Traurige Gewissheit – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 5 der Geschichte von Gerd Tillmann


Erlebniserzählung eines Scheinvaters,

Vom Vater zum Scheinvater – von Gerd Tillmann

Am 24.09.2009 lag der Umschlag mit dem Testergebnis vor mir. Ich traute mich kaum, ihn zu öffnen. Der Inhalt war niederschmetternd: Andrea ist nicht meine Tochter. Was sollte ich jetzt machen? Ute blockierte, ließ keine Gespräche mehr zu.

Andrea war gerade 15 Jahre alt geworden. Einen Monat zuvor hatte sie mich noch um einen Rat gefragt, weil ein Junge sie gefragt hatte, mit ihm zu gehen. Sie hatte ja gesagt und wollte nun doch einen Rückzieher machen. Wir haben geskypt und wir haben zusammen das Problem gelöst. Oder damals, als sie drei Jahre alt war und wir jeden Sonntagmorgen Zeitung kaufen und Eis essen gegangen sind.  Diese Erinnerungen und natürlich noch viel mehr kamen hoch. Meine Andrea, meine Prinzessin.

Sollte ich nun nichts weiter unternehmen? Es einfach so weiter laufen lassen? Die Lebenslüge weiter unterstützen? Wenn es nach Ute gegangen wäre, wäre es so gekommen. Nein, das konnte es nicht sein und das konnte ich auch nicht zulassen.

Am 14.10.2009 reichte ich den Antrag auf Vaterschaftsaberkennung beim Amtsgericht ein. Bei der Beweislage wurde am 08.04.2010 meine Nicht-Vaterschaft gerichtlich festgestellt. Während des Verfahrens behauptete sie, immer von meiner Vaterschaft ausgegangen zu sein. Mit wem sie Beischlaf gehabt hätte, wüsste sie nicht mehr. Leider ließ mein Anwalt sie nicht vereidigen. Vielleicht war es auch gut so. Heute hätte ich dann wahrscheinlich keine Chance mehr, die Wahrheit erneut über das Gericht zu suchen. Das BGH-Urteil vom November 2011 gab es ja noch nicht.

Etwas hat mich an der ganzen Sache doch erheblich gestört und schreckt vielleicht viele ab, eine Vaterschaftsaberkennung herbeizuführen. Man muss dabei den Antrag gegen das Kind führen. Umgangssprachlich bedeutet das, man verklagt das Kind, das man unter Umständen viele Jahre für sein eigenes hielt und dem man eigentlich noch tief verbunden ist. Ich jedenfalls musste schlucken, als der Antrag in meinen Händen lag.

Heute weiß ich, was für ein Glück im Unglück ich hatte. Ohne den Vaterschaftstest, dem Ute zugestimmt hatte, hätte ich ganz schlechte Karten gehabt. Zudem hätte sie ja nur zu behaupten brauchen, ich hätte das alles doch gewusst, von wegen Acht-Monats-Kind oder ähnliches.

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Erlebniserzählung eines Scheinvaters,

Vom Vater zum Scheinvater – von Gerd Tillmann

Fortsetzung: Die will dich wiederhaben! – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 6 der Geschichte von Gerd Tillmann

Hier geht es zum Anfang der Geschichte: Wie alles begann – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 1 der Geschichte von Gerd Tillmann*

Alle Folgen der Serie:Vom Vater zum Scheinvater

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Über Marcus Spicker

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