„Jetzt änderst Du aber noch Deinen Namen.“ – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 11


Das Verfahren zur Vaterschaftsfeststellung zwischen dem Mann meiner Mutter und mir wurde vorbereitet. Mein Anwalt riet die Anerkennung der Vaterschaft vorab außergerichtlich vorzuschlagen. Erst wenn es hier zu Problemen käme, könne man immer noch den gerichtlichen Weg einschlagen. Ich willigte ein und bereits eine Woche später bekam Reiner, der Mann meiner Mutter, das Schreiben zur außergerichtlichen Vaterschaftsanerkennung mit Fristsetzung. Er willigte ein. Es gab also kein gerichtliches Verfahren. Mein Anwalt erkundigte sich auf dem hiesigen Standesamt nach dem Procedere und bereitete alles vor. Zwei Wochen später gab es dann den Termin vorm Standesamt. Ich hatte ein mulmiges Gefühl war aber wieder einmal bereit einen Schritt entgegenzugehen und schlug vor, dass wir dorthin gemeinsam fahren könnten. So saßen wir als Kleinfamilie vereint im Auto auf dem Weg zum Amt. Meine Mutter und ihr Mann verbreiteten fast schon Ausflugstimmung und diskutierten wohin sie denn im Anschluss mit mir zu Kaffee und Kuchen fahren sollten. Ich hörte nicht hin. Die Standesbeamtin hatte bereits sämtliche Geburtsregister hervorgeholt und neben meinem Eintrag den Vermerk „16.08.11 Urteil AG Vaterschaftsanfechtung, 09.11.2011 Vaterschaftsfeststellung“ eingefügt. Sie klärte alle Anwesenden über diesen nun folgenden Schritt ausführlich auf. Wir mussten unsere Personalausweise vorlegen und an vorgegebenen Stellen, in vorgegebener Reihenfolge unterzeichnen. „Ja, das Beamtinsein merkt man Ihnen kaum an.“ Reiner glänzte mal wieder mit unangenehmen Bemerkungen. „Jetzt änderst Du aber noch Deinen Namen.“ Er wendete sich mir zu. Ich stotterte: „Wie soll ich das denn meiner Umwelt erklären? Haben Sie geheiratet? Nein, ich habe feststellen lassen, dass ich ein Kuckuckskind bin und nun trage ich den Namen meines biologischen Vaters…Nein, ich behalte meinen Namen.“ Innerlich kochte ich. Die Standesbeamtin unterstützte meine Aussage. Meine Mutter legte nun das Familienstammbuch vor. Auch hier wurde eine veränderte Geburtsurkunde ausgestellt. Damit war mein Papa aus der Familie ausgelöscht. Ich hätte weinen können. Ohne mich auch nur zu fragen, fuhren wir in ein nahegelegenes Café. Ich konnte nichts essen und versteckte mich stattdessen hinter einer großen Tasse Kakao. An die Gesprächsinhalte kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hatte meine Aufgaben erledigt, meine Geschichte sollte hier enden. Eine Woche später traf ich mich mit meinem Papa bei meinem Anwalt. Dieser hatte bereits erste Recherchen zum letzten Schritt vorgenommen. Mein Papa fordert jetzt Unterhaltsregress von meinem biologischen Vater für 24 Jahre meines Lebens. Ich versuche ihn dabei zu unterstützen.

Wann diese Geschichte also weiter geschrieben wird ist somit noch unklar.

Den Blog werde ich als Kuckuckskind aber weiterhin unterstützen.

Ich danke Euch Kuckucksvätern, Kuckuckskindern und interessierte Leser für Eure Rückmeldungen und netten, herzlichen Kontakte. Ich merke immer wieder wie sehr mir das Schreiben hilft und wie sehr man sich untereinander versteht.

Ich wünsche Euch von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein einen guten Rutsch ins Jahr 2012. yelka

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Kuckuckskind Yelka Schmidt erzählt von ihren Erlebnissen auf dem Weg zur Klärung der Vaterschaft und den Folgen

Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt

Fortsetzung: “Still ruht der See” – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 12

Hier geht es zum vorangegangenen Teil 10 „Weißt Du, was er mir angetan hat?

Eine Auflistung aller Teile dieser Serie findest Du hier.

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Über Yelka Schmidt

Geboren im Mai 1981, seit März 2011 weiß ich, dass ich ein Kuckuckskind bin. Ich will kein Tabu sein. Ich lebe. Ich lache. Ich liebe. Ich spreche. Über mich. Über Dich? Miteinander? Das würde mich freuen. Ich schreibe. Meistens drauf los. Das befreit mich. Das hilft mir Aktuelles oder Vergangenes zu begreifen und vielleicht auch zu verarbeiten.
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Eine Antwort zu „Jetzt änderst Du aber noch Deinen Namen.“ – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 11

  1. charlotte schreibt:

    liebe yelka ja ja es sind immer wieder wir die den anderen die hand reichen ich kenn das von mir und was tut man ?? man schlägt uns ins gesicht !!!!
    ich drück dir die daumen du schaffst das alles auf alle fälle.. ja unterstütz deinen papa recht hast du…. und macht euch weiterhin ein schönes leben ihr zwei lass die vergangenheit hinter dir… ich hab meine geschichte geschrieben und dann verbrannt danach ging es mir besser ist zwar in meinem herzen drinnen aber der akt hat mir gut getan
    wünsch dir auch wunderschöne weihnachten geniess die zeit mit deinem papa und denk nicht an die anderen.. lass sie dort wo sie sind sie belasten dich nur und tun dir weh das hat du nicht verdient such dir die menschen um dich zusammen die dir gut tun und hab keine schlechtes gewissen wenn du dann denkst jemand wird von dir vernachlässigt das haben die alles selber gemacht also schau jetzt nur auf dich und einen papa lg charlotte

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