Es gibt so viele Kuckuckskinder, also worüber regen sie sich auf? – Stiefmutter Doris berichtet


Ich lernte meinen Mann Luis* vor ungefähr 10 Jahren kennen. Da wir beide eine traurige Beziehung hinter uns hatten, beschlossen wir weder meinen Kindern noch seiner Tochter etwas zu erzählen bis wir uns sicher waren, dass wir für immer zusammenbleiben wollten.

Das merkwürdige Verhalten seiner Exfrau Astrid begann schon damals. Die Wochenenden, die wir uns endlich freischaufeln konnten, haben wir natürlich beide genossen. Leider konnten wir

ab 23.00 Uhr damit rechnen, dass das Telefon Sturm klingelte. Damals habe ich nur „mitgehört“. „Wann nimmst du Urlaub? Ich gebe dir bekannt, dass du dein Kind nicht in dieser Woche holen kannst sondern es auf nächste Woche verschieben musst.“ Damals glaubte ich noch die Dame sei einfach überfordert und kam gar nicht auf die Idee, dass sie meinen Freund nur ärgern wollte.

Nach 4 Jahren Beziehung entschieden wir uns schließlich unsere Kinder einzubeziehen. Selbstverständlich sollte dies behutsam geschehen, ohne die Kinder vor den Kopf zu stoßen. Meine Beziehung zu seiner Tochter Leonie entwickelte sich gut. Wir haben viel gemeinsam unternommen und ich hatte einen wirklich guten “Draht“ zu ihr gefunden. Auch aus heutiger Sicht glaube ich sagen zu können, dass das Mädchen glücklich war. Und ich war sehr freudig überrascht, dass sie mir häufig um den Hals fiel und sagte: „ Ich freu mich so, dass du mit Papa zusammen bist!“

Jetzt ging allerdings der „Sorgerechtsmist“ für mich auch los, wenn wir sie abholten. Nach der Arbeit musste Mutti (seit fast 20 Jahren arbeitslos) sich erst mal die Haare fönen…Ich stand da wie eine Idiotin und habe gewartet, meist kam man dann mit großem Theater im Minirock und überschminkt mit der Tochter, weinte Krokodilstränen und mit den Worten „Ruf mich an, wenn du da bist oder wenn es dir schlecht geht“ konnten wir dann endlich nach Hause. Das weniger Tolle für Mutti war: wir verstanden uns immer besser… Es kam mein runder Geburtstag, oh hat mir davor gegraut, meine Kinder und seine Tochter…aber es ging alles gut. Leonie blieb noch länger und wir haben Mädelabend am Lagerfeuer gemacht und sie fragte mich: „Darf ich Mutti zu Dir sagen ? Ich sag ja auch zum Mann meiner Mutti „mein anderer Vati.“ Das hat mich sehr schockiert und schon mal ziemlich verwundert. Ich antwortete: „Ich kann niemals deine Mutti oder zweite Mutti sein, nenn mich einfach Stiefi (wie Stiefmutter). Wir beweisen, dass die – anders als in den Märchen – nicht immer böse sein muss! Damit zufrieden fuhr sie nach Hause, doch von da an begann der „Krieg“. Heute für mich logisch, denn gerade als Kuckucksmutter ist die Eifersucht doppelt erklärlich.

Mein lieber Luis wurde immer trauriger, denn er hörte kaum noch von seinem „Kind“, bis zu dem Augenblick der Ausbildungssuche. Das war auch ein echter Spaß. Wir wollten unbedingt, dass sie einen Ausbildungsplatz bekommt und wenn möglich auch ihr Geld, also nahm ich mir Zeit. Da ich selbstständig war, konnte ich mir das gut einteilen und begann Bewerbungen mit ihr zu schreiben. Leonie tanzte für ihr Leben gern und es war angeblich ihr größter Wunsch in einer Tanzschule zu arbeiten. Also habe ich herumtelefoniert und eine sehr bekannte Schule hat zugesagt sie zum Vortanzen einzuladen. Einen Abend vor dem Vortanzen rief „Mutti“ an und befahl uns wir sollten das absagen, „wenn wir nicht zu blöde sind !“

Dann endlich ergab sich eine Lehrstelle in der nächst größeren Stadt. Wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt, denn nun war auch noch Wohnungssuche angesagt. Natürlich wollte man diese Wohnungen gar nicht erst besichtigen und schließlich sagte mir Leonie: „Ich muss mir was in der Nähe suchen, sonst verhungert Mutti !“ Ich machte mir große Sorgen um das Mädel, ist ja nicht ganz normal, wenn eine Mutter ihrem Kind so einen Schwachsinn erzählt. Deshalb rief ich dann sogar die liebe Dame an und fragte sie, ob wir nicht alles, was zwischen ihr und Luis vorgefallen war, endlich vergessen und uns mal hinsetzen könnten, um gemeinsam zu überlegen, wie es denn mit Leonie weitergehen soll. Wie erwartet hatte sie gerade keine Zeit und wollte zurückrufen. Doch darauf warte ich bis heute.

Nun hatte es mit einer Lehrstelle in der Nähe geklappt, doch schon nach einem halben Jahr bekamen wir kommentarlos und ohne Vorwarnung eine Kopie der Kündigung. Also wieder ans Werk. Mein Verlobter bemühte sich um ein Zeugnis und nachdem man es nicht für nötig hielt, am nächsten Tag aufzustehen, um auf’s Amt zu gehen, wandte er sich verzweifelt ans Jugendamt. Dieses sicherte zu, mal „nachzusehen“. Daraufhin setzte sich mein Verlobter mit den Eltern der Kuckucksmutter in Verbindung und bat diese ein Auge darauf zu haben, damit die Lehre weiterlief.

Nun zu meinem sehr persönlichen Teil der Geschichte: Ich wurde irgendwie immer schwächer, konnte kaum noch arbeiten und mein Augenlicht verschwand auch immer mehr. Dabei lief meine kleine Firma zu dem Zeitpunkt gar nicht so schlecht bzw. waren die Weichen gestellt, aber leider ging es einfach nicht mehr. Ich lief von Arzt zu Arzt, bis mein Hausarzt mich endlich zum Augenarzt schickte. Dann ging alles sehr schnell. Diagnose Hirntumor, MRT noch am selben Tag. Als ich nach vier Wochen endlich einen Termin bekam, sagte man mir, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr operieren könne, weil der Tumor bereits zu groß sei und mir nicht mehr viel Zeit bliebe. Natürlich rief mein Verlobter dann traurig seine Tochter an. Doch von ihr kam nur: „Ich werde bald 18 und du weißt, da steht mir mehr Geld zu.“ Er versuchte ihr zu erklären, dass ich nun auch kein Geld mehr verdienen könne und meine Firma aufgeben müsse und wir ja überhaupt nicht wüssten was mit mir werden würde. Ihre Antwort: „Soll ich jetzt warten, bis da was passiert?“ Es folgten in der Zeit meiner Erkrankung unzählige Briefe, die nicht so nett waren und als es mir etwas besser ging, dachte ich, es kann nicht sein Kind sein. Da war  nichts, gar nichts von ihm. Außerdem fiel mir im Nachhinein auf, dass sie plötzlich Ihre Zahnbürste bei uns immer verschwinden ließ und auf dem Kopfkissen immer ein Handtuch lag, seitdem sie mich „Mutti“ nennen wollte.

Ich las von dem neuen Gesetz, demzufolge nun jeder einen Vaterschaftstest einfordern dürfe und habe lange überlegt, ob ich mit meinem Lebensgefährten darüber sprechen sollte. Irgendwann tat ich dies. Im ersten Moment war er sogar ein wenig sauer. Doch als dann wieder ein unverschämter Brief kam, willigte er ein sich einen Anwalt zu suchen. Es war ein langer Kampf bis wir den Test durchbekamen, vergessene Unterschriften, nicht angekommene Post usw.

Schließlich hielten wir das Testergebnis eines Tages in den Händen. Mir war richtig schlecht. Man wollte ja auch niemandem Unrecht tun. Luis sagte noch vor dem Öffnen: „Du wirst sehen, es ist mein Kind !“ Dann geschah natürlich das, was ich vermutet hatte: Er las dieses Gutachten, für mich eine gefühlte Stunde und länger. Legte es in die Ecke, ging eine Zigarette rauchen und las es wieder. Irgendwann sagte er nur apathisch: „Du hattest Recht! Sie ist nicht meine Tochter und wir haben uns gegen Kinder entschieden, weil wir beide welche haben!“ Was – nebenbei bemerkt – bei meiner Erkrankung auch ganz gut so ist.

Nach einigen Zwischenstopps, mehreren Schnüffelaktionen der Tochter und einem Schauspieltreffen zum 80. Geburtstag der Oma mit vielen gespielten Tränchen, entschloss sich mein Verlobter die Vaterschaftsklage einzureichen. Wir wunderten uns sehr lange, dass wir nichts von einem gegnerischen Anwalt hörten. Doch einen Tag vor der Verhandlung kam doch noch Post. Nun wurde behauptet, mein Partner habe es von Anfang an gewusst. Und damit nicht genug. Die Gegenseite behauptete Ungeheuerliches: Er habe seiner damaligen Freundin andere Männer beschafft, um sie zu befruchten! Aber Namen könne sie nicht nennen, nur die Männer und die Orte beschreiben. Orte, die es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab! Der Richter jedoch hatte Mitleid mit der armen Frau, die sich ein Leben lang dafür geschämt hat. Da war es halt wo anders passiert! Ich hörte draußen auf dem Gang wie sie Ihn angeschrien hat. Es war einfach furchtbar. Die Aberkennungsklage wurde also abgewiesen. Mutter und Tochter kamen tanzend aus dem Gerichtsaal. Ein mir fremder Mann umarmte die beiden mit den Worten: „Das sind meine Mädels!“ Die Kuckucksmutter schrie, damit ich es hören konnte: „Dem haben wir es wieder gezeigt!“ Was soll aus einem jungen Mädchen werden, das so etwas beigebracht bekommt?

Ich verstehe die Welt seitdem gar nicht mehr. Auch ich als Mutter zweier inzwischen erwachsener Kinder weiß, dass diese sich niemals neben mich setzen würden, wenn ich so etwas von mir dann auch noch öffentlich behaupten würde. Auch das Kuckuckskind selbst verstehe ich bis heute nicht. Sie hat nie nachgefragt, wie es wirklich war. „Ich will, dass das mein Vati bleibt,“ hatte sie vor Gericht gesagt. Woraufhin der Richter meinte: „Wenn das auf dem Papier so bleibt, ist aber der Kontakt nicht zwangsläufig mehr gegeben.“ Und Luis gab er mit auf den Weg: „Es gibt so viele Kuckuckskinder, also worüber regen sie sich auf ? Und Prostuition ist nicht strafbar, dann hat halt ihre Ex damit zum Haus beigesteuert!“ Aber wirklich nicht! Ob sie sich mit so etwas Geld erspart hat, wissen wir natürlich nicht. Die wahre Geschichte kennt nur die Kuckucksmutter.

* Namen geändert

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Über Marcus Spicker

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3 Antworten zu Es gibt so viele Kuckuckskinder, also worüber regen sie sich auf? – Stiefmutter Doris berichtet

  1. charlotte schreibt:

    also ich muss sagen ich bin immer wieder sprachlos… über diese geschichten… man denkt man lebt auf einem fremden planeten… und das mädl wird wahrscheinlich den gleichen weg , wie die mutter geben… kann ja nix anderes lernen…

  2. Omti schreibt:

    Verdammt ist das grauenhaft. Allein hier sieht man, was in diesem Land falschläuft Betrüger, Lügner und Arschlöcher werden von den Gerichten unterstützt, während die rechtschaffenen Leute gucken können wo sie bleiben.

    Toll, echt klasse. Vielleicht sollte man für solche Leute auch eine schwarze Liste anlegen, wie die Ammis sie für Falschbeschuldigerinnen haben.

  3. Manfred W. schreibt:

    Ich weiß, dass ich mich wiederhole:
    Man macht es Frauen zu einfach mit ihren Betrügereien, sie riskieren ja nichts.
    Sie lehnen sich süffisant zurück und beobachten vergnügt, wie der Kuckucksvater vor Gericht aufläuft. An die Betrügerin vergreift sich keiner, sie bleibt als Frau sakrosankt.

    „Es gibt so viele Kuckuckskinder, also worüber regen Sie sich auf?“

    Man sollte diesen selbstgerechten Richtern anlässlich von Unterhaltsverfahren sagen:
    „Es gibt sie Väter, die für ihre unehelichen Kinder – die sie sowie so nie sehen dürfen – keinen Unterhalt zahlen, also worüber regen Sie sich auf?“

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