Kuckuckskind aus der Befruchtungsklinik – wurde im Labor der Samen vertauscht?


‚Der Falsche Vater‘ – darüber berichtet DER SPIEGEL vom 2.7.2012 in einem sehr speziellen und neuartigen Fall:
Das (eigentlich) renommierte Zentrum für Reproduktionsmedizin (Deutsche Klinik) in Bad Münder erfüllte einem Ehepaar aus Westfalen dessen Kinderwunsch. Dabei wurden dem Ehemann Spermatozoen aus dem Hoden (bei Vollnarkose) entnommen und seine Frau wurde künstlich besamt. (Rund 80.000 solcher In-vitro-Fertilisationen gibt es jedes Jahr in Deutschland, wobei nicht jeder Versuch zur Schwangerschaft führt.) Als der Vater ‚zufällig‘ die Blutgruppen der drei verglich, stellte er fest, dass

er nicht der leibliche Vater sein kann, was durch einen weiteren Test bestätigt wurde. Die Klinik schließt jede mögliche Verwechslung aus und deren Anwalt geht so weit, ein Fremdgehen der Mutter zu unterstellen, was durch ein Gutachten allerdings ausgeschlossen wurde. Die Versicherung weigert sich trotz dieses Gutachtens zu zahlen – und ein Mediator konnte bisher auch nicht helfen.
Die Rechtslage ist äußerst schwierig, da eine Vertauschung von Samen in der Reproduktionsmedizin juristisches Neuland ist.
Der vermeintliche Vater fühlt sich ‚wie betäubt‘ und hat unter den Anspielungen von Bekannten über das Aussehen des Sohnes zu leiden, der so gar nichts von seinem Vater habe.
Fazit: Ein weiteres tragisches Beispiel für den Kuckucksfaktor, aber gut, dass sich die Familie nicht mit Geld hat abspeisen lassen und diesen Fall öffentlich gemacht hat.

Hier geht es zu einem Artikel der Deister- und Weserzeitung darüber

Im Spiegel wurde ebenfalls über den Fall berichtet. Zum Spiegel-Artikel geht es hier.

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Über Marcus Spicker

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6 Antworten zu Kuckuckskind aus der Befruchtungsklinik – wurde im Labor der Samen vertauscht?

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  3. Markus Wegmann schreibt:

    Erschreckend ist doch wie die Klinik vorgeht. Der Fall ist doch eindeutig, die Klinik hat geschlampt und hier wird was vertuscht. Das bisher nichts geholfen hat ist doch klahr, wenn jemand nicht zu dem Fehler stehen will, dem man gemacht hat. Das Problem was man hier hat ist das man den Mensch nicht einfach als Ware betrachten will, dabei ist es doch genau das. Die Firma wurde beauftragt aus zwei Komponenten (Samen und Ei) eine herzustellen (Fötus). Wenn die Ware nicht korrekt geliefert wird, besteht ganz klahr ein Fehler der Firma. Nur weil es hier um einen Mensch geht und die ganzen seelischen Verwirklungen dabei sind, gibt dem ganzen noch eine emotionalere Komponente. Wenn man dann noch bedenkt, das solch eine Schlamperei die Firma wohl aus dem Geschäft drängen würde (wer soll so jemanden noch Vertrauen). Wird wohl alles hinausgezögert um eine bindende Aussage zum Fall zu verhindern. Egal was noch pasieren wird, für mich ist das Vertrauen jedenfalls arg beschädiget und man muss sich wirklich fragen, ob man überhaupt noch jemanden trauen kann.

  4. Frank Oldenburg schreibt:

    Kann da nicht das BGB greifen?

    • Marcus Spicker schreibt:

      An welchen Paragraphen denken Sie dabei? Dank §1592 Nr.1 BGB ist die rechtliche Vaterschaft ja schon mal „gesichert“. Die Frage, die sich auf jeden Fall stellt, ist die, auf wessen Seite überhaupt die Beweislast liegt…

  5. Hanns K. Rebell schreibt:

    In anderen Ländern, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Hautfarben leben, fallen Verwechslungen eben eher auf. So ist z. B. in Grossbrittannien das Vieraugenprinzip bei IVF vorgeschrieben, oder aber sog. Witness Systeme. Andere europäische Länder folgen. Nur Deutschland pennt da wieder. Ich behaupte, es passieren/passierten zig Verwechslungen. Nur bei gleicher ethnischer Herkunft fällt es eben weniger auf. Hier in dem vorgestellten Fall hat eben KommissarZufall geholfen.

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