Wenn sie sterben, hab ich weniger zu tun! – Unser Kampf gegen die Ungerechtigkeit und den Krebs – von Claudia Paul


Claudia Paul erzählt vom gemeinsamen Leid mit dem Kuckuckskind aus erster Ehe des Mannes

Unser Kampf gegen die Ungerechtigkeit und den Krebs – von Claudia Paul

Am 25.12.2009 sah ich Jens das erste Mal. Damals besuchte er gerade seine Eltern in Sachsen–Anhalt. Er kam aus Bremerhaven, ich lebte damals noch in Dessau, Sachsen-Anhalt. Seine Eltern kannte ich schon eine Weile, als sie mich auch zu sich einluden. Jens war mir von Anfang an sympathisch, wir verstanden uns auch sehr gut, aber damals war ich noch nicht bereit mich auf mehr einzulassen, wollte keine Fernbeziehung, aber auch nicht Dessau verlassen. Damals sprach er auch immer von seinem Sohn, der noch in Halle lebte und

seine Eltern von ihrem Enkel.  Nancy*, die Kindsmutter, verwehrte ihm aber seit der Trennung den Kontakt zum Kind, außerdem wohnten sie 350 km voneinander entfernt. Damals war der kleine 7 Jahre alt.

Jens und ich suchten irgendwie weiterhin den Kontakt zueinander, was sich allerdings hauptsächlich auf SMS beschränkte. Dann, im April 2010 besuchte er erneut seine Eltern und mich. Diesmal beschlossen wir, zukünftig unser Leben miteinander zu teilen. Nach einem weiteren Besuch, stundenlangen Telefonaten und vielen Tränen beim Abschied entschloss ich mich zu ihm nach Bremerhaven zu ziehen.

Alles lief blendend, wir lösten meine Wohnung in Dessau auf und nahmen uns eine schöne 3-Raum-Wohnung in Bremerhaven zusammen, die wir uns auch gut leisten konnten. Jens hatte auch überall Fotos von seinem Kind, in der Wohnung, in der Geldbörse, in den Fotogalerien im Internet. Er stand zu dem Kleinen.

Ich begann im Internet mit einigen Leuten zu chatten, bis ich eines Tages Kontakt zu einer Ex-Freundin von Jens’ ehemals bestem Freund hatte. Sie schrieb wortwörtlich, dass sie von diesem Freund gehört habe, dass er mit Nancy auch Geschlechtsverkehr während der Empfängniszeit hatte und er auch als Kindsvater in Frage käme. Das war ein großer Schock für Jens und mich, aber mit dieser Aussage konnten wir zum Anwalt gehen. Unsere Anwältin übernahm den Fall, gab uns aber keine großen Erfolgschancen, dass das Gericht einen Vaterschaftstest (wird häufig mit einem Gentest verwechselt) veranlassen würde. Inzwischen haben alle Väter einen gesetzlichen Anspruch auf eine Vaterschaftsfeststellung. Nur mit der Vaterschaftsanfechtung ist es wegen der Zweijahresfrist ab dem ersten begründeten Zweifel heikel. Schließlich scheitern über 90% aller Vaterschaftsanfechtungsverfahren an dieser Frist, weil die Gerichte den Kuckucksmüttern glauben schenken, wenn diese behaupten, dass der Scheinvater schon immer um die mögliche Vaterschaft durch einen anderen gewußt habe.

 Zudem muss ich auch erwähnen, dass die Kindsmutter versuchte auch das 2. Kind Jens unterzujubeln. Damals waren sie aber schon getrennt und hatten nur verbalen Kontakt, wenn Jens seinen Sohn besuchte. Er unterschrieb nach der Geburt die Vaterschaftsurkunde nicht, das Jugendamt ordnete daraufhin einen Vaterschaftstest an und es stellte sich heraus, dass Jens nicht der Vater war.

Es dauerte nicht lange, da kam die anwaltliche Antwort der Gegenseite. Ein Papierkrieg begann, der sich ein Jahr hinzog, mit einer Anhörung zwischendurch. In den Briefen der Gegenseite bestätigte die Kindsmutter, dass Jens nicht der Vater sei. Und wie zu erwarten gab sie um die Verjährung der Vaterschaftsanfechtung zu erreichen an, dass er aber von Anfang an darum gewusst und das Kind angenommen habe, weil er bei Nancy bleiben wolle. Der wirkliche Vater sei wirklich sein ehemals bester Freund Andy*. Sie legte Briefe vor, mit denen der Eindruck vermittelt werden sollte, dass Jens darin gefleht habe, dass sie bei ihm bleibe. Selbstredend fehlten bei den unvollständigen Kopien die dazugehörigen Briefumschläge mit Datum. Ich hatte zum Glück Briefe von ihr bei ihm gefunden, mit Datum auf Brief, Briefumschlägen und allen Teilen, die all das widerlegten. Außerdem solle Jens damit einverstanden gewesen sein, dass sie zu Andy gehe, um mit ihm zu verkehren.  Hauptsache sie käme wieder zu ihm zurück. Hinzu kamen von ihrer Seite dubiöse Zeugen. Ihre Schwestern sagten aus,  dass sie angeblich bei einer Feier vor mehr als zwei Jahren, zu Jens gesagt hätten, dass er nicht der Vater sei. Außerdem bezeuge der biologische Vater, dass er ebenfalls vor mehr als zwei Jahren Gespräche mit Jens geführt habe, in denen er zugegeben hätte, dass er mit Nancy in der Empfängniszeit Geschlechtsverkehr gehabt habe und durchaus als Vater in Frage käme. Hinzu kam ein Zeuge aus dem Bekanntenkreis, der sich laut Aussage von Nancy ebenfalls bereits in der 2-Jahres-Frist darüber empört haben soll, dass Andy und Nancy miteinander geschlechtlichen Kontakt gehabt hätten, was Jens mitbekommen haben solle. Doch dieses Lügenkonstrukt hielt nicht lange. Dass die Schwestern für ihre Schwester sprachen, war klar, Andy zum Schutz vor weiteren Konsequenzen lügt, war auch klar, aber dieser andere Zeuge?! Jens kannte ihn tatsächlich, er war ein früherer Bekannte von ihm. Wir fanden ihn daraufhin über das Internet und nahmen wieder Kontakt mit ihm auf. Er wusste rein gar nichts und wollte auch gar nicht in die Sache hineingezogen werden. Dieser Zeuge weigerte sich auch, vor Gericht zu erscheinen und dort die von der Kuckucksmutter geforderte Falschaussage zu leisten. Wir sammelten seine Mails, leiteten sie an unsere Anwältin weiter, die sie wiederum an die Richterin und an die Anwältin der Gegenseite weiterleitete.

Obwohl wir einen Prozess führten, um einen Vaterschaftstest zu erkämpfen, pfändete das Jugendamt Halle Jens Lohn. Es fiel ihm schwer, zur Arbeit zu gehen. Er stand in der Nacht um 1 Uhr zur Arbeit auf, mitunter für ein Kind, das vielleicht nicht seines war und ihm selbst blieb nichts zum Leben!

Da ich ich selber aufgrund meiner Erkrankung nur eine geringe EU-Rente erhalte, von der wir leben müssen, begann der Schuldenberg zu wachsen.

Zu allem Übel bekam Jens in dieser Zeit auch noch eine schlimme Diagnose. Er war an Lymphdrüsenkrebs erkrankt, und das im Alter von nur 32 Jahren. Von sofort auf gleich begann für ihn die schwere Prozedur der Chemotherapie. Da Jens nun zusätzliche Auslagen für Medikamente und Krankenhaus hatte, gingen wir hier in Bremerhaven zum Amtsrat um die Pfändungsgrenze des Lohnes bzw. Krankengeldes heraufzusetzen. Wir hatten wohl einen schlechten Tag beim Amtsrat erwischt, denn obwohl wir ihm alle zusätzlichen Auslagen mit Bescheinigungen vorlegten, sah er Veranlassung, die Pfändungsgrenze anzupassen. Ich war sehr erbost über sein Verhalten und sagte: „Dann kann er ja seine Medikamente nicht mehr bezahlen und muss sterben!“ Seine Antwort zu Jens war wortwörtlich: „Wenn sie sterben, hab ich ja dann weniger zu tun!“ Daraufhin reichten wir  eine schriftliche Beschwerde bei der stellvertretenden Vorsitzenden des Gerichts ein. Es folgte zwar eine telefonische Entschuldigung des Amtsrates, die Pfändungsgrenze jedoch, blieb wie sie war. Aber Jens und ich kämpften weiter, neben der Chemotherapie auch für die Gerechtigkeit.

Im November letzten Jahres  erfolgte dann eine erneute Anhörung mit Zeugenaussage in Halle. Jens erschien mit Glatze und sichtbar von der Krankheit geschwächt, um für sein Recht zu kämpfen. Ich ihm als Stütze an seiner Seite. Die Anwaltsvertretung in Halle sagte, dass der Prozess sich noch über ein Jahr hinziehen könne, Auswertung der Zeugenaussagen, Papierkrieg etc. Ich knickte innerlich schon wieder ein, weil ich bald keine Kraft mehr hatte. Jedoch tauchte nur die Hälfte der bestellten Zeugen auf – Nancys Schwestern. Weder der angegebene Kindesvater, noch der Zeuge, den wir im Internet ausfindig gemacht hatten, erschienen.

So waren Jens und ich doch schneller mit einem Lachen wieder aus dem Verhandlungssaal heraus, als wir gedacht hatten. Er sollte den Vaterschaftstest bekommen! Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wir freuten uns dennoch. Die Kindesmutter hat angeblich aus Rücksicht auf Jens‘ Gesundheit dem Test zugestimmt. Was hätte sie auch machen sollen? Ihre Lügenschnalle hatte sich zu fest zugezogen, fehlende Zeugen etc., und ihr mußte klar werden, dass sie den Prozess ohnehin verlieren würde. Wir hatten, was wir wollten.

Einen Monat später kam die Einladung zum Vaterschaftstest beim Gesundheitsamt und am 25.01.2012 – ich werde dieses Datum nie vergessen – das Ergebnis desselben. Jens war nicht der Vater! Wenn man diese Anspannung über ein Jahr lang mit jemandem durchsteht, dann fühlt man mit und dann ist die Freude ebenso groß. Wir hatten Gänsehaut, teilten allen die erwartete Nachricht mit. Ich weiß, dass Jens zu dem Kind gestanden hätte, wenn es denn seines gewesen wäre. Was bleibt, ist Verachtung für Nancy, den wahren Kindesvater und deren Komplizen, deren Lügen uns über ein Jahr begleiteten und uns so manch schlaflose Nacht bereitet hatte.  Nach diesem Ergebnis wurde Gott sei Dank auch seiner Vaterschaftsanfechtungsklage stattgegeben. Er ist nun aus der Geburtsurkunde des Kindes ausgetragen und wir haben endlich Ruhe in unserem Leben.

Jens wird hoffentlich wieder gesund werden und hinzu können wir nun endlich einen neuen Lebensabschnitt beginnen!

* Namen geändert

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Unser Kampf gegen die Ungerechtigkeit und den Krebs – von Claudia Paul

Fortsetzung: Das Urteil

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9 Antworten zu Wenn sie sterben, hab ich weniger zu tun! – Unser Kampf gegen die Ungerechtigkeit und den Krebs – von Claudia Paul

  1. Sylvie schreibt:

    Also, ich bin der Meinung, im Zeitalter von Internet und Co könnte man gleich nach der Geburt einen verpflichtenden Vaterschaftstest anordnen, und zwar für alle Kinder, die geboren werden. Mir als Mutter eines 7jährigen Kindes, wo der biologische Vater auch der gesetzliche Vater ist, ist es ein absolutes Rätsel, wie man ohne Verhütung fremdgehen kann (da rede ich noch gar nicht von AIDS oder sonstigen Krankheiten, die ja auch an den Partner und das Kind übertragen werden könnten) und dann ein Kind in die Welt setzt, das innerlich trotzdem merkt, was los ist!

    Ich hätte auch kein Problem damit, wenn das vor Ausstellung der Geburtsurkunde gemacht würde, habe ja schließlich kein schlechtes Gewissen! Die ethische Frage, die sich aber stellt, ist, ob dann möglicherweise mehr Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, um den Familienfrieden aufrecht zu erhalten, was sicher nicht im Interesse der betroffenen Kinder ist!

    Meine Großmutter hat, wie meine Mutter 12 Jahre alt war, Selbstmord begangen. Meine Mutter hat immer gesagt, das ihre Mutter ,zugrunde‘ gegangen ist! Ich habe schon als Kind gewusst, das es Selbstmord gewesen sein muss, meine anderen Geschwister auch. Als ich ca. 30 Jahre alt war und schon selbst Mutter, habe ich einfach folgende Frage gestellt, wobei ich die Antwort schon kannte: Deine Mutter hat sich umgebracht, stimmt das? Meine Mutter hat mir dann erzählt, das sich ihre Mutter vor den Zug geworfen hat, weil der Großvater fremd gegangen ist und das ich meinem Vater bitte nichts erzählen soll, da sie das nicht möchte, woran wir uns Kinder natürlich gehalten haben! Ihr Vater und mein Großvater ist dann von der neuen Freundin vergiftet worden, als meine Mutter 17 Jahre alt war, was ihr aber nie nachgewiesen worden ist! Meine Mutter ist sich da ziemlich sicher, da der Vater monatelang über Magenschmerzen geklagt hat und dann sehr jung verstorben ist. Auch ums Erbe wurde meine Mutter und ihre 3 Geschwister gebracht, wobei es meiner Mutter nie ums Geld gegangen ist! Also mit 17 Vollwaise zu sein ist sicher nicht lustig.

    Ihre weitere Leidensgeschichte würde hier den Rahmen sprengen, aber für mich hat meine Mutter die größte Bewunderung, weil sie alles im Leben gemeistert hat!

    Mein Mann G. wird aufgrund seines biologischen Vaters von seiner Mutter so sehr gehasst, das sie ihn sogar vor Gericht mehrmals verklagt hat, obwohl er 30 Jahre ihr Sonnenschein war! Dann sind alte Erinnerungen aufgrund eines damals verbotenen Schwangerschaftsabbruches vor der Schwangerschaft mit G. hochgekommen (sie wäre beinahe verstorben durch den Abbruch und hat das tote Kind zuhause zur Welt gebracht, nach ihren Erzählungen hat sie der Kindsvater dabei völlig im Stich gelassen), dieser Hass auf den biologischen Vater hat sie nun auf den Sohn übertragen, der ja gar nix dafür kann!

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  3. Petra Scholz schreibt:

    Es ist allein eine Fassungslosigkeit von einer Amtsperson, die offern ausspricht, dass der Tod eines Menschen ihre Arbeit entlasten würde.
    Wenn bereits Amtspersonen derart oberflächlich und emotionslos reagieren, braucht man sich über so manche Gerechtigkeitslücken nicht mehr wundern.

  4. Petra Scholz schreibt:

    Es ist wirklich an der Zeit, dass über eine Gesetzesänderung nachgedacht wird, anstatt das Lügen und Betrügen weiterhin zu fördern, was sich längerfristig immer wiederspiegelt und letztlich eine Gesellschaft ausmacht. Eine solche ist dauerhaft nicht gerade lebenswert.

    Ich wünsche Jens alles erdenklich Gute, im Bezug auf seine Gesundheit !!!

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  6. charlotte schreibt:

    also zuerst freu ich mich sehr das alles gut gworden ist… ich hoffe das betrifft auch die gesundheit… meine güte… mir ist übel… das zu lesen… mir ist echt zum kotzen….
    also meiner meinung nach gehört zuerst die 2 jahresfrist aufgehoben…das ist für mich der absolute schwachsinn…. und dann vaterschaftstest gleich nach der GEburt… wenn ich als frau kein schlechtes Gewissen haben muss… dann kann ich zustimmen… anderfalls tja wenn ich verweigere dann weiss ja eh jeder was los ist…. thema kosten.. ich bin sicher das kann man auch günstiger machen.. als es heute überall angeboten wird… und geld ist da… da bin ich sicher…. da werden dem ehemaligen präsidenten… die Euro nur so nachgeschmissen.. weil er ja sooo ein netter ehrlicher mann war.. und er kann Deutschland sichen noch viel bringen.. daher braucht er auto und büro.. darf natürlich alles der Steuerzahler berappen.. eh klar… wenn ich mir überlege.. welche summen politikern nachgeworfen werden… dann frag ich mich ehrlich..?? spinn ich oder die anderen????

  7. Bernd Plechatsch schreibt:

    Ich wünsche Euch Beiden für die Zukunft alles Gute und für „Jens“ besonders Gesundheit !
    Es ist unfaßbar, was in Deutschland alles möglich ist, bzw. möglich gemacht wird. Es wird Zeit, dass sich das endlich ändert !

    Nochmals alles Gute für Euch.

    • Claudia Paul schreibt:

      Vielen lieben Dank !!! Inzwischen ist wirklich alles gut geworden. Wir bekommen das gepfändete Geld vom Jugendamt zurück und die Kuckucksmutter hat die Gerichtskosten zu tragen. Wert : 2000 Euro.

      Leider ist wirklich so alles passiert, aber letzendlich hatten wir „Glück im Unglück“

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