Was mache ich hier eigentlich noch? – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 3 der Geschichte von Gerd Tillmann


Erlebniserzählung eines Scheinvaters,

Vom Vater zum Scheinvater – von Gerd Tillmann

Im Sommer 2006 kamen mir die ersten Trennungsgedanken. Hetzerei gegen die Menschen, die mir lieb waren, offene zur Schau getragene Verachtung meiner Person vor Freunden und daraus resultierender unschönen Szenen bei Treffen mit Freunden und auf Partys (nein, auch wenn es vorher so aussah, ich ließ mir längst nicht mehr alles gefallen) wurden unerträglich. „Aber nein,“ dachte ich, „die Kinder!“ Das kann ich nicht machen. Gute Freunde besuchten mich im Herbst 2006 überraschend an einem Mittwoch- oder Freitagabend (Sport, meine Freunde wussten das) und eröffneten mir, dass sie nicht mehr zu uns kommen würden, da das Klima zwischen uns unerträglich sei. Ich sei den beiden immer herzlich willkommen, aber bitte ohne Ute. An einem warmen Sommerabend stand ich draußen im Garten und mir liefen die Tränen die Wangen herunter. Ich betrachtete unser Haus und dachte aber nur:“ Was mache ich hier eigentlich noch?“. Ute war mal wieder beim abendlichen Sport (muss also ein Mittwoch gewesen sein. Da blieb sie bis 23 Uhr im Fitnessstudio). Ich dachte an die Kids.

Im ersten Halbjahr 2007 ging sie auffällig häufig mit einer Freundin in die Disco. Sogar für die Grundschulabschlussfeier ihrer zweiten Tochter hatte sie keine Zeit deshalb. Diese Freundin lebte mittlerweile auch schon in dritter (mittlerweile auch unglücklicher) Ehe und verschaffte so Ute ein Alibi.

Anfang August 2007 wurde mir „von einer guten Freundin“ gesteckt, dass es im Fitnessstudio nicht mit rechten Dingen zugeht und dass es sein könnte, dass Ute „einen hat“. Während einer Autofahrt zu einer Feier kam sie von sich aus raus damit. Ich solle nichts auf die Gerüchte geben, ob ich schon etwas gehört habe. Ich verneinte. Wie ich später erfuhr, hatten sie und ihr Lover sich in der Muckibude doch sehr auffällig verhalten. Den Abend hat sie sich dann noch fürchterlich betrunken.

Durch einen blöden Zufall bekam ich dann eine Mail von ihrem Lover in die Hände, der dummerweise einen Liebesbeweis an eine uns beiden zugängliche Adresse geschickt hatte. Es war der 06.08.2007.

Ich entschied mich, zu gehen. Das Fass war voll. Der Krug zu häufig zum Brunnen gegangen. Am 12.08.2007, einem Sonntag, fragte mich Ute direkt nach dem Aufwachen, was denn los sei. Ich sei so komisch die letzten Tage gewesen. Sie wolle nun wissen, was Sache sei. Gut, sagte ich und stand auf. Vor ihrem Bett stehend sagte ich: “Heute ist ein sonniger Tag, die Vögel zwitschern, da kann ich es dir ja sagen: Ich weiß alles von dir und deinem Thorsten“. Damit ließ ich sie allein im Schlafzimmer.

Kurze Zeit später kam es zur entscheidenden Aussprache in der Küche. Nein nicht Aussprache, sondern Monolog von mir. Sie sagte fast gar nichts. Gegen 11 Uhr sagte sie, dass sie nun zum Sport gehen würde.  Ich bat sie, zu bleiben und es den Kindern zu erklären. Sonst würde ich es allein machen. Und sie ging zum Sport.

Die Kinder hatten natürlich unseren Disput mitbekommen und kamen nacheinander in die Küche. Ich erklärte ihnen, dass ich es mit ihrer Mutter nicht mehr aushielte. Es war eine sehr anrührende, aber bedrückende Stimmung. Mehr als zwei Stunden haben wir dort in der Küche gesessen, geweint und geredet.

Am 13.08.2007, einem Montag, zog ich aus. Das Gästezimmer bei meinen Eltern wurde mein zeitweiliges Domizil.

Am 22.12.2010 hatte ich das rechtskräftige Scheidungsurteil in meinen Händen. Nicht ohne Probleme, denn Ute hatte versucht, aktiv beim Versorgungsausgleich zu betrügen. Meine Beschwerde vor dem Oberlandesgericht hatte Erfolg, verzögerte aber das endgültige Scheidungsurteil. Überhaupt tat sie sehr viel, die ganze Sache zu verzögern.

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Erlebniserzählung eines Scheinvaters,

Vom Vater zum Scheinvater – von Gerd Tillmann

Fortsetzung: Ich konnte sie nicht mehr riechen – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 4 der Geschichte von Gerd Tillmann

Hier geht es zum Anfang der Geschichte: Wie alles begann – Vom Vater zum Scheinvater – Teil 1 der Geschichte von Gerd Tillmann*

Alle Folgen der Serie:Vom Vater zum Scheinvater

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Über Marcus Spicker

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