Kuckuckskind Bea – Lügen zerstören Seelen


Erlebnisbericht

Lügen zerstören Seelen Erfahrungsbericht von Kuckuckskind Bea

Kuckuckskind – Ich bin 52 Jahre alt und habe seit 6 Jahren die Gewissheit, dass mein Gefühl als Kind, in meiner Familie weder willkommen noch richtig gewesen zu sein, richtig und wahr war. Ich schreibe mir das alles nun von der Seele, weil ich nie mehr in meinem Leben die Lüge unterstützen will und Menschen Mut machen möchte! Dieses Thema muss endlich aus der Tabukiste raus und, wie ich in meinem Leben gelernt habe, die Selbsthilfe ist eine der besten Hilfen, die es gibt.

Meine Ursprungsfamilie besteht aus 7 Geschwistern, von denen eine Schwester sich vor 28 Jahren das Leben genommen hat. Als ich 12 Jahre alt war, hörte ich

bei einem Familienfest, auf dem der Alkohol die Zungen gelöst hatte, wie meine Taufpatin zu meinem Onkel (mütterlicherseits) sagte – sie wisse, warum ich soviel Schläge bekommen würde: ich sei nicht, wie mir immer vermittelt wurde, ein schlimmes und böses Kind, sondern sei nicht die leibliche Tochter meines vermeintlichen Vaters.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Tragweite dieser Aussage nicht begriffen, sie geisterte aber immer wieder durch die Köpfe meiner Restgeschwister – die mich dann im Laufe der Jahre immer wieder mit der Frage bedrängten: „Willst du es denn nicht wissen?“ Ich war erst mit 46 Jahren soweit.

An meinem Geburtstag forschte ich im Internet nach zum Thema Blutgruppen: Beide Elternteile haben die Blutgruppe 0 – ich meinerseits habe die Blutgruppe A! Obwohl ich es immer spürte – innen und außen, dass ich anders war und bin, mich nicht dazugehörend empfand, hat mir diese Gewissheit – ein Kuckuckskind zu sein – den Boden unter den Füßen weggezogen! Ich war völlig durch den Wind, aufgewühlt und voller Angst.
Als es mir wieder besser ging, habe ich mir meine Mutter geschnappt, bin mit ihr zum Grab meiner Grossmutter gegangen. Meine über alles geliebte Oma, die ich bis heute immer noch sehr vermisse. Bei ihr habe ich mich immer geborgen und wohl gefühlt, leider starb sie vor 13 Jahren. Dort flehte ich meine Mutter an, mir die Wahrheit zu sagen. Sie hat es in mir gegenüber zugegeben, aber kurz darauf wieder abgestritten.

Die Geschichte meiner Entstehung ist so haarsträubend und für mich sowas von verlogen!

Meine Mutter hat mich nach dem Geständnis erpresst: Sie hat zu mir gesagt, ich dürfe mit niemandem darüber sprechen – sonst würde sie sich umbringen! Etwa ein halbes Jahr habe ich bei diesem Erpresserspiel mitgemacht, dann konnte und wollte ich nicht mehr. Mein älterer Bruder, zu dem ich bis heute ein gutes Verhältnis habe, hat dem Druck der Wahrheit nicht mehr länger standhalten wollen und meinem Erzieher – seinem Vater – die Wahrheit gesagt. Was dann passiert ist, ist kaum zu glauben. Die Familie hat sich gesplittet – meine beiden Geschwister – eben mein Bruder, und eine Schwester – haben sich auf meine Seite gestellt, der Rest hat sich von mir abgewandt – denn ich bin immer noch ein böses, schlimmes Kind und die Eltern sind ja so arm und alt, denen könne man die Wahrheit nicht zumuten. Vor einem halben Jahr wurde mein Erzieher 80 Jahre alt. Zu diesem Fest wollte er mich auch dabei haben. Ich habe abgelehnt: Ich möchte nie mehr in meinem Leben mit Menschen an einem Tisch sitzen, die lieber die Lüge leben, als sich die klärende Wahrheit anzuschauen! Ein Gespräch, das ich meinerseits angeboten habe, ich wollte mit den beiden reden, wurde und wird mir bis heute verwehrt. Ich bin nicht mehr ihre Tochter, ich bin auch heute noch, obwohl erwachsene Frau, ein schlimmes und böses Kind.

Dies ist eine Zusammenfassung von vielen vielen erniedrigenden schmerzhaften Geschehnissen, die ich einzeln alle gar nicht niederschreiben kann, denn, wenn ich alle aufführen würde, würde das den Rahmen sprengen. Ich weiß immer noch nicht, wer mein Vater ist – habe vieles nachgeforscht – meine Taufpatin und meine Oma, die meinen Vater sicher kannten, kann ich leider nicht mehr fragen – sie sind beide tot. Mir läuft die Zeit davon. Die Fragen „Wer ist mein Vater? Lebt mein Vater noch? Habe ich noch Geschwister…?“, zehren sehr an mir.

Ich kann mittlerweile sehr offen darüber reden und schreiben, doch die Sehnsucht bleibt. Bea

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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7 Antworten zu Kuckuckskind Bea – Lügen zerstören Seelen

  1. ina schreibt:

    Auch mir ist es passiert- vor einer Woche habe ich meine Mutter gefragt und der Name des Mannes, der mein leiblich Vater ist (Blutgruppeverdacht hatte ich schon lange) kam wie aus der Pistole geschossen. Mein Mutter ist 86, mein sehr lieber Ziehvater- ein gebrochender Mann- schon seit fünf Jahren tot und mein leiblicher Vater muss mittlerweile 88 sein. Ich weiß den Wohnort und konnte auch Informationen bis 2008 im Amtblatt einer Gemeinde finden. Dort will man mir noch nicht einmal darüber Auskunft geben, ob er noch lebt. Den Friedhof habe ich abgesucht, Leute aus dem Ort gefragt und natürlich im Netz gesucht. Ich bin völlig auf links gedreht und die Zeit rennt mir davon. Kann mir irgendjemand einen Tipp geben, wie ich weitersuchen kann??

    • Roswitha Paffhausen schreibt:

      Hallo,
      ich kann dich sehr gut verstehen, mir ging/geht es auch so.
      Ich hatte erst eine Firma (so ähnlich wie Detektive engagiert und dann nich einmal eine Anwältin für Familienrecht beauftragt um weitere Informationen einzuholen. Die Adresse, die herausgefunden wurde, war von beiden (Dedekte und Anwältin identisch). Die Anwältin schrieb meinen Erzeuger in meinem Namen an. Wichtig war mir, dass mein Erzeuger mitgeteilt bekam, dass es mir nicht um Geld oder Ähnlichem ging, sondern wirklich nur darum, meinen Erzeuger 1 x im Leben gesehen zu haben.Durch eine Anwältin klang das für mich überzeugender. Es hätte mir auch ein Foto gereicht, aber Hauptsache ich hätte sehen können wieder aussieht.
      Leider gab es auch nach mehreren Anschreiben keine Antwort von ihm /oder falls er durch sein hohes Alter nicht mehr in der Lage sein sollte, von einer seiner anderen drei Töchter (diese Informationen-3andere Töchter- hatte ich schon durch meine Mutter erhalten ).
      Ich werde bald dort hinfahren und hoffe, dass ich ihn irgendwie zu Gesicht bekomme.
      Es ist schrecklich wenn man mit der Lüge von der Mutter leben muss, ich konnte es ihr nie verzeihen.
      Dir viel Glück und Erfolg

  2. Roswitha Paffhausen schreibt:

    Hallo Bea, ich habe auch durch einen dummen Zufall -Erwähnung der Blutgruppe – erfahren, dass ich einen anderen Erzeuger ( als ich30 Jahre gedacht), habe. Das einzige was meine Mutter auf meinen Hinweis dass ich, -da ich eine andere Blutgruppe als meine Eltern habe- war, dass sie sich nichts vorzuwerfen habe, sie würde schließlich nur 1x leben.
    Dass ich unerwünscht war/bin, wurde mir schon recht früh klar gemacht! Mit den Satz: „ich wollte dich nicht und hatte versucht dich abzutreiben, hat leider nicht funktioniert!.“
    Ich erfuhr später von meinem (Zieh) Vater ( der aber bis zu seinem Tod nicht wusste dass ich nicht von ihm bin!), dass sie mich als ich ca 6 Monate alt war, alle in der Wohnung zurück gelassen hatte und mit meiner älteren Schwester für ca 5-6 Monate verschwand. Kurz bevor mein Vater starb, entnahm ich eine Speichelprobe. Durch ein Labor bekam ich die Gewissheit, dass er wirklich nicht mein Erzeuger ist – zu 99.9999 %!
    Seit ich erfuhr, dass ich von einem ganz anderen Erzeuger abstamme, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen. Ich erfuhr zwar den Namen und die Adresse von meinem Erzeuger, der aber verweigerte die Kontaktaufnahme. Ich erfuhr von einem Anwalt, bei dem ich mich über meine Rechte erkundigte , dass ich nichts unternehmen könnte. Das alles erfuhr ich als ich 30 Jahre alt war. Ich habe 3 Kinder, die Wunschkinder sind und ich über alles liebe und es ihnen auch so oft es geht, sage.
    Ich verweigere seit dem, so gut ich es kann, den Kontakt zu meiner Mutter, da sie mir ein Stück Leben geraubt hat. Ich komme damit nicht zurecht, nie ein Bild oder die Stimme von meinem Erzeuger gesehen /gehört zu haben und 30 Jahre angelogen wurde.
    Ich finde es furchtbar, dass ich keine Möglichkeit habe meinen Erzeuger oder dessen Töchter (angeblich noch 3) kennen lernen zu können.
    Ich kann dich liebe Bea also sehr gut verstehen!
    LG Rosi

  3. Chantal schreibt:

    Hallo,

    ich weiß seit wenigen Monaten, dass ich auch ein Kuckuckskind bin mit meinen fast 40. Jahren. Obwohl, mein sozialer Vater hat immer gewusst, dass ich nicht sein eigenes Kind bin, aber mir nie etwas davon gesagt. Ich kann mich erst jetzt wieder daran erinnern, dass ich meinen richtigen Vater im Laufe meiner Kindheit und Jugend immer wieder begegnet bin, zusammen mit meiner Mutter nach der Scheidung von meinem sozialen Vater. Ich habe damals nie verstanden, weshalb ich auf einmal einen anderen Vater haben sollte. Mein Vater, bei dem ich aufwuchs, sagte immer, dass die Mutter lügen würde, er wäre doch mein richtiger Vater. So gab es für mich immer ein Hin und Her und ich war verwirrt, wenn ich diesen Mann, meinen richtigen Vater, mal wieder begegnete. Als ich erwachsen war, wollte sich mein richtiger Vater mit mir treffen, war für einen Test sogar bereit, doch ich glaubte es ihm nicht, dass er mein Vater sein sollte, ich hatte doch schon einen. Leider hatte ich alle vorigen Treffen über die Jahre mit ihm vergessen und dachte, es spricht ein Verrückter an der Leitung. Doch heute weiß ich Bescheid. All die Treffen mit meinem richtigen Vater sind mir wieder in Erinnerung und ich bin schockiert, weshalb ich alles vergaß und ihm keine Chance gab. Ich fühle mich so seltsam, dass mein sozialer Vater nun doch nicht mein Vater ist, sondern ein ganz fremder Mann, den ich kaum kenne. Ich bin nun auch auf der Suche nach meinem richtigen Vater. Bei unserem letzten Kontakt vor 17 Jahren wollte er diesen Test, den ich ihm verwehrte und nun möchte ich diesen Test unbedingt machen und bin mir nicht sicher, ob mir meine Eltern seinen Namen verraten werden, damit ich ihn finden kann. Ich finde es schlimm, als Kind und Jugendliche so angelogen worden zu sein, vor allem von meinem sozialen Vater! Meine Mutter hat immer die Wahrheit gesagt und mein sozialer Vater stritt immer alles ab. Heute ist mir schmerzlich bewusst, dass meine Mutter Recht hatte und ich all die Treffen mit meinem richtigen Vater verdrängt habe, um mit dem ganzen besser klar zu kommen. Ich empfinde diese Gefühle als total komisch und schmerzhaft. Ich wurde über Jahre hinweg so massiv angelogen, für dumm verkauft…ich brauche unbedingt für mich die Klarheit, wer mein Vater ist. Zum Glück bin ich ihm schon öfters begegnet und ich kann nur hoffen, dass er mich versteht, dass ich mich nicht mehr an ihn erinnern konnte. Ich musste als Kind so viele Traumatas ertragen und ich hatte geglaubt Jahre lang zu wissen wer mein Vater ist und auf ein mal sollte es ein anderer sein. Es fühlte sich einfach total komisch an und belastete mich sehr, so dass ich es verdrängte. Doch heute, muss ich es anschauen und meine Abstammung abklären. Es ist so unendlich wichtig, als Kind zu wissen woher man kommt..es ist so traurig und unfassbar, wie Elternteile so dermaßen lügen können auf Kosten des Kindes, nur um sich zu schützen, oder der Wahrheit nicht ins Auge blicken zu müssen. Ich hoffe so sehr, dass mein richtiger Vater mich noch nicht aufgegeben hat, auch wenn ich all seine Treffen vergessen hatte..es war nicht weil er etwas falsch machte, sondern weil ich in meinem Muster der Verdrängung lebte, um weiter leben zu können, und aus diesem Grund konnte ich mich keider nicht mehr an ihn erinnern. Aber nun sind alle Erinnerungen wieder da und ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich einen anderen Vater haben könnte..Vielleicht liest er ja diese Zeilen, man weiß ja nie. Meine Begegnungen mit ihm waren für mich immer sehr angenehm, wenn ich auch verwirrt war..ich bereue es total, dass ich den Kontakt vor 17 Jahren abgebrochen habe!!!

  4. charlotte schreibt:

    liebe bea willkommen hier.. wie du schon sagst das von der seele schreiben hilft ungemein. das ziehst sich wie ein roter Faden durch unser Leben.. Wir sind die bösen unfolgsamen Kinder.. undankbare Geschöpfe ,,Meine Mutter: Was ich durch dich leiden mussten.. Was mir alles angetan wurde.. nur durch dich.. Ich kennen diese Aussagen und dieses Verhalten zur genüge… man will uns schlechtes Gewissen machen.. nur weil wir leben.. aber das ist nicht unere Schuld… die anderen waren es… und wir bezahlen die Rechnung für Ihre Fehler… mein gott ich bin kein Mensch der unfehlbar ist.. das würd ich nie von mir behaupten.. ,, ich habe meine Ecken und Kanten meine Launen.. etc etc ich mache Fehler ich bereue Sie so ist es.. aber ich steh dazu.. ich verurteile niemanden wegen eines Fehlers.. aber bitte zu dem Fehler stehen.. sagen ja ich habe es gemacht es war Mist aber Tatsache ist es.. wer ist schon unfehlbar.. wir kennen alle die Lage nicht in der unsere Erzeuger waren.. aber hört mit dem Lügen auf… das tut am meisten Weh.. und das Geheimnis das um uns gemacht wurde und noch immer wird.. ich hasse es… ich will die Wahrheit..
    Liebe Bea auch ich weiss nicht wer mein Erzeuger ist.. meine Geschichte kannst du auch hier lesen…. sei uns willkommen.. lg charlotte

  5. Marta Pandora schreibt:

    Liebe Bea
    sei Willkommen hier bei den Kuckuckskindern- und Vätern, danke für Deinen Mut, Deine Geschichte hier öffentlich zu schreiben. Ich finde es so wichtig, dass die Betroffenen sich outen, viel zu oft wurde uns ein schlechtes Gewissen eingeprägt, wir sind die bösen, so was macht man nicht…Du kennst es bestimmt. Was Dir widerfahren ist, tut mir unendlich leid. Ich weiss wovon ich spreche. Nun, Du bist nicht allein, wir, sei es die K-Kinder, oder die K-Väter sind für einander da, auch Außerhalb dieses Blogs. Deine Geschichte zeigt mal wieder das sich an der Gesetzeslage dringend etwas ändern muss, denn immer noch heisst es:
    Vater eines Kindes ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet war….so ein Unfug! Ich wünsche Dir viel Kraft und Glück, dass Du Deinen „Vater“ noch ausfindig machen kannst, denn nichts ist wichtiger, als zu wissen, woher komme ich, wo sind meine Wurzeln.
    Lieben Gruß
    Marta

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