Die Zeit vor dem ersten gerichtlichen Verfahren – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 8


Ich hatte mich nun entschlossen, das Vaterschaftsanfechtungsverfahren in die Wege zu leiten. Es gab viele Termine bei meinem Anwalt. Die schwierigste Hürde war, die Anfechtungsfrist von 2 Jahren eindeutig zu bestimmen. Oft diskutierten mein Anwalt und ich über die Auslegung des Rechts „des begründeten Verdachts des Nichtbestehens der Vaterschaft“. Eine nervenaufreibende Zeit. Ich schränkte den Kontakt zu meiner Mutter und ihrem Mann sehr ein. Ich konnte deren Nähe einfach nicht ertragen. Mein Papa und ich hingegen telefonierten regelmäßig und tauschten unsere Gedanken aus. Auch nahm mein Papa an 2 Terminen bei meinem Anwalt teil. Er erzählte sehr emotional, aber sehr distanziert von seiner Ehe mit meiner Mutter, die Zeit der Trennung und Scheidung, die Erlebnisse mit mir in meiner Kindheit. Ich erkannte eine ganz neue Seite meines Papas und hörte gespannt zu. Er liebte seine Familie, seine damalige Frau, er kämpfte um sie, ohne den Gegner zu kennen. Nach der Scheidung und seinem kompletten Wegzug zog er einen dicken Strich unter diese über 30jährige Zeit. Am Ende stand ein sechsseitiges Verfahrensschreiben mit 7 Anlagen, bereit zur Versendung ans Amtsgericht.

Die Nervosität stieg von Tag zu Tag. Wann würde die Bombe hochgehen und wie? Ich ertrug mich selbst nicht mehr, zog mich zurück, erkannte, dass mein damaliger Freund nicht die Unterstützung leisten wollte die ich gebraucht hätte und trennte mich von ihm. Irgendwann dann der Anruf von Papa: „Die Post vom Amtsgericht ist da!“ Ich rechnete mit allem, aber nicht mit dem was nun passierte. Es passierte nämlich nichts. Wie eh und je wurde das Thema von meiner Mutter und ihrem Mann totgeschwiegen.

Nach drei Wochen hielt ich es nicht mehr aus und nutzte ein Treffen mit meiner Mutter beim Sport, um sie nach der Post vom Amtsgericht zu fragen. Die jetzige Reaktion brachte mich innerlich nun völlig aus der Fassung. „Ja, dann haben wir es ja endlich schwarz auf weiß. Ich bin enttäuscht, dass Du den Test mit Papa und nicht mit Reiner gemacht hast. Aber wir hatten bereits überlegt, die Familie einzuladen und das Ergebnis zu feiern.“ Ich traute meinen Ohren nicht. Ich weine drauf los. Das wollte ich vermeiden. Ich wollte stark sein, ihr zeigen, wer ich bin und was ich von dieser ganzen Geschichte halte. Doch ich weine. Irgendwann dann doch Worte. „Weißt Du eigentlich, was Du mir damit angetan hast? Ich hielt dieses scheiß Ergebnis in Händen und es zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Kannst Du Dir vorstellen, wie es war, Papa das mitzuteilen?“ Stille. Sie starrt mich an. „Ja, ich weiß, ich bin ein Schwein.“ Ich entgegnete ihr: „Spar Dir das!“

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Kuckuckskind Yelka Schmidt erzählt von ihren Erlebnissen auf dem Weg zur Klärung der Vaterschaft und den Folgen

Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt

Fortsetzung: Das Vaterschaftsanfechtungsverfahren – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 9

Hier geht es zum vorangegangenen Teil 7 „Das Gespräch mit Papa

Eine Auflistung aller Teile dieser Serie findest Du hier.

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Über Yelka Schmidt

Geboren im Mai 1981, seit März 2011 weiß ich, dass ich ein Kuckuckskind bin. Ich will kein Tabu sein. Ich lebe. Ich lache. Ich liebe. Ich spreche. Über mich. Über Dich? Miteinander? Das würde mich freuen. Ich schreibe. Meistens drauf los. Das befreit mich. Das hilft mir Aktuelles oder Vergangenes zu begreifen und vielleicht auch zu verarbeiten.
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6 Antworten zu Die Zeit vor dem ersten gerichtlichen Verfahren – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 8

  1. charlotte schreibt:

    lieber bernd drück dir die daumen egal was rauskommt du schaffst das

  2. Emma's Schatz schreibt:

    Ich bin dabei, der 29.November mein Stichtag…
    Ich denke nicht das sich was rührt…ich bestätige Yelka’s Gesprächsmomente mit den betroffenen Müttern oder Mitwissern.Völlige Gefühlskälte entgegnete auch mir…um es noch deutlicher zu sagen:KACK FRECH DIE TOASTBROTE
    Ich sollte doch mal zum Sport gehen,dann ginge es mir besser…es wird sich noch darüber lustig gemacht so Erfolgreich alles vertuscht zu haben!
    Meine Mutter wurde nicht geheiratet von meinem biol.Vater,er stand vor der größten berufl. Laufbahn seines Lebens…er konnte oder wollte nicht.Dieses allein war der Grund warum man mir 45 Jahre nichts sagte und mich auch büßen ließ, für ihn.Wir sollten uns niemals sehen…Ihre Rache für das was er Ihr“in Ihren Augen“ angetan hatte.Ob er wohl gewußt hat das ich ihm so ähnlich sehe?Ich guck seit dem ich es weiß ständig in den Spiegel und seh immer Ihn…ich könnt’s schwören tztztz

    Nun Yelka das Du Abstand nimmst von Deiner Mutter kann ich sehr gut nach empfinden…ich würde es natürlich am besten finden wenn sich alle“Vertuscher“bei Dir und Deinem Papa entschuldigen!!!!Das gleiche gilt für meine Vertuscher…Toastbrote diese^^
    Bei mir hat sogar ein“Föhn“angerufen…aus der Frittierstube „NA JA“!Biserl lächerlich machens sich schon…die Mitvertuscheragatheschneckenschixx !

    .

    • charlotte schreibt:

      kann ich auch bestätigen und noch schlimmer ich bin schuld ich bin selber schuld was muss ich auch nachforschen einfach alles so lassen wie es ist … was hast du mir angetan sagt meine mutter ich kann mich dort nie wieder blicken lassen…. du hast mein leben zerstört ich bin nicht auf den mund gefallen aber da hat es mir die rede verschlagen… ich bin schuld… jawohl …….damit schlagen wir uns herum wir kuckuckskinder aber kein wort des bedauern erklären irgendwas einfach kalt sage du bist selber schuld warum musst du auch so neugierig sein…

  3. yelkaschmidt schreibt:

    Hallo Bernd. Wenn Du Tipps brauchst, Fragen hast, was auch immer, schreib mir ruhig eine Mail. Gruß,
    yelka

  4. Bernd Plechatsch schreibt:

    Dieses Verfahren habe ich noch vor mir. Mal gespannt auf die nächste „Folge“ am 01.Dezember.

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