Vom betrogenen Kuckucksvater zum Buhmann der Familie – Die Geschichte von Kuckucksvater René


Titelbild

Vom betrogenen Kuckucksvater zum Buhmann der Familie – Kuckucksvater René berichtet

Welch seltsamen Auswüchse und Folgen das Unterschieben eines Kindes auch nach Jahrzehnten noch haben kann, schildert hier Kuckucksvater René*:
„1973 habe ich geheiratet. Damit fing alles an. Wahrscheinlich war eine Art Trotzreaktion dabei, weil meine Eltern aus damals für mich nicht nachvollziehbaren Gründen gegen diese Beziehung waren. 1975 kam unsere erste Tochter Adele* zur Welt. Sehr schnell begann ich allerdings, mich in dieser Ehe nicht wohlzufühlen; meine Frau Eva* anscheinend auch nicht, denn sie machte schon bald, d.h. nach etwa 3 Jahren Ehe mit einem anderen Mann rum.
Nun wird es interessant: Im Herbst 1978 schickte sie mich mit unserer Tochter Adele auf einen einwöchigen Kurzurlaub mit der Begründung, dass sie sich sonst nicht in Ruhe auf das bevorstehende Examen vorbereiten könne. Wieder zu Hause erfuhr ich zu meinem Ärger, dass sie sich trotzdem nicht hatte konzentrieren können. Es kam in der Zeit danach im Bett zwar zu ein paar Spielereien, aber zu keinem Koitus. Einen Monat später stellte sich heraus, dass Eva schwanger war. Trotz Spirale! Naja, das Leben geht manchmal seltene Wege … . Ich fragte sie aber auf Ehr und Gewissen, ob dies mein Kind sei, und Eva bejahte dies eindringlich und für mich glaubhaft (vielleicht wollte ich das auch).
1980 lernten wir dann ein Ehepaar kennen und tauschten die Partner mit der Folge, dass ich mich in die andere Frau verliebte und an ihr hängen blieb. 1982 Scheidung. Ich hatte keinen Anwalt dabei und der Richter drängte mich, das Sorgerecht allein auf Eva zu übertragen, damit es „nicht erneut eine Quelle zum Streiten gebe“. Eva bestimmte fortan das Besuchsrecht: 1 Samstag im Monat von 10.00 h bis 19.00 h !!! Urlaub nur, wenn ich ihn mit den Kindern außerhalb des Wohnortes verbringe. Oft geschah es, dass die Kinder nicht pünktlich kamen, aber wenn ich den „Abgabezeitpunkt“ versäumte, machte Eva mir die Hölle heiß. Ca. 1985 heiratete Eva wieder und bekam vom neuen Mann zwei Kinder. Im Hinterkopf wuchsen allerdings zu der Zeit leise Zweifel, ob das jüngere Kind Uschi* wirklich meines sei. Ich fand keinerlei Ähnlichkeiten mit mir oder meiner Ex-Frau. Egal, sie war mein Liebling.
Bis zur Konfirmation kamen die Kinder regelmäßig. Die Besuche verliefen in meinen Augen stets in Harmonie und entspannt. Mit dem Zeitpunkt der Konfirmation stellten eine nach der anderen dann die regelmäßigen Besuche ein mit der Begründung, dass sie nun selbst entscheiden könnten, wann sie kommen wollten. Von da an kamen sie nur noch sporadisch und nach meiner Meinung ziemlich lustlos. Es traf mich schon tief und ich vermutete, dass Eva dahinter steckte. Die ältere verriet mir einmal, dass, wenn sie beide gut gelaunt vom Besuch bei uns heimgekommen sind, ihre Mutter schlecht gelaunt war.
In den nächsten Jahren zeigte sich, dass meine Töchter eine nach der anderen vorzeitig das Gymnasium verlassen hatten. Adele heiratete schon mit 18 Jahren.
Leider, leider zerbrach auch meine zweite Ehe. Nachdem ich mich scheiden lassen habe, wurde meine Ex-Frau besonders aggressiv. Ich lernte dann eine Frau kennen, mit der ich heute noch glücklich bin. Aber was mussten wir uns alles anhören. So trafen wir uns einmal zufällig in einem Laden, in dem ich für meine schwangere Tochter etwas aussuchen wollte. Dort erklärte Eva meiner neuen Partnerin, dass sie in unserem Wohnort nichts zu suchen hätte!!! Wenige Wochen später bekam ich von meiner Tochter Adele anlässlich meines Besuchs bei ihr im Krankenhaus nach ihrer Entbindung zu hören, dass sie mich dort nicht mehr sehen möchte, da ihre Mutter nicht wünschte, mit mir zusammen zu treffen. Viele andere unerfreulichen Sticheleien übergehe ich hier.
Irgendwann wurde dann auch ein Hausverbot gegen mich ausgesprochen. Jedenfalls beschloss ich damals, endgültig Klarheit über die Abstammung meiner zweiten Tochter zu bekommen und ließ einen Gentest machen. Ergebnis: Vaterschaft zu hundert Prozent ausgeschlossen und ich bin somit ein Kuckucksvater. Eva entschuldigte sich zwar dafür; angeblich war sie immer überzeugt, dass es mein Kind sei. Nachdem ich aber von der älteren Tochter hörte, dass es auch möglich sei, dass ich zuvor mit einer Frau geschlafen haben könne, die ebenfalls kurz vorher mit einem anderen Mann Verkehr gehabt haben könne, entstanden Zweifel an der Aufrichtigkeit von Eva, denn wie kommt meine Tochter auf so eine abstruse Idee? Meine Anwältin machte mich dann auch darauf aufmerksam, dass ich selbst die Vaterschaft aberkennen lassen könnte. Nach einiger Überlegung stimmte ich dem zu, weil zu viele negative Dinge passiert waren und Eva immer wieder die Töchter gegen mich beeinflusst hatte. Ich erklärte aber meiner Tochter Uschi, dass ich gerne unsere Beziehung fortsetzen möchte. Sie war zu dieser Zeit 17.
Doch brach sie daraufhin jeden weiteren Kontakt zu mir ab. Kurze Zeit danach heiratete sie ebenfalls, ohne mich einzuladen. Das war 1997.
Auch die ältere stellte dann ihre Kontakte zu mir ein, mit der Begründung, dass ihre Mutter nicht aushalte, mich bei ihr zu sehen. In der Folgezeit bekam sie zwei Kinder. Mir wurde immer mehr bewusst, wie sehr mir der Umgang mit meinen Enkeln fehlte, (natürlich auch der mit meiner Tochter), und ich begann, meine Tochter zu bearbeiten, dass sie ihren Kindern doch den Opa nicht so vorenthalten könne. Sie begann dann im Jahr 2006 mit Besuchen.  Jedes Mal freute ich mich sehr, wenn ich meine Enkelkinder sehen konnte und schöpfte die Hoffnung, dass wenigstens dieser Kontakt sich nun glücklich entwickeln würde. Doch bald schon ließ meine Tochter die Katze aus dem Sack: Ich solle Uschi doch adoptieren. Ich lehnte dies ab, denn wie diese mir einmal in einer Mail mitteilte, ginge es ihr besser, wenn sie mich nicht sehe und ich keinen Grund sah, jemanden, der mich seit 10 Jahren ablehnt, zu adoptieren. Seither gibt es auch keinen Kontakt mehr zu Adele und auch nicht mehr zu ihren Kindern; nicht einmal telefonischen.
Wie gesagt, vieles habe ich ausgelassen, weil es den Rahmen sprengen würde. Eines muss ich jedoch noch anmerken: auch das Jugendamt hat mich nicht unterstützt!“
Kuckucksvater René
* Namen geändert

René möchte anonym bleiben, weil er die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat eines Tages seine Töchter und Enkelkinder wiedersehen zu dürfen.

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Über Marcus Spicker

Bio-Vater, sozialer Vater und Kuckucksvater, Allgäuer, Blogger http://www.kuckucksvater.wordpress.com Fußball, Politik, Bildung
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