus dieser Aufstellung wird schon die Stoßrichtung dieses Buches klar. Es kommen

die Betroffenen zu Wort. Drei Väter, vier Mütter und drei Kinder erzählen ihre ganz persönliche Geschichte, von ihren Beweggründen, so oder so gehandelt zu haben. Man kann sich in diesen Geschichten als Betroffener wiederfinden. Sei es, dass man ähnliches erlebt hat oder das man erahnen kann, was einem noch in der Zukunft ereilen könnte. Der Leser wird dazu animiert, das Handeln der Protagonisten und auch sein eigenes Handeln zu hinterfragen.
Dieses „Hinterfragen“ ist die eigentliche Intention des Buches. Dies wird schon in der Einleitung deutlich. Väter sollten hinterfragen, warum für Väter die Weitergabe der eigenen Gene so wichtig ist, dass spätestens nach einem Jahr in fast allen Fällen kein Kontakt mehr zum Kind besteht. Mütter sollten sich fragen, „warum sie sich selbst zum Mittelpunkt eines Dramas machen, an dessen Anfang sie zwar stehen, aus dem sie sich aber herausstehlen, indem sie schweigen.“  […] „Und sie versagen in dem Bereich, in dem Frauen gegenüber Männern vermeintlich im Vorteil sind: in ihrer Fähigkeit zur Kommunikation.“
Leider ist der letzte Teil des Buches etwas sehr kurz geraten. Ein sechsseitiges Interview mit einer Psychoanalytikerin unter der Überschrift „Manchmal ist es klüger, das Schweigen zu respektieren“. Insgesamt ein Beitrag, der zur Diskussionsanregung und auch Widerspruch anregt.
Das letzte Kapitel stellt sehr kurz die Rechtslage dar. Stand ist hier das Jahr 2008, also sollte hier jeder die neuesten Urteile und Gesetze recherchieren.
Die Autorin versucht, viele Seiten des Problems Kuckucksfaktor zu beleuchten. Sie hält sich zurück und lässt ohne weitere Wertung Menschen sprechen.

Noch einige Worte zur Autorin:

Diese ist in Kuckucksvaterkreisen keine Unbekannte. Frau Schmollack ist bekennende Feministin und bekannt für männerverachtende Artikel in verschiedenen Zeitschriften und Magazinen. Unter diesem Gesichtspunkt ist dieses Buch als sehr ausgewogen zu betrachten !-) Dennoch ist den Autoren des Kuckucksvaterblogs bekannt, dass zumindest in einer Story die Kuckucksmutter doch sehr geschont wurde. Der vom Vater im Interview mitgeteilte Sachverhalt wurde doch schon sehr grenzwertig von der Autorin Schmollack weichgespült. Über Schmollacks Haßtiraden gegen Männer und ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit kann man auch in WikiMANNia und Genderama lesen.

„Kinder können viel mehr verstehen und verzeihen, als Eltern mithin glauben. Sie können aber kaum verstehen und gar nicht verzeihen, wenn sie belogen werden“

Mein Fazit: Sehr einfühlsam geschriebenes Buch. In erster Linie regt es zum Nachdenken an. Zum Nachdenken über das eigene Handeln und vielleicht auch zum Verstehen der Handlungen der Betroffenen.  Drei Punkte, weil die Story zu sehr weichgespült und die Kuckucksmütter auffallend aus der Schußlinie genommen wurden.

Der Preis von 9,90 € ist für das Gebotene niedrig.
3 von 5 Punkten !

Eine Übersicht unserer Buchrezensionen finden sie hier.

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Über Georg F. Terbeck

"Vater" eines Kuckuckskindes Leiblicher Vater eine Mädchens und eines Jungens Bonusvater zweier Mädchen Ehemann einer wundervollen Frau!
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