Die will dich wiederhaben! – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 6 der Geschichte von Gerd Tillmann


Erlebniserzählung eines Scheinvaters,

Vom Vater zum Scheinvater – von Gerd Tillmann

Zum Zeitpunkt der Trennung glaubte ich drei Kinder zu haben. Zunächst Andrea, dann kam im Januar 1997 ein Mädchen hinzu, im März 1999 noch ein Junge. Wir waren also komplett.

Nach der Trennung kamen die Kinder gern und begeistert zu mir. Im Oktober 2007 konnte ich eine Wohnung im Mietshaus meiner Eltern beziehen. 80 Quadratmeter unterm Dach in der dritten Etage. Mitten in der Stadt mit 30.000 Einwohnern. Die Wohnung musste möbliert und eingerichtet werden. Wo es möglich war, habe ich sie mit eingespannt. Möbel aufbauen, mich in Geschmacksfragen beraten, mir zwei Meerschweinchen unterjubeln, damit ich nicht so einsam bin. Für die Kids war es ein großes Abenteuer. Außerdem lernten sie ihre Familie väterlicherseits endlich richtig kennen. Es war immer viel los bei uns.

Für mich war die Sache eher teuer. Jedes zweites Wochenende 125 Kilometer hin, Kids abholen, 125 km zurück. Im Monat also 1000 Kilometer Fahrt. Ich machte es ohne zu Murren. Auf einer dieser Fahrten sagte meine mittlere Tochter zu mir: „Papa, ich will dass du nicht mehr einsam bist. Du brauchst eine Freundin!“. Ich war gerührt.

Dann lernte ich im Dezember eine Frau kennen, mit der ich eine Beziehung begann. Auch sie hatte drei Kinder im nahezu exakt gleichen Alter wie die meinen. Dazu noch einen Hund und zwei Pferde. Meine Kids waren begeistert! Noch gab es auch keine Probleme mit den Besuchsterminen und deren Absprache. Nein, das stimmt dann doch nicht so richtig. Erste Probleme gab es doch schon, die wurden dann aber mehr oder weniger einvernehmlich gelöst.

Diese Beziehung erwies sich jedoch als nicht allzu tragfähig. Wir beide hatten noch zu viele Altlasten, viel passte auch nicht zusammen zwischen uns. Außerdem bahnte sich bei mir etwas Neues an. Ende März 2008 trennten wir uns wieder.

Weihnachten feierte ich mit dem Kindern in Paris bei meiner Tante. Es war richtig toll für alle. Silvester feierten die Kinder bei ihrer Mutter. Alles wie im Vorfeld abgesprochen. Im nächsten Jahr sollte es umgekehrt gehandhabt werden.

Dann ging es schnell weiter. Anfang Januar 2008 lernte ich Eva kennen. Im April aber wurde es ernst. Auch Eva hat zwei Töchter im gleichen Alter wie die Mädels. Die Kinder verstanden sich auf Anhieb untereinander. Die Treffen fanden in der Regel bei mir statt.

Im August 2008 gab es dann eine Schlüsselszene. Die Kinder waren drei Wochen bei mir gewesen. Der August ist außerdem mein Geburtsmonat. Ich hatte mit Ute darüber gesprochen, dass auch sie mal Fahrten übernehmen sollte. Sie willigte ein, ab und zu die Kids abzuholen, wenn sie denn mal bei ihren Eltern sei. Diese leben leidlich nahe an meinem Heimatort. Ute holte also an diesem Sonntagabend die Kids ab. Es war warm und sie kam mit dem Opel Kadett Cabrio, den wir uns 1993 zugelegt hatten. Offenes Dach und eine sehr offen gekleidete Frau! Gestylt wie eine 20-jährige und sie trug das Kettchen, welches ich ihr schon vor unserer Hochzeit geschenkt hatte. Ein kleines Kätzchen. Insgesamt sah sie sehr nuttig aus. Dazu überreichte sie mir noch eine Flasche Wein als Geschenk. Zusätzlich zu ein paar Dingen, von denen sie glaubte, dass ich sie gern wieder hätte. Es war jedoch nur Schnickschnack, der gleich in der Tonne landete. Die Sache hatte für Ute jedoch einen Haken. Eva war bei mir und ich ließ/wir ließen keinen Zweifel daran, zu wem ich gehörte. Sie blieb jedoch katzenfreundlich.

Eva meinte anschließend sofort: „Die will dich wiederhaben!“ Ich Stoffel hatte dies gar nicht so wahrgenommen, hatte ich doch nur Augen für Eine! Mir wäre niemals in den Sinn gekommen, zu Ute zurückzukehren bzw. auch nur einen Versuch in diese Richtung zu starten.

Das Verhältnis wurde nun schlagartig kühler. Die Kinder kamen nun nur noch ein bis zweimal im Monat. Dies war mir auch recht, da ich nicht wollte, dass es gezwungene, turnusmäßige Treffen geben sollte. Es wäre nicht dienlich gewesen, wenn ich Kinder bei mir gehabt hätte, die eigentlich beim Reiten oder auf dem Sportplatz sein wollten. Erste abgemachte Termine wurden kurzfristig seitens der Mutter abgesagt. Noch nichts dramatisches, aber bemerkenswert.

In den Herbstferien 2008 waren die Kinder 10 Tage bei uns. Der Versuch eines schönen Ausfluges in den Zoo endete in einem Desaster. Andrea saß bereits nach einer halben Stunde auf einem Stein und ließ sich nicht mehr beruhigen. Während Eva und die anderen Kinder im Zoo blieben, versuchte ich mit Andrea im Auto ein Gespräch zu führen. Dies war leider erfolglos. Sie weinte nur. Später am Abend gelang es Eva, zu ihr durchzudringen und unter Tränen sagte sie, ihre Mutter hätte versprochen, dass ich wieder nach Hause zurückkommen würde. Aber jetzt wäre Eva ja da und somit bestünde darauf keine Aussicht mehr. Dies war der Beginn einer Reihe von unerfreulichen Wochenenden, die noch kommen sollten. Ute torpedierte von nun an sämtliche Wochenenden und machte uns häufig in letzter Sekunde einen Strich durch die Rechnung.

Das Jahr 2008 neigte sich dem Ende zu. In einem Brief an Ute schlug ich ihr die letzten Besuchstermine des Jahres vor. Darunter natürlich auch Weihnachten und Silvester, so wie im letzten Jahr abgesprochen. Zwei Tage vor Weihnachten kam dann eine Mail, in der es hieß, die Kinder wollten Weihnachten zuhause verbringen und Silvester mit Freunden feiern. Wir waren gebügelt, denn wir hatten uns auf ein schönes Weihnachtsfest in Evas neuer Wohnung zusammen mit ihren beiden Mädels gefreut. Von meinen Kindern kam leider gar nichts. Im Telefonat wurde mir nur ausweichend und wortkarg geantwortet. Weihnachten wurde dann auf die erste Januarwoche verschoben. Wir schluckten diese Kröte und hofften auf das nächste Jahr.

Der Zustand der Kinder verschlechterte sich mit jedem Treffen. Sie kamen mit großen Löchern in Strümpfen und Hosen, ihr Benehmen uns gegenüber wurde immer schlechter. Waschutensilien waren unvollständig, Kleidung verdreckt.

Ich hatte die Frechheit besessen von Ute zu fordern, dass die Kinder mit dem Zug zu mir kommen sollten. Sie solle die Hinfahrt, ich die Rückfahrt bezahlen. Eine Bahncard25 für alle drei wurde von mir bestellt und bezahlt. Vom Wohnort der Kinder liegt der nächste akzeptable Bahnhof mit direkter, das bedeutet durchgängiger Verbindung ohne Umsteigen zu mir 30 km entfernt, bei mir bzw. bei Eva ist es vergleichbar. Somit würde keiner benachteiligt. Aber was für ein Aufschrei! Kinder in der Bahn, was da alles passieren kann! Kinder im Alter von 10, 12 und 14 Jahren kann man doch nicht …. Nein, das geht ja gar nicht!

Die stattfindenden Treffen wurden schwieriger. Insbesondere Andrea stand Eva nun offen feindselig gegenüber. Im Februar 2009 eskalierte ein Treffen, woraufhin ich sie beim nächsten Male nicht mehr einlud. Es sollte eine einmalige Maßnahme sein, damit sie ihr Verhalten mal überdenken könnte. Ich sah sie dann noch ein letztes Mal im August.

Anlässlich unseres Weihnachtstreffens überlegten wir, den Kleinen in den Osterferien (13.04. bis 18.04.2009) mit in den Skiurlaub zu nehmen. Er hatte mir gegenüber und auch Ute gegenüber geäußert, gern bei mir wohnen zu wollen. Also zu mir zu ziehen. Ich war zunächst begeistert, Eva eher skeptisch. Der gemeinsame Urlaub erschien uns eine gute Möglichkeit, die Belastbarkeit dieses Wunsches zu testen. Zusammen sollten wir beide einen Skikurs machen. Beiden haben wir noch nie auf den Brettern gestanden. Für ihn mit seinen beinahe 10 Jahren kein Problem, aber für mich mit meinen nun 47 Lenzen…. Ob das gutgehen würde?

Dies war der Cut!

Es gab dann noch ein Treffen der dritten Art. Es war Kinderwochenende. Nur mein Sohn kam, da beide Töchter anderweitig beschäftigt waren. Das war mir auch recht, da wir mit ihm in den nächsten Wochen in den Urlaub fahren wollten. Gegenseitige, ungestörte Annäherung war unser Ziel. Auf dem Autobahnpark­platz trafen dann Eva und Ute aufeinander. Eva wollte Ute mitteilen, was mein Sohn in den Urlaub mitnehmen solle. Ich habe selten ein derart hasserfülltes Gesicht gesehen. Wie die beiden sich gegenüberstanden, das hatte seitens Ute schon Showdown Charakter. Eva war danach völlig durch den Wind. So etwas hatte sie noch nicht erlebt!

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Erlebniserzählung eines Scheinvaters,

Vom Vater zum Scheinvater – von Gerd Tillmann

Fortsetzung : Wie hat das alles so kommen können? – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 7 der Geschichte von Gerd Tillmann

Hier geht es zum Anfang der Geschichte: Wie alles begann – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 1 der Geschichte von Gerd Tillmann*

Alle Folgen der Serie:Vom Vater zum Scheinvater

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Eine Antwort zu Die will dich wiederhaben! – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 6 der Geschichte von Gerd Tillmann

  1. Manfred W. schreibt:

    Ich kann mir das Verhalten der Frauen nur so erklären, dass sie Männer als ihren Besitz ansehen, den sie nach Lust und Laune umherschubsen können. Der Mann als persönlicher Arbeitssklave. Und die Allmacht der Mütter über die Kinder wird auch deutlich.
    Männer müssen gutmütige Trottel sein, sonst wäre Frauenhass stärker verbreitet.
    Die Männerverachtung, mit der viele Frauen Väter behandeln, dürfte nicht so hingenommen werden. Aber die Väter werden erpresst: „Sonst siehst Du die Kinder nie wieder …“

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