Die Erinnerungen – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 6


Die Sache mit dem Haus verblasste ein wenig und eine neue Mieterin zog Anfang Februar 2011 ein. Ich führte noch einige Gespräche mit meinem damaligen Freund über diese ganzen Situationen. Auch erinnerte ich mich daran, dass meine Mutter und Reiner bereits lange Kontakt zueinander haben. Ich war 13 oder 14 und fand Briefe meiner Mutter, Liebesbriefe, die jedoch nicht an meinen Papa adressiert waren. Damals konfrontierte ich meine Mutter in einem pubertären Streit (und davon gab es viele) mit den Briefen. Sie war geschockt, meinte die Briefe seien alt, die Geschichte mit Reiner sei schon lange beendet.

Zwei Wochen später stand Reiner in der Tür, machte mit mir Ausflüge, kaufte mir viele Dinge, er setzte sich sogar für mich bei meiner Mutter ein, wenn ich bei ihr meinen Willen nicht durchsetzen konnte. Alles in allem eine gewinnbringende Zusammenkunft für mich, bis auf einen Punkt. Immer wenn ich über meinen Papa sprach, sagte Reiner Dinge wie: „Dein Vater ist ein Bauerntrampel.“ Das wurde mir schnell zu viel und ich übermittelte Reiner über meine Mutter, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm haben möchte.

Damals war diese Geschichte für mich abgeschlossen. Ich war der festen Überzeugung, dass meine Mutter und Reiner irgendwann zwischendurch mal ein Verhältnis hatten, dies aber längst abgeschlossen war. Ein paar Jahre später merkte ich jedoch, dass meine Eltern nur mir zu Liebe ihre Ehe aufrecht erhielten. Da war schon lange keine Verbindung mehr. Mit fast 19 Jahren suchte ich mir ein WG Zimmer und zog aus. Im Gespräch mit meinen Eltern sagte ich: „Ich ziehe aus. Dann habt ihr endlich keinen Grund mehr länger aufeinander zu hocken. Bitte lasst euch scheiden.“ In der WG blieb ich nur ein paar Monate. In dieser Zeit zog mein Papa ins Obergeschoss des Hauses, meine Mutter richtete sich im Erdgeschoss ein. Dann zog ich in einen anderen Teil Deutschlands. Das war der Abstand den ich brauchte. Ich wurde erwachsen, studierte und machte meine ersten, erfolgreichen Schritte im Berufsleben.

Jetzt, Anfang 2011 setzte sich das Puzzle langsam zusammen. Irgendwann saßen meine Mutter, Reiner und ich zusammen. Ich wollte es wissen und fragte: „Wie lange geht das jetzt schon zwischen euch?“ Die Antwort gab Reiner: „Ich lernte Deine Mutter auf einem Sportlerball kennen. Dein Papa und ich spielten in der gleichen Fußballmannschaft. Deine Mutter und Dein Papa waren verheiratet. Du warst da noch nicht geboren. Ich war ebenfalls verheiratet und hatte zwei Kinder. Ich habe mich sofort in Deine Mutter verliebt und sie auch in mich…“ Ich konnte kaum folgen. Irgendwann fragte ich: „Wer ist mein Vater?“ Meine Mutter und Reiner schauten sich an: „Wir wissen es nicht.“ Meine Gedanken überschlugen sich.

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Kuckuckskind Yelka Schmidt erzählt von ihren Erlebnissen auf dem Weg zur Klärung der Vaterschaft und den Folgen

Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt

Fortsetzung: Das Gespräch mit Papa – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 7

Hier geht es zum vorangegangenen Teil 5 „Da musst Du erst an mir vorbei!

Eine Auflistung aller Teile dieser Serie findest Du hier.

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Über Yelka Schmidt

Geboren im Mai 1981, seit März 2011 weiß ich, dass ich ein Kuckuckskind bin. Ich will kein Tabu sein. Ich lebe. Ich lache. Ich liebe. Ich spreche. Über mich. Über Dich? Miteinander? Das würde mich freuen. Ich schreibe. Meistens drauf los. Das befreit mich. Das hilft mir Aktuelles oder Vergangenes zu begreifen und vielleicht auch zu verarbeiten.
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4 Antworten zu Die Erinnerungen – Anatomie der Kuckucksgeschichte von Yelka Schmidt – Teil 6

  1. charlotte schreibt:

    als ich teenager war hat mir meine mutter immer gesagt wenn du schwanger bist brauchst du gar nicht mehr heim zukommen das kannst du bleiben wo du bist… mir klingt das bis heute in den ohren… und als ich so mit ca 17 jahren mal probleme mit der regel hatte kam kam nicht ich muss dazu sagen ich war spät starter in jeder hinsicht – da war ich noch jungfrau bin ich zum frauenarzt gegangen zwecks untersuchung und meine mutter sagte zu mir wenn du schwanger bist kannst du gleich bleiben wo du bist trau dich ja nie mehr heim ich will dich dann nie mehr sehen….. solche sachen kommen jetzt immer wieder in die erinnerung irgendwie war schwangerschaft und kinder zu bekommen für mich immer negativ besetzt . obwohl mir immer wieder andere menschen bestätigen du wärst tolle mutter so herzlich kannst soo gut mit kindern umgehen… die tochter meiner arbeitskollegin ist ganz verrückt nach mir die ruft mich an schreibt mir mails erzählt mir alles ……. naja was soll`s

  2. charlotte schreibt:

    liebe yelka bleib so stark ich fühl mit dir… umarm dich

  3. charlotte schreibt:

    @ emma`s schatz ich muss das gleiche von mir sagen auch mich hat meine mutter nie umarmt das gab es bei uns nieee.. das kannt ich nicht bis ich in die fam meines mannes gekommen bin das ist das ganz normal es war für mich eine vollkommen neue erfahrung
    ich habe keine kinder wollte nicht wenn ich aber jetzt so nachdenke warum nicht hab ich doch irgendwie das gefühl das hat mit meinen erlebnissen erfahrungen zu tun….
    emma knudel dich du bist toll stark bleib so zeig es ihnen 🙂

  4. Emma's Schatz schreibt:

    Now…ich kenne noch ein Kuckuckskind privat und stelle immer wieder fest das diese/unsere Mütter in Ihrer Kindheit Dinge erlebt haben um so ein Lügengebäude zu bauen/aufrecht zu erhalten!Sie waren eigentlich extrems Familiengebundene Menschen diese Mütter,taten aber Dinge die Ihren Kindern nicht gut taten!Sie haben“in der Tat“Ihre Bedürfnissen über die Bedürnisse der Kinder gestellt…
    Ich habe meine Mutter mal gefragt als 15 Jährige ,warum sie mich nie in den Arm genommen hat in all den Jahren???Sie sagte:DAS WOLLTE ICH DOCH SCHON ALS KIND NICHT!
    Es gab keinen Körperlichen Kontakt zu meiner Mutter Yelka ;schon gar nicht knuddel und knutschereien…da ich selber heute Mutter bin, ist so etwas undenkbar für mich!ICH BIN EXTREMS KINDERLIEB…und es ist mir heute dadurch ein großes Bedürfniss vernachlässigten Kindern zu helfen!
    Deine Geschichte ist der Meinen sehr ähnlich liebe Yelka…nur vor mir hatten/haben Sie alle Angst ;D
    ICH MUSS MEINEM BIOL.ERZEUGER SEHR ÄHNLICH SEIN…DENN ICH MAG KEINE UNGERECHTIGKEITEN UND WURDE SCHNELL VON DEREN SPIELFELD VERBANNT!
    Der Familienhund trug sogar den Namen des Maskottchens was meinem Erzeuger zuzuordnen ist…ich dufte nicht sein ,aber in der Welt leben wollen was wohl mein Ursprung ist!
    Ich fühle mich irgendwie“entführt“…wenn Dinge so verschwiegen und vertuscht werden dann wurde etwas getan was nicht in Ordnung war!

    Yelka wir zwei müßen ja der Knaller @Worldsspielfeld sein ,das wir zwei in so geheimen Mannschaften spielten!

    Drück Dich ganz dolle…

    P.s.und ich finde Dinge am Grab meiner Mutter,wie den Anfangsbuchstaben des biol.Erzeugers der in die Rückseite des Steines geschmiert wurde und ein Osterei in den Farben des Maskottchens was im Baume hing!

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