Meine Tochter ist gar nicht mein Kind – Eine Geschichte aus der Schweiz


Als Vater entsorgt, finanziell ausgesaugt und immer im Hintertreffen bis zu dem Tag, an dem das Ergebnis eines Vaterschaftstests alles für immer veränderte… Thomas Müller über seine Erlebnisse nach der Trennung von Frau und „Tochter“:

„Im Oktober 2002 wurden meine Frau und ich gerichtlich getrennt. Ein Weiterführen der Ehe sei momentan nicht mehr zumutbar und außerdem brauche meine Frau Zeit für sich und ihr Kind. Da meine leider immernoch Frau damals einen Anwalt ins Spiel gebracht hatte, wurde ein friedliches Auseinandergehen praktisch nicht mehr möglich.

Als ich mich dann zu meinem großen Erstaunen alleine gegen den Anwalt meiner Frau vor Gericht durchsetzen konnte, gab mir das neuen Mut und Kraft für die Zukunft. Dies wäre jedoch nie ohne meinen tollen Cousin möglich gewesen, der mich zu mannschafft brachte. Auch möchte ich die Gelegenheit gleich nützen, mannschafft und ihren professionellen Beratern an dieser Stelle mein herzlichstes Dankeschön auszusprechen. Diesen Erfolg vor Gericht hätte ich nie ohne diese einwandfreie Beratung und Vorbereitung erzielen können.

Am Tag, an dem mein Umzugstermin Realität wurde, kam ich nach ungeplanten Überstunden nach Hause und hatte danach noch großzügige 5 1/2 Stunden Zeit, die Umzugsarbeiten abzuschließen. Denn meine noch so verständnisvolle Frau bestand darauf, um Mitternacht den Schlüssel in Empfang nehmen zu können. Mit tatkräftiger Unterstützung von tollen Kollegen wurde dieses unmögliche Unterfangen möglich gemacht. Wie ich nur wenig später erfahren habe, tauchte nur kurz nach Mitternacht auch schon der Lover meiner ach so arg gebeutelten Frau auf, damit sie in dieser so schweren Zeit die Nacht nicht alleine verbringen musste. Na ja, sie wollte ja nur eine Weile alleine bleiben und nur für das Kind da sein, um zu sich selber zu finden.

Das war auf jeden Fall eine Aussage, die sie mehrmals ausgesprochen hatte. Außerdem war der Vorschlag meiner Frau, dass ich für 3 bis 4 Monate zu meinen Eltern ziehen sollte. Warum brachte sie diese «geniale» Idee überhaupt ins Gespräch? Wollte sie etwa zuerst den Neuen ausprobieren um zu sehen was er taugt und dann einen Entscheid fällen? Na ja, aber sicher nicht mit mir!

Wie bereits am Anfang erwähnt, entwickelte sich die Trennung in eine gefühlskalte Episode, in der Vorwürfe und Streit schon fast zur Tagesordnung gehörten. Die einzige Verbindung, die noch zwischen uns existierte, war ein kleines, unschuldiges Kind. Meine kleine, liebevolle Tochter war praktisch an jedem meiner freien Tage bei mir. Wir waren, ohne zu übertreiben, eine Art Traumpaar.Meine Tochter und ich waren eine sehr aktive Rasselbande und hatten es sehr schön miteinander. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Tochter und ich jemals einen ernsthaften Streit hatten oder sie mir nicht gehorchte. Na ja, wir haben uns eben wundervoll ergänzt. Aber ich bemerkte leider immer wieder, wie dieses kleine unschuldige Wesen mit der ganzen Sachlage aus verständlichen Gründen seine liebe Mühe bekundete. Dies hatte jedoch weder die Mutter noch die zuständigen Amtsstellen auf irgendeine Weise interessiert. Ich versuchte über die Amtsstellen professionelle Hilfe für das arme Kind zu organisieren, wurde jedoch leider mehrfach  abgewiesen. Und wenn ich mal angehört wurde, hatte ich das Gefühl, dass niemand etwas unternehmen wollte und gleichzeitig dafür gerade stehen würde. Ist es wohl so, fuhr es mir durch den Kopf, dass Frauen dieser Amtsstellen von ihren gescheiterten Ehen so blockiert sind, dass sie nicht mehr fähig sind, sich für ein Kind einzusetzen?

Eines Tages bekam ich einen Anruf aus dem Kollegenkreis meiner Frau und wurde gefragt, ob ich mal Lust auf ein Bier hätte? Ich hatte bei der ganzen Sache ein eigenartiges Gefühl in mir. Aus Neugier habe ich mich dann für dieses Meeting entschieden. Nun war es soweit, ich ging mit großer Neugier an diese Verabredung und ließ einfach mal alles auf mich zukommen. An diesem Abend hatte ich viel über meine noch-Frau erfahren, was mich aber nicht mehr groß aus der Fassung brachte. Denn ich hatte in der Zwischenzeit schon selber viel durch Observationen und Recherchen in Erfahrung gebracht. Doch als man mir sagte, ich solle einen Vaterschaftstest durchführen lassen, da meine zukünftige Ex-Frau eine panische Angst vor einem solchen Test habe, musste ich zuerst ein großes Bier bestellen. Ich konnte es kaum fassen, wusste jedoch, dass ich es dieser charakterlosen Frau durchaus zutrauen kann. Dies aufgrund der Fakten und Tatsachen die zwischenzeitlich ans Tageslicht gekommen sind. Ich stand nun verzweifelt und alleine vor einem großen Abgrund. Wie soll ich nun reagieren und was soll ich unternehmen? Eine direkte Konfrontation würde nichts bringen, da eine Frau mit zwei Gesichtern nie zur Wahrheit stehen würde oder könnte. Ein zweites Gesicht, das ich nun kennen gelernt hatte und das mich sehr erschreckt hat, da es zu fast 100 Prozent auf tragischen Lügen aufgebaut worden ist. Wann wird dieses auf Lügen und Illusionen aufgebaute Luftschloss wohl einstürzen? Da gäbe es aber auch noch diese Tests in denen eine Vaterschaft bestätigt oder ausgeschlossen werden könnte. Dies bedeutete jedoch wieder einen größeren finanziellen Aufwand (EUR 500.). Und dies ist nicht gerade ein Pappenstiel, denn ich muss immerhin jeden Monat von meinem Lohn happige CHF 2570. an meine «noch» Frau abtreten. Da blieben für mich nach meinen eigenen üblichen Auslagen ( Miete, Krankenkasse, Strom usw.) nur sehr selten CHF 900.oder mehr übrig.

Als ich jedoch wieder einmal erfahren musste, dass meine ehemalige Lebensgefährtin in ihrem verbliebenen Umfeld mich schlecht zu machen versuchte und weitgehend nur Lügen über mich erzählte, hatte ich einfach langsam die Nase gestrichen voll und war entschlossen, etwas zu unternehmen. Ich brauchte nun für mich eine Standortbestimmung und entschloss mich, einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen. Zu meiner großen Überraschung wurde mein entschlossenes Vorhaben vom größten Teil meiner Familie und Freund(inn)en, ja sogar von den Schwiegereltern, unterstützt. Im Internet suchte ich also dann nach einem seriösen Labor, welches solche Tests anbietet. Schließlich wurde ich bei einem renommierten Labor in Berlin fündig.Zielstrebig und entschlossen habe ich die Geschäftsbedingungen durchgelesen und den Vertrag ausgedruckt. Als ich jedoch die Unterschrift auf den Vertrag setzen wollte, spürte ich in mir ein deutliches Zögern, das mit Angst verbunden war. Was würde ich tun und was empfinden, wenn ich wirklich nicht der Vater wäre?

Die Frage quälte mich sehr und ich fühlte in mir eine große, öde Leere. Doch mir war klar, dass ich nun endlich Klarheit wollte und sei es nur für mich alleine. So machte ich mich anschließend gleich auf zur Poststelle und gab den Umschlag mit dem Vertrag am Postschalter auf. Nachdem ich dann anschließend auch die Vorauszahlung geleistet hatte, bekam ich wenige Tage später Post aus Berlin. Glücklicherweise standen gerade die Sportferien mit meiner Tochter bevor. Am Tag der Abreise in die Berge entnahm ich bei mir und meiner Tochter die Speichelproben und danach machten wir uns unmittelbar auf den Weg in die Ferien. Somit konnte ich auch gleich mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass sich meine Tochter nach den Skiferien noch an die Speichelentnahme erinnern und meiner Frau etwas verraten würde. Meine Kleine und ich hatten eine wunderschöne Woche in den schneebedeckten Walliser-Bergen verbracht und sehr viel erlebt. Mein Plan ging voll und ganz auf und es konnte alles gegenüber meiner «noch» Frau geheim gehalten werden. Natürlich werde ich immer wieder gefragt, ob ich kein schlechtes Gewissen hatte durch diese heimlich durchgeführte Aktion. Während den Ferien habe ich mir diese Frage oftmals selber gestellt. Ich kann jedoch heute diese Frage ganz klar mit einem «Nein» beantworten. Denn was bis zum heutigen Tag über meine damalige Lebenspartnerin und ihr Umfeld bekannt wurde, ist zum größten Teil jenseits von Gut und Böse und kann gar nicht in anständigen Worten wiedergegeben werden. Vielleicht kann man ihr nicht mal groß die Schuld anlasten. Es besteht ja auch die Möglichkeit, dass sie durch ihr sehr negatives Umfeld so gemacht und geformt worden ist, denn von ihren Eltern wurde sie mit Garantie nicht so erzogen, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Nach den Ferien stand ich unter großer Spannung, wenn ich jeweils den Weg zum Briefkasten in Angriff nahm. Nach ca. 3 Wochen war es dann soweit. Ich erblickte zwischen mehreren Briefen einen, der mit Marken der Deutschen Post frankiert war. Da es sich um ein neutrales Kuvert handelte, konnte ich natürlich nur vermuten, dass es sich um das schon lange erwartete Testergebnis handelte. Als ich dann den Brief öffnete, baute sich in mir eine fast unheimliche Spannung auf. Ich konnte ein Signet auf dem Briefkopf erkennen, dass identisch war mit dem Laborsignet auf der Internetseite. Nun war also der Moment der bis dahin unbekannten Wahrheit gekommen und mir wurde bewusst, dass ich nun die so mit Spannung erwartete Standortbestimmung durchführen konnte. Der Inhalt des Schreibens bestand aus einem knappen Brief, indem das Testergebnis relativ kurz und bündig zusammengefasst wurde und aus einem zweiten Blatt, das eine graphische Darstellung zeigte mit schwarzen und weißen Balken, Zahlen und Bezeichnungen die aus dem medizinischen Bereich stammen mussten. Es war ein Vergleich meiner Allele mit den Allelen «meiner» Tochter. Das Resultat war in dem knappen Schreiben selbst für einen medizinischen Laien sehr gut verständlich:

«Die untersuchten Proben von Person 1 (Putativ = Vater) und der Person 2 (Kind) ergaben folgendes Ergebnis: Person 1 (putativer Vater) kann aufgrund der fehlenden Übereinstimmung der Allele in den Genorten CSF1PO, D8S1179,D21S11, FGA, Penta D, Penta E, TPOX, SE33, D2S1338 als Vater der Person 2 (Kind) ausgeschlossen werden».

Nach dem Lesen dieser Nachricht hatte ich das berühmte Gefühl, dass mir etwas eiskalt den Rücken runter lief und tief in mir spürte ich eine Erschütterung, die man durchaus mit einem Erdbeben vergleichen konnte. Mein Herz fing wild an zu pochen und ich hatte keine Chance, meine Tränen zurückzuhalten. Ich konnte das Erlebte, diese Mitteilung, eigentlich gar nicht glauben und doch musste ich es akzeptieren und auf irgend eine Art und Weise zu verarbeiten versuchen. Denn es war die erbarmungslose und knallharte Realität. Ob mir dieses Unterfangen allerdings vollumfänglich gelingen wird, weiß ich selber nicht. Denn mir ist einfach bewusst das ich die Vater-Tochter-Beziehung, die während 41/2 Jahren sehr intensiv und prägend aufgebaut wurde, nicht einfach aus meinem Leben streichen kann, auch wenn ich es wollte. Leider bin ich halt auch nur ein Mensch, der Gefühle und Verantwortung in sich hat, da auch ein Mann ein Herz in seiner Brust trägt.

Ich habe das Glück, mich in einem neuen und sensationellen Kolleg(inn)en-Kreis, den ich frisch aufgebaut habe, zu bewegen. In dessen Umfeld bekomme ich genügend Halt, Unterstützung und Ablenkung. Natürlich vergesse ich meine Familie, ja sogar meine Schwiegereltern und besonders meinen Cousin nicht! Auch hier werde ich zu keiner Zeit alleine gelassen. Dazu kommt noch professionelle Hilfe, die ich vor allem am Anfang sehr gebraucht habe. Jedoch muss ich mit den Gefühlen in mir und den damit verbundenen Problemen in erster Linie selber fertig werden.

Eigenartigerweise kam aber auch eine Art von Triumph in mir hoch, der es fertig brachte, meinen Geist und meine Seele zu stärken. Denn ich hatte jetzt endlich die Möglichkeit, mich gegen meine nicht immer ganz faire Frau, zur Wehr zu setzten. Am Horizont öffneten sich ganz neue Perspektiven für meine so hoffnungslos scheinende Situation. In einem doch mehrheitlich männerfeindlichen und dunkel wirkenden Rechts-Dschungel sah ich nun plötzlich ein kleines Licht, verbunden mit ein wenig Hoffnung. Ein Licht das jedoch leider auch seinen Preis haben wird. Den Entscheid, ob ich nun dieses Testergebnis nutzen soll um rechtliche Schritte einzuleiten, fiel mir nicht leicht. Ich habe mir fast zwei Monate darüber den Kopf zerbrochen. Denn mir war von Anfang an voll und ganz bewusst, dass ich meiner zum Glück bald Ex-Frau einen gewaltigen und garantiert störenden Strich durch ihre so kühl durchdachte Rechnung machen würde und sie natürlich mit allen Mitteln meinen Kontakt zu dem unschuldigen und nichts ahnenden kleinen Kind in Zukunft verhindern würde. Ich war mir damals noch nicht schlüssig, ob ich diesen Preis dafür auch wirklich bezahlen wollte. Doch meine ehemalige «bessere Hälfte» half mir indirekt sehr bei meiner Entscheidung, rechtliche Schritte einzuleiten, indem sie es für nötig empfand, weiter Lügen zu verbreiten und mich möglichst bei jeder sich bietenden Gelegenheit anzuschwärzen.

Ich nahm also erneut Kontakt mit meinem persönlichen mannschafft-Berater auf, der mir empfahl, nun einen Anwalt einzuschalten.Dies aufgrund der am Anfang noch heiklen und nicht ganz einfachen Rechtslage. Diesen Rat habe ich dann auch befolgt und habe mit einer Anwaltskanzlei Kontakt aufgenommen, die mir durch meinen Berater empfohlen wurde. Mein Anwalt klärte mich sehr sachlich und kompetent darüber auf, dass ich diese Klage mit Sicherheit gewinne, jedoch im Gegenzug sämtliche Rechte in Bezug auf das Kind verlieren werde. Doch ich habe mich für diesen harten und gar nicht einfachen Weg entschieden. Mit den Vaterschaftsklagen ist man ja bekanntlich an gewisse Fristen gebunden. So habe ich einen Monat vor dem 5. Geburtstag des betroffenen Kindes Klage zur Aberkennung der Vaterschaft eingereicht. Die Gegenreaktion kam natürlich postwendend, indem das Besuchsrecht sofort auf Eis gelegt wurde. Wie die neue Anwältin meiner Frau wörtlich in einem Brief an meinen Rechtsanwalt schrieb: «Damit …dem Zugriff ihres Vaters im Moment nicht mehr ausgesetzt ist». Ich hoffe nur, dass eine so gefühls- und charakterlose Frau selber keine Kinder hat oder je haben wird. Denn diese Kinder würden sicher nicht nur mir persönlich unendlich Leid tun!

Mein eigener Stolz ließ es nicht zu, diese arrogante und respektlose Art der Gegenanwältin einfach so hinzunehmen. Um die eigenen Anwaltskosten möglichst tief zu halten, reagierte ich in eigener Regie schriftlich auf dieses «niveaulose» Schreiben der gegnerischen Rechtsverdreherin in Verbindung mit noch offenen finanziellen Forderungen aus der vergangenen Zeit. Die Reaktionen auf dem schriftlichen Weg fielen sehr spärlich aus, jedoch bekam ich anfangs des Folgemonats die erste Gutschriftanzeige von meiner Bank. Dies war für mich die Bestätigung, dass es sich meistens bezahlt macht, wenn man sich zur Wehr setzt. Aber was noch viel wichtiger ist, man darf vor Personen, nur weil sie studiert haben, nicht zu großen Respekt haben, denn es sind ja auch nur Menschen und keine Götter!

Vom rechtlichen Standpunkt her war ja noch gar nichts entschieden. Aus diesem Grund habe ich mit der Fürsorge- und der Vormundschaftsbehörde Kontakt aufgenommen. Denn ich bin der Meinung, dass ich auf dem Besuchsrecht bestehen kann, solange noch kein Urteil gesprochen wurde bzw. rechtlich nichts definitiv geklärt ist. Doch zu meinem großen Erstaunen stieß ich mehrheitlich nur auf taube Ohren. Ob das wohl daran liegt, dass ich als Mann immer nur bei Frauen vorsprechen konnte. Dem Mann immer den schwarzen Peter? Ich konnte für dieses unschuldige kleine Wesen nicht einmal eine psychologische Betreuung durch diese schwierige Zeit erreichen. Man hat sich jedes Mal auf Gesetze und Verordnungen berufen und abgestützt. Mir schien es als ob ich der einzige wäre, der menschliche Gefühle und Moral in den Vordergrund stellte und vor allem an das wehrlose Kind gedacht hatte. Oder wollte sich einfach niemand unnötig mit Arbeit beschäftigen und Verantwortung übernehmen?

Eine Tragödie, dass kleine Kinder keine Rechte haben und dass es keine Gesetze gibt, die verhindern, dass an Kindern seelische Grausamkeit ausgeübt wird! Denn genau das ist es, was meine Frau mit intensiver Unterstützung ihrer Anwältin und ihrem unmittelbaren Umfeld tut. Ob sie dies bewusst macht oder nicht kann man nicht mit Sicherheit feststellen, denn ich bin überzeugt, dass meine Frau eigentlich nur ein Ziel hat: Sie will mich damit treffen und verletzen. Man stelle sich vor, dass dem kleinen Mädchen von einem Tag auf den andern der Vater genommen wurde und dies ist bei weitem noch nicht alles. Auch zu beiden Großeltern wurde der Kontakt verhindert. Meine Eltern und Schwiegereltern sahen die Kleine nur, wenn sie an meinen freien Tagen bei mir war.

Im 31. Mai 2003 habe ich dann meine Tochter zum letzten Mal gesehen. Ich weiß nicht, wem ich dafür danken darf, vielleicht Gott oder wem auch immer, für diesen wunderschönen und unvergesslichen Tag den ich damals mit «meiner» Tochter erleben durfte. Sie durfte mit mir ihren ersten Helikopterflug erleben und hatte sichtlich mehr als nur sehr große Freude daran. Es war für sie wie auch für mich ein mit Sicherheit unvergessliches gemeinsames Erlebnis. Es war Anfangs Juni, als ich der gerichtlichen Vorladung betreffend meiner Klage, Folge leistete. Mein Anwalt und ich haben vor dem Gerichtsgebäude noch kurz die letzten Details besprochen, als ich auf der gegenüberliegenden Seiten der Eingangstreppe meine Frau mit ihrer Rechtsvertretung erblickte. Ich klärte meinen RA auf, um wenn es sich bei der in schwarz gekleideten Person gegenüber handelte. Sehr entspannt zog mein Anwalt den Rauch seiner Zigarette in seine Lunge und sagte nach wenigen Minuten, nachdem er meine hexenhaft gekleidete und geschminkte Frau abgemustert hatte: «Schreiben sie Ihre Tochter jetzt schon ab!» Das war eine Aussage, die mir im Hinterkopf bereits herumirrte und nun aktuell wurde. Das Gericht wollte mir natürlich mit den gesetzlichen Fristen ein Bein stellen, aber mein Anwalt hat mich gut auf diese Situationen vorbereitet und schließlich ist «Mann» ja nicht auf den Kopf gefallen. Als mein Anwalt dann den Joker, den Test aus Deutschland, auf den Tisch legte, sah man auf der Gegenseite im wahrsten Sinne des Wortes lange und resignierende Gesichter. Zum ersten Mal seit langem war meine Frau wieder einmal ehrlich zu sich und ihrem Umfeld, indem sie zugab, während der fraglichen Zeitspanne sexuellen Kontakt mit anderen Männern gehabt zu haben. Das Gericht ist somit auf meine Klage eingegangen und hat ein zweites offizielles DNA-Gutachten in die Wege geleitet. Das Ergebnis vom ersten Test wurde ca. 2 Monate später vom IRM Zürich bestätigt. Somit lächelte mir der erste rechtliche Sieg gegen meine ehemalige Lebenspartnerin, in die ich einst volles Vertrauen hatte, unaufhaltsam entgegen. In meinem Unterbewusstsein war mir aber auch klar, dass es einen ganz großen Verlierer gab, nämlich das wehrlose und in jeder Hinsicht unschuldige Kind! Denn in den Augen sowie im Verstand des ahnungslosen Mädchens werde ich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit für immer der Vater bleiben!

Mitte September 2003 wurde das Urteil verfügt und anfangs Oktober 2003 den Parteien auf dem Postweg zugestellt. Nun war es soweit, ich hatte auf einem korrekten und vor allem «ehrlichen» Weg einen «Sieg» errungen, oder besser gesagt, meine Frau in eine Ecke drängen können, wo sie sich vielleicht über ihre bisherige Lebensweise einige Gedanken machen könnte. Mir ist natürlich auch klar, dass ich gegenüber ihr nicht zu viel erwarten darf. Einen Sieger gibt es wohl in einem solchen üblen Spiel nicht, sondern nur Verlierer. Doch einen winzig kleinen Trost hatte ich bei dieser tragischen Auseinandersetzung zu meinen Gunsten erwirken können. Ich hatte nun rund CHF 1000. pro Monat mehr zu meiner Verfügung. Doch es ist mir durchaus bewusst, welchen Preis ich dafür bezahlen musste und dies ist nicht sehr einfach zu verarbeiten und deshalb im direkten Vergleich nur ein Pappenstiel. Auf der anderen Seite habe ich nun wieder mehr Möglichkeiten meinen Hobbys nachzugehen und mit meinem völlig neu geschaffenen super Kolleg-(inn)en-Kreis mehr zu unternehmen, was mir wiederum sehr viel und gut bekommende Ablenkung verschafft. Diese neu gewonnene Flexibilität lässt mich wieder atmen, wodurch das Leben langsam wieder angenehmer und erträglicher wird. Wer weiß, vielleicht kann ich mir schon bald den heimlichen Wunsch von einem großen Motorrad erfüllen? Ein Wunsch, den ich vor einem Jahr schon fast für immer aus meinem Kopf verbannt hatte.

Am 9. Dezember des letzten Jahres konnte ich bereits wieder indirekt einen Triumph verbuchen. Die Abstimmung im Ständerat über die Herabsetzung der Trennungsfrist auf zwei Jahre wurde deutlich angenommen. Es war bestimmt nicht nur für mich eine Art Vorweihnachtsgeschenk. Da ein Referendum praktisch ausgeschlossen wird, kann man sich auf den Sommer freuen wenn das neue Gesetz aktiviert wird. Dies hat zur Folge, dass ich sodann im Oktober 2004 meine zwei Jahre durch habe und dann endlich die Möglichkeit bekomme, einen Schlussstrich ziehen zu können. Parallel dazu erhalte ich die Möglichkeit, den größten Teil der Altlasten wegzustecken, was einen Neuanfang enorm erleichtern wird. Aufgrund des Gerichtsurteils öffnen sich nun plötzlich neue Horizonte und ich habe nun die Möglichkeit eine Alimenten-Rückforderungsklage einzureichen. Da sich meine zukünftige Ex-Frau weiterhin vehement mit Händen und Füßen gegen eine Scheidung wehrt, der Grund dafür steht vermutlich in den Sternen oder sonst wo, werde ich diese besagte Klage nun im neuen Jahr zwangsläufig einreichen müssen.

Wie ich mit großer Freude erfahren durfte, waren ein weiterer Lichtblick für das laufende neue Jahr, die geführten Vermittlungsgespräche, die einen langsam aufbauenden Kontakt des Kindes zu den Großeltern wieder ermöglicht haben. Hoffentlich wird sich dieser Trend ganz im Sinne des Kindes weiter entwickeln. Was «meine» liebenswerte kleine Prinzessin angeht, lebe und vertrete ich noch immer folgendes Motto: Jeder kann ein Vater sein, doch nur jemand ganz besonderes ist ein Papa. Irgendwann wird dieses ahnungslose Kind sehr viele offene Fragen haben und jemand muss oder sollte in der Lage sein, diese beantworten zu können. Dass meine Frau dem gewachsen sein wird, muss ich leider sehr massiv bezweifeln. Dies wird jedoch definitiv nicht mein Problem sein, denn ich bin in der komfortablen Lage, bereits jetzt viele Fragen beantworten zu können. Diese ganze Sache hat bei mir sicher Spuren hinterlassen. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass ich durch diesen sehr mühsamen und mit großem Leid verknüpften Lebensabschnitt sehr viel gelernt habe und reifer geworden bin. Na ja, man lernt im Leben bekanntlich ja nie aus und einfach war das Leben noch nie. Mann muss einfach immer um jeden Preis versuchen, das Beste daraus zu machen. Lasst den Kopf nie hängen und schaut immer nach vorn, denn irgendwann geht es immer wieder bergauf!“

Quelle: http://www.mannschafft.ch

Wir danken dem Autor Thomas Müller und dem Schweizer Verein „mannschafft e.V.“ für die Bereitstellung dieser Geschichte.

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Über Marcus Spicker

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4 Antworten zu Meine Tochter ist gar nicht mein Kind – Eine Geschichte aus der Schweiz

  1. Christine schreibt:

    Ihr Lieben, in meinem Umfeld gibt es das Thema ebenfalls, ich habe darüber nachgedacht, wie es den betroffenen Personen wohl geht.
    Also die Kinder sind am ärmsten, sie lieben ihre vermeintlichen Väter, deshalb empfehle ich die Kinder nicht noch mehr leiden zu lassen, indem der Kontakt zu Ihnen abgebrochen wird.
    Wie der Ziehvater mit der Mutter des Kindes umgeht, dazu habe ich keine Empfehlung, das ist wohl von Fall zu Fall verschieden.
    Aber wie sich die Kuckuckskinder ihrer Mutter gegenüber verhalten, dazu möchte ich nur zu bedenken geben, dass sie Dir das Leben geschenkt hat… sie hätte sich auch gegen Dich entscheiden können.

    Ich bin übrigens dagegen, dass im Krankenhaus festgestellt wird wer der Vater ist. Das führt nur zu mauscheleien, besser finde ich das Bewusstsein der möglicherweise betroffenen Menschen zu wecken, damit sie sich selber auf die Suche nach der Wahrheit machen.

    Ich habe bisher immer geschwiegen, wenn ich so etwas wie ein Kuckuckskind entdeckte, jetzt wo ich von der Not der etroffenen Personen gelesen habe, überdenke ich meine bisherige Haltung.

    Ich wünsche Euch die Ihr betroffen seid, dass Ihr verzeihen könnt, Euch selbst zuliebe, denn Groll macht krank. Und dass Ihr einen guten Weg für Euch selber findet.

    Gottes Segen Euch, die ihr dies liest!

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Hallo Christine,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Groll ist tatsächlich schädlich, und zwar für den, der ihn hat. Für uns Kuckuckskinder, Scheinväter und Väter ist es hilfreich, dass unsere Situation anerkannt wird. So, wie Du es gerade z.B. gemacht hast. Es freut mich sehr, dass Du die Not der (meist schon erwachsenen) Kinder siehst und Deine Position, zu Schweigen neu überdacht hast.

      Hast Du etwas beruflich mit Erziehung, Medizin oder Psychologie zu tun?

  2. oktobly@gmail.com schreibt:

    ich habe eine ähnliche Situation. Jetzt habe ich mich entschieden ein DNA Test in Holland zu machen. Ich kann wirklich jedes Wort verstehen und habe sogar Tränen im Auge während ich das lese. Ich hoffe nur dass es mein Kind ist, weil ich nicht weiß was ich ohne ihm mache!!

  3. Pingback: Grundsatzurteil – Gericht erkennt Anspruch auf Vaterschaftstest an – Schweiz | kuckucksvater

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