Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand – Teil 5 von 5 – Yelka Schmidt


Analyse vom Kuckuckskind Yelka Schmidt

Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand

In einer für Frauen und Männer gleichrangigen Gesellschaftsstruktur ist die Mutter bei sämtlichen Verfahren im Bezug auf die Vaterschaftsanfechtung bzw. -feststellung nur Beteiligte. Beim Verfahren zum Unterhaltsregress ist sie noch nicht einmal teilhaftig. Die Verfahren werden auch lediglich beim Familiengericht geführt. Dabei gibt es im Strafgesetzbuch den Begriff der „Personenstandsfälschung“. § 169, StG:

„(1) Wer ein Kind unterschiebt oder den Personenstand eines anderen gegenüber einer zur Führung von Personenstandsregistern oder zur Feststellung des Personenstands zuständigen Behörde falsch angibt oder unterdrückt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.“ (§ 169, StG)

Nicht nur der Personenstand des Scheinvaters, sondern auch des so genannten Kuckuckskindes wird gefälscht. Der Scheinvater, der die Vaterschaft bisher auf den zuständigen Behörden angibt, handelt nach bestem Wissen und Gewissen, da er der Mutter des Kindes vertraut. Der Personenstand des Kindes wird mit Angabe der Herkunft durch den falschen Vater automatisch gefälscht. Die Angabe zum Personenstand der Beteiligten durch die Mutter bleibt trotz Straftatbestand unbeachtet. Man beruft sich auf die Zuständigkeit des Familiengerichts in Sachen der Vaterschaftsfeststellung. Das Strafgericht müsste zusätzlich durch ein separates Verfahren eingeschaltet werden.

Schaut man sich dann den Artikel 6, Absatz 4 unseres Grundgesetzes an, wird die Schieflage unserer aktuellen Gesetzeslage im Vergleich zur Wahrnehmung unserer gleichberechtigten Gesellschaft deutlich:

„…(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.“ (Art. 6, Abs. 4, GG)

Wie könnte eine gesetzliche Grundlage, auf der Basis heutiger Gesellschafts- und Partnerschaftsstrukturen, im Bereich der Vaterschaftsanerkennung zum Schutz vor so genannten Kuckuckskindern aussehen?

Ein Versuch der Zusammenfassung:

–          „Vater eines Kindes ist der Mann,

  1. der es gezeugt hat,
  2. dessen Vaterschaft durch ein genetisches Abstammungsgutachten, welches nach Anerkennung wissenschaftlicher Grundsätze innerhalb der ersten 10 Tage nach Geburt des Kindes eingeholt wurde, festgestellt wird.“

–          DNA-Datenspeicherung entfällt. Das Ergebnis des Abstammungsgutachtens wird allen Beteiligten schriftlich mitgeteilt.

–          „Anfechtungsfrist“ streichen. Alle Beteiligten müssen zu jeder Zeit und fristlos die Möglichkeit zur Anfechtung der Vaterschaft haben.

–          Auskunftspflicht der Mutter bei Nichtbestehen einer Vaterschaft gesetzlich einführen.

–          Recht auf Vermögensausgleich bei Berechnung des Unterhaltsregresses.

–          Straftatbestand der „Personenstandsfälschung“ konsequent und automatisch, neben den Verfahren am Familiengericht, verfolgen.

–          „…Jede Mutter, jeder Vater und jedes Kind hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.“

Yelka Schmidt 2012

Quellen:
www.debeka.de
www.dejure.org
www.destatis.de
www.focus.de/panorama/boulevard/gesellschaft-k-o-durch-scheidung_aid_149535.html
www.planet-wissen.de/kultur_medien/liebe/liebeslust/beziehungsbiografie.jsp
 

Zu den anderen Teilen geht es hier:

Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand – Teil 1 von 5 –
Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand – Teil 2 von 5 –
Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand – Teil 3 von 5
Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand – Teil 4 von 5 –

Über Yelka Schmidt

Geboren im Mai 1981, seit März 2011 weiß ich, dass ich ein Kuckuckskind bin. Ich will kein Tabu sein. Ich lebe. Ich lache. Ich liebe. Ich spreche. Über mich. Über Dich? Miteinander? Das würde mich freuen. Ich schreibe. Meistens drauf los. Das befreit mich. Das hilft mir Aktuelles oder Vergangenes zu begreifen und vielleicht auch zu verarbeiten.
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4 Antworten zu Gesellschaftliche Weiterentwicklung und gesetzlicher Stillstand – Teil 5 von 5 – Yelka Schmidt

  1. Miko schreibt:

    Hallo Yelka Schmidt,

    habe vor 7 Tagen erfahren , dass ich ein Kuckucksvater bin.

    Nun moechte ich ein Buch schreiben wo ich verschiedende Sichtweisen auffuehre .

    Hast Du Lust an diesem Projekt mitzumachen .

    Gruss Miko

  2. Yelka Schmidt schreibt:

    Danke, für diesen tollen Artikel im Artikel, Marta!

  3. Bernd Plechatsch schreibt:

    Sehr gut und hilfreich.
    Danke Yelka und Marta.

    Noch müssen wir uns mit diesen Gegebenheiten auseinandersetzen, mit guten Rechtsanwälten und dem Wohlwollen der Richter ausgeliefert.
    Es wird Zeit, dass sich hier bald was ändert !
    LG Bernd

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