Die erste Zeit – Eva Kuckuckstochter lernt ihren Vater kennen


Die Kuckucksfamilie - Wenn die Wahrheit nicht sein darf

Die Kuckucksfamilie – Wenn die Wahrheit nicht sein darf

Kuckuckstochter – Erlebnisbericht – / Deutschland – Die erste Begegnung, bei der ich diesen Mann so richtig bewusst als meinen potentiellen Vater getroffen habe (wir kannten uns schon) war total merkwürdig. Ich hatte ihm drei Tage vorher einen Brief geschrieben, woraufhin er mich angerufen hatte und wir uns in einem Café verabredet haben. Als wir ins Café rein sind, gingen wir auf eine Spiegelwand zu und er sagte: „Schau dir uns zwei mal an. Brauchst du da

noch einen Test?“ Er war sich zu 90% sicher, wie das Ergebnis ausfallen würde. Und mein Bauch sagte mir auch von Anfang an, dass er es ist. Ich hab es irgendwie gespürt, obwohl es mir viel lieber gewesen wäre, wenn der Test negativ ausgefallen wäre – einfach, weil dann vieles einfacher wäre. Aber naja, das Leben ist kein Ponyhof 🙂

Wir saßen dann in diesem Café und ich musterte ihn und er musterte mich. Wir erzählten miteinander, als würden wir uns schon immer kennen. Wir waren sofort total vertraut miteinander – fast schon beängstigend. Ich wollte mich da auch in nichts hineinsteigern, um dann im Testergebnis etwas anderes zu erfahren. Aber wir entdeckten so viele Ähnlichkeiten und mir wurde mal wieder bewusst, dass ich mit meinem sozialen Vater absolut keine Ähnlichkeit hatte und dass ich da wahrscheinlich auch noch lange nach Ähnlichkeiten suchen konnte. Es war auch schmerzlich diese Ähnlichkeiten zu entdecken, denn damit wurde mir schon im Ansatz klar, dass ich belogen worden bin – so viele Jahre.

Am Anfang – als ich ihm den Brief geschrieben hatte – dachte ich noch, dass ich es einfach wissen will. Ich will einfach die Gewissheit, wer mein leiblicher Vater ist. Ich dachte aber noch, dass es keine Konsequenzen haben würde. Ich würde es niemandem sagen, weil nur ICH es wissen will. Ich dachte, es würde niemanden etwas angehen. Doch es kam anders… Der Tag, als das Ergebnis kam, kommt mir immer noch vor, als wäre es gestern gewesen. Ich holte den Brief aus dem Briefkasten, mir ist schlecht geworden, ich habe ihn gegen das Licht gehalten, um vielleicht schon etwas zu erkennen. Wir hatten uns versprochen, dass wir ihn gemeinsam aufmachen, deshalb hab ich ihm sofort ne SMS geschickt und kurz darauf rief er an. Wir verabredeten uns wieder im Café. Als das Ergebnis dann klar war, war mir so schlecht. Ich hätte können gleichzeitig heulen und lachen können. Ich hatte das Bedürfnis, ihm um den Hals zu fallen und gleichzeitig saß ich wie gelähmt auf meinem Stuhl. Ich war wahrscheinlich kreidebleich und mir wurde gleichzeitig bewusst, dass ich es nicht geheim halten kann und will. Ich will keinesfalls diese Lüge weiter leben. Ich kann nicht meinem sozialen Vater in die Augen sehen und wissen, dass auch er verarscht wurde und nun auch von mir verarscht wird. Ich wollte meinen leiblichen Vater nicht treffen und meinen Kindern dann Lügen darüber erzählen, wo ich gewesen bin. Denn mir wurde auch bewusst, dass es mir nicht reicht zu wissen, wer mein Vater ist, sondern ich wollte ihn auch kennenlernen. Bei ihm rannte ich da zum Glück offene Türen ein. Er war/ist total glücklich, dass ich ihn gefunden habe. Es macht mich total traurig, hier Geschichten zu lesen, wo sich Väter so schäbig verhalten und nicht zu ihren Kindern stehen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das gewesen wäre…

Am Anfang war es immer ein totales Hochgefühl – wie frisch verliebt. Das hört sich wahrscheinlich komisch an, aber es war echt so. Ich fand es total befremdlich, welche Gefühle da in mir hochkamen. Tausend Gefühle auf einmal und immer die Sehnsucht, wann man sich das nächste Mal sieht oder am Telefon hört oder er ne Email schreibt. Ich hab den Vergleich aber vor Kurzem auch in einem Radiointerview (hier: http://www.vaeterradio.de/hoeren.php?file=2011/vr01-11.mp3&titel=Eine%20Ewigkeit%20und%20zur%FCck&datum=20.01.2011) gehört. Da war ich dann beruhigt, dass auch andere Kuckuckskinder solche Gefühle hatten 🙂

Ja, so war die erste Zeit. Mittlerweile ist es relativ normal geworden, obwohl ich noch nicht ganz frei damit umgehen kann, aber das liegt eher daran, wie mein Umfeld (vor allem meine Mutter, die leider nicht mit mir darüber spricht) mit der Tatsache umgeht. Aber ich bin mir sicher, dass es der richtige Schritt war. Endlich nicht mehr diese Zweifel, die mich verfolgt haben – auch wenn es immer noch schmerzt, um die Wahrheit betrogen worden zu sein. Das Gefühl, ein falsches Leben gelebt zu haben, wird wohl noch ein Stück bleiben…

Hier geht es zum vorangegangenen Teil: Ich bin eine Kuckuckstochter! – Anatomie einer Kuckucksgeschichte von Eva Kuckuckstochter

Hier geht es zur Vorstellung von Eva Kuckuckstochter:Hurra, es ist eine Kuckuckstochter! – Kuckucksvaterblog heißt die neue Autorin Eva Kuckuckstochter willkommen.

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Über Max Kuckucksvater

Seit Anfang 2011 weiß ich nun, dass mein Sohn aus erster Ehe nicht mein leiblicher Sohn ist. Da ich weder im Netz, noch irgendwoanders Hilfe fand, gründete ich dieses Blog. Dieses Blog verbindet Kuckuckskinder, Scheinväter, Väter und Kuckucksmütter untereinander, stellt Hilfsthemen bereit. Zusätzlich klärt es die Öffentlichkeit über den stattfindenden Identitätsraub und Betrug auf, damit wir in Zukunft dieses Leid verhindern können. Der obligatorische Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) ist das einzige Mittel, welches das Kind sicher vor der Fälschung seiner Identität bewahren kann. Seither entstanden sehr viele Kontakte und Freundschaften zu Scheinvätern, Kuckuckskindern und anderen Betroffenen sowie Unterstützern. Der Austausch mit ihnen half mir dabei, meine Trauer zu verarbeiten. Und: Ja, ich lebe tatsächlich in Kolumbien. Inzwischen sind meine Frau und ich stolze Eltern einer Tochter. https://www.facebook.com/max.kuckucksvater
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4 Antworten zu Die erste Zeit – Eva Kuckuckstochter lernt ihren Vater kennen

  1. Simpl schreibt:

    Für ein Kind da zu sein, ist eine Aufgabe. Sie verbindet. Papa ist jemand, dem ein Kind blind vertrauen kann. Belügen sollte man das Kind über solche einen Hintergrund aber nicht. Das zerstört im Nachhinein das Vertrauen. Ist sicherlich nicht leicht, das Kind zu informieren. Aber ich glaube, worauf es ankommt, dem Kind viel Liebe, Ehrlichkeit und Vertrauen zu schenken.

  2. andre schreibt:

    bewegend…….aber einen nachtrag habe ich …..ich glaube nicht das es schäbige väter oder männer gibt……es ist ihre trauer und das leid das man ihnen angetan hat …als man ihnen ihre kinder nahm und sie dazu gezwungen hat ….damit leben zu müssen…das sie es angeblich nicht wert wären ihr kind lieben zu dürfen..oder das das kind es nicht wert ist …seinen vater lieben zu dürfen….dieses trauma und diese psychische gewalt erleben zu müssen rechtfertigt …….“die trauer die einem irgendwann vielleicht “ keiner nehmen kann….weil sich der täter weiterhin weigert….sich zu entschuldigen…….

    • evakuckuckstochter schreibt:

      Hallo Andre,

      ich kann mir vorstellen, dass ein Vater, der von heute auf morgen vor die Tatsache gestellt wird, dass er ein (evtl. schon volljähriges) Kind hat, erstmal auf Abwehr geht. Da geht auch ihm sicher vieles durch den Kopf – auch worum er betrogen wurde, weil die Mutter es verheimlicht hat. Aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass solch ein Vater, bei dem die Trauer diese Abwehrreaktion hervorruft, nicht irgendwann zu dem Punkt kommt, dass er sein Kind kennenlernen will. Oder dass er nicht irgendwann Gewissheit haben will, wenn er vor solchen Behauptungen steht.
      Für Väter, die sich dem nicht stellen, habe ich kein Verständnis! Sie entziehen sich ab dem Zeitpunkt, wo sich von der möglichen Vaterschaft wissen, ihrer Verantwortung… Wenn sie sich dann weiter mit Trauer herausreden, handeln sie mMn egoistisch. Sie sehen sich um ihr Recht betrogen und verweigern im Gegenzug ihren potentiellen Kindern das Recht auf das Wissen, woher sie kommen. Und da will mir so recht keine andere Vokabel einfallen, als die, welche ich verwendet habe…

  3. charlotte schreibt:

    liebe eva es freut mich sooo sehr für dich das es so ausgegangen ist… es in einfach ein traum und gleichzeitig beneid ich dich… weil es bei mir aufgrund der umstände nie so sein wird… es wird mir immer was fehlen… weil derjenige den meine mutter mir dann doch noch genannt hat aber erst nach viele endlosen disk abstreiten.. ablehnen mich beschimpfen was ich da angerichtet habe etc etc etd… ist leider verstorben das hat sie mir im selben atemzug genannt wie seinen namen .. dann ist es der sowieso aber da kannst auch nix machen weil der ist auch schon gestorben… ein schock nach dem anderen
    aber für dich ist es einfach wunderbar und ich wünsche euch das ihr viel zeit zusammenverbringen könnt und euch wirklich nahe kommt… umarm dich
    es gibt ja doch noch happyend:) man glaubt es nicht aber deine geschichte beweist

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