Falls Ihr Sohn mir immer ähnlicher sehen sollte … – Tragikomödie um eine doppelte Kuckucksvaterschaft – Teil 4 – von Jens Ladenburger


Serientitel

Tragikomödie um eine doppelte Kuckucksvaterschaft von Jens Ladenburger

Acht weitere Jahre als chancenloser Vater und mit Unterbrechungen Junggeselle wider Willen vergehen. 1998 lerne ich meine wunderbare – und auch was die derzeitigen Turbulenzen betrifft – bewundernswerte Ehefrau – die ich 2001 heirate – kennen. Ihr damals knapp 13jähriger Sohn und ich sind von Beginn an enge Freunde.

Sein leiblicher Vater kümmert sich nicht um ihn, der Kontakt ist nach einem vom Alten provozierten Streit inzwischen völlig abgebrochen.

Der junge, bald 27jährige Mann, nennen wir ihn Ulrich, ist heute diplomierter Naturwissenschaftler und Universitätsdoktorand: Einen besseren Sohn kann sich keiner wünschen – eine gewisse Wiedergutmachung des ansonsten beutelnden Schicksals. Narben bleiben dennoch bei ihm. Keiner findet sich leichten Herzens mit einer gescheiterten Vater-Sohn-Beziehung ab. Kein ‚sozialer Vater’ kann diese ausreichend ersetzen und sei er noch so liebevoll und großzügig.

2008 folgt von mir eine wiederholte ‚Kuckucks-Offenbarung‘ anlässlich der Silbernen Hochzeit des Traumpaars Andrea und Hans-Jochen in Form einer Postkarte aus einer der schwäbischen Metropolen mit mehreren eindeutigen Anspielungen: „Falls Ihr Sohn mir immer ähnlicher sehen sollte…“ Laut Aussage vor Gericht will Hans-Jochen sie nie gelesen haben. Hat etwa seine ‚fürsorgliche’ Ehefrau sie abgefangen?

Der Tragikomödie dritter und nur vorerst letzter Teil folgt im Juli 2011. Auf unserer Sonnenterrasse erreicht mich eine mysteriöse E-Mail. Ein junger Mann namens Tim S. habe mit Begeisterung einige meiner Internettexte gelesen und bittet aus ‚Seelenverwandtschaft‘ um ein Treffen, lädt mich gar zu sich in seine Wohnung ein, mit Flachbildschirm und Blick auf den Kirchturm. Ich erschrecke, erinnere mich sofort, schreibe irritiert zurück. Tags darauf  bestätigt Andrea meine Vermutungen: Ihr Mann sei laut Vaterschaftstest nicht der leibliche Vater seines Sohnes, also ein fast drei Jahrzehnte lang irregeführter Kuckucksvater; die Familie stehe auf dem Spiel. Sie bittet mich in vertraulich-einschmeichelndem Tonfall und garantiert hinter dem Rücken ihres Mannes, um ein ‚Vieraugengespräch‘ – woraufhin meine Frau ihr einen gesalzenen Brandbrief schreibt, in dem sie ihr den Spiegel vorhält.

Eine gute Woche später treffe ich mich erstmals nach 1990 mit Tim, meinem mutmaßlichen Sohn: Er, klein und zudem füllig wie ich es auch mal war, aber seit Jahren nicht mehr bin, bringt seine hochgewachsene und schlanke (Halb)Schwester mit, ich komme mit meiner Frau. Alle folgenden Treffen mit Tim, ob bei uns zuhause, wo er erstmals in seinem Leben mit gutem Appetit Rindsrouladen isst, oder in seiner Stadt, wo wir ‚Oberbürgermeisters Linsen‘ mit Saitenwürsten und Spätzle verzehren, verlaufen freundschaftlich, ohne jedoch die Schlüsselfrage beantworten zu können: Bin ich wirklich der leibliche Vater? Einerseits gibt es gewisse Parallelen, Linkshändigkeit, Diabetes bei ihm freilich schon in jungen Jahren, Vorlieben für bestimmte Speisen und Getränke, andererseits große Unterschiede, wie Ehrgeiz, Schulabschluss und Berufstätigkeit, Bildung und soziale Stellung.

Ein soziales Gefälle ist freilich kein Gegenbeweis, das gibt es auch in Normalfamilien. Seltener jedoch, dass der Vater Lehrerbeamter und der Sohn Hilfsarbeiter ist – erfreulicherweise ist das eher umgekehrt der Fall. Klarheit kann nur ein weiterer, nunmehr auch mich betreffender Vaterschaftstest erbringen, den er fordern wird und dem ich mich nicht entziehen werde.

Zunächst geht es am 23.02. im nahegelegenen Amtsgericht einer größeren Stadt im Beisein meiner Frau, der gesamten Familie S. und ihrer gemeinsamen Anwältin nur um meine Zeugenaussage der besonderen Art zu bekunden. Die Fragestellung: Könnte ich damals, im Frühjahr 1983, Tim gezeugt haben?

Rechnen wir etwa 10 Monate von der Zeugung bis zur Geburt – ab der Trennung der mutmaßlichen Eltern Mitte Mai – so kommen wir auf Mitte März – und Tim ist am 05.03.83 geboren.

Es ist sehr knapp, aber gerade noch möglich, dass ich der leibliche Vater bin. Mutmaßlich hat Andrea noch während unserer Zeit von ihrer Schwangerschaft gewusst und sie mir verschwiegen, um sich problemlos trennen zu können: Hans-Jochen sei der Vater, hat sie ihm lange weisgemacht, aber wohl auf Dauer vergeblich. Das Abstammungsgutachten in 2011 könnte von ihm ausgegangen sein, nicht wie von Tim behauptet von ihm selbst. Ihr bewusstes Handeln ist nachgerade als kriminell einzustufen, mein Verhalten immer noch als verantwortungsethisch fragwürdig und jenes von Hans-Jochen als leichtgläubig, angesichts seiner ebenfalls akademischen Ausbildung und gehobenen Berufstätigkeit, sowie eines Größenunterschieds von anderthalb Köpfen und drastisch divergierenden Bauchumfängen.

Ich räume diese Möglichkeiten gegenüber dem Richter ein, bestehe jedoch darauf, dass der Kuckucksvater die Wahrheit seit Jahr(zehnt)en weiß oder doch zumindest wissen könnte, selbst wenn seine Frau ein erbärmliches Versteckspiel versucht hat.

Seit der Vorladung vors Amtsgericht leidet die Beziehung zu Tim. Wir haben den Eindruck, als ob es auch ihm  primär ums Geld geht.

Der Kuckucksvater könnte die Ehe annullieren lassen; denn diese ist damals unter für ihn und objektiv falschen Voraussetzungen geschlossen worden.

Ich habe zu Beginn versprochen, dass es hier viel zu heulen, aber auch etwas zu lachen gibt. Während der Verhandlung fragt mich die  sichtbar um Jahrzehnte gealterte Mutter Tims doch glatt, weshalb ich mich all die Jahre nicht um ihn gekümmert hätte …

Der Fall bleibt spannend. Fortsetzung folgt.

Hier geht es zum Anfang der Geschichte: Schuldig – Tragikomödie um eine doppelte Kuckucksvaterschaft – Teil 1 – von Jens Ladenburger

Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe gefunden hatte, habe ich dieses Blog gegründet. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder und Kuckucksväter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Gesellschaft über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither sind sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern entstanden. Der Austausch mit ihnen hat mir geholfen, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Geschichten abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Falls Ihr Sohn mir immer ähnlicher sehen sollte … – Tragikomödie um eine doppelte Kuckucksvaterschaft – Teil 4 – von Jens Ladenburger

  1. Manfred W. schreibt:

    Diese Lebensgeschichten wollen die Apologeten der Flickwerkfamilie als Standard durchsetzen. Wenn ihnen das gelingt, dann Prost Mahlzeit. Dann wird man sich noch weniger als heute schon dagegen wehren können, weil man dann kaltlächelnd auf die „geltende Rechtslage“ verwiesen wird, wo Abstammung und anderes „Gedöns“ keine Rolle mehr spielen wird.

    Meine Prognose: Sorgerecht werden langfristig nur noch die Mütter bekommen, alle werden vom Staat alimentiert und die Gesamtheit der Männer wird mit einer Sondersteuer belegt, um das zu finanzieren. Dann kann sich kein Mann mehr rauswinden, Vaterschaftsfeststellung hin oder her, dann werden alle zu Zahleseln gemacht und die Frauen werden durch die staatlichen Transferzahlungen von den Männern vollständig abgekoppelt sein.

  2. Piepmatz schreibt:

    Deine Geschichte ist in der Tat zum lachen und zum heulen…aber schön geschrieben!
    Fragte Dich die Mutter:Warum hast Du Dich nicht Jahrzehnte gekümmert !!!!!
    Kenn ich…
    Sagte mir mein beurkundener Vater:Jetzt weißt Du ja warum alle so gemein zu Dir Jahrzehnte waren!!!!Als ich einen DNA-Test forderte aufgrund des merkwürdigen Verhaltens Aller…

    Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung von Dir…obwohl ich es Euch und mir gerne im Leben erspart hätte,solch Lügengetüddel und das nicht reden und feststellen lassen!

    Lach…ohh ich hab das Gleiche gedacht…
    „Der Kuckucksvater könnte die Ehe annullieren lassen; denn diese ist damals unter für ihn und objektiv falschen Voraussetzungen geschlossen worden“

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s