Zum Kuckuck mit diesem Tabu!


Im ‚Sonntag Morgenmagazin‘ erschien am 7.8.2011 eine Kurzfassung der Kuckuckskindgeschichte von Immo Lünzer – mit regionalem Bezug –  mit dieser wunderschönen Überschrift. Der Autor ist Dr. Rüdiger Maskus. 

Es geht um eines der letzten Tabus in unserer Gesellschaft: Ein Mittelhesse, der mittlerweile in Südhessen lebt und selbst betroffen ist, versucht dieses Thema mehr an die Öffentlichkeit zu bringen. Erst im Alter von 42 Jahren hatte Immo Lünzer erfahren, dass er ein sogenanntes Kuckuckskind ist. Da hatte er schon

selber eine eigene Familie mit zwei Kindern (heute 26 und 29 Jahre alt). Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat auf der Titelseite unter der Überschrift »Väter können aufatmen« nach einer allerdings gewagten Studie behauptet, dass nicht einmal ein Prozent der Kinder nicht vom »richtigen« Vater sind. Dazu kamen zwei solcher vom Kuckucksfaktor Betroffener auf Seite 10 zu Wort, einer davon der heute 57 Jahre alte Lünzer. Im Bericht selber fehlte aber jeglicher Bezug zu Mittelhessen und wir fragten bei Immo Lünzer einfach nach, um weitere Informationen zu bekommen. Er selbst geht davon aus, dass die genannte Zahl weitaus höher liegen dürfte. »Ich glaube, es dürfte gut zehn Prozent Kuckuckskinder geben«, so Lünzer, der für Aufklärung wirbt, denn schließlich sei es ein Grundrecht eines jeden Kindes zu erfahren, woher es stammt. »Allein bei einem Arztbesuch komme ich sonst bei der Frage ›Was für Krankheiten hat Ihr Vater?‹ ins Stottern.« Am besten sollten die Kinder rechtzeitig aufgeklärt werden, nach Lünzers Worten »zwischen sieben Jahren und kurz vor dem Eintritt in die Pubertät«. Da seine Mutter und seine Väter bereits verstorben sind und somit keine Rücksichten genommen werden müssen, hat sich Immo Lünzer zu seinem Namen bekannt. Sein sozialer Vater war ein bekannter Rechtsanwalt in einer Gießener Societät und besaß ein großes Haus im Seltersweg, wo sich jetzt die Geschäfte »Kochlöffer«, die Boutique Bonita und die Bäckerei Viehmeier (früher einmal »Schade & Füllgrabe«) befinden. Der vermögende Vater hat ihm genügend vermacht, sodass Dipl. Ing. Immo Lünzer seinen Beruf als Agrarjournalist und Stiftungsvorstand nicht mehr ausüben musste. Heute engagiert er sich als Stifter, und als Karma-Coach hat er unter seinen Kunden auch einige Kuckuckskinder. Wer könnte sich auch  besser als Lünzer mit diesem Thema befassen? Dazu gibt es zudem unter https://kuckucksvater.wordpress.com/ einen Blog im Internet, bei dem Lünzer mitarbeitet. »Das alles war und ist ein ganz besonderer Schicksalsschlag, der mich natürlich auch nach den schicksalshaften Ursachen fragen ließ und so ging ich zu diversen Psychologen und Psychotherapeuten, die mir aber nur teilweise helfen konnten. Schließlich bin ich immer tiefer in die Materie eingetaucht und habe intensiv daran gearbeitet. Vor einigen Jahren konnte mir eine Rückführungstherapie helfen, die seelische Belastung zu verarbeiten. So habe ich eine fünfjährige Ausbildung als Karma-Coach und Rückführungscoach absolviert und helfe nun anderen Menschen, ihre alten Traumata zu verarbeiten und ihr Leben aktiv selbst zu gestalten (www.Karmakultur.de).«

»Mein Vater wollte mir das schon rechtzeitig mitteilen, aber meine Großmutter übte Druck auf ihn aus, nichts zu sagen. Im Zweifel halten die Frauen zusammen«, so Lünzer. So ist es vermutlich auch kein Zufall, dass es »mehr männliche als weibliche Kuckuckskinder gibt«. »Wir müssen etwas ändern«, denn bei einem diesbezüglichen Verdacht müssten erst zu viele juristische Hürden genommen werden.

Immo Lünzer besuchte die Liebigschule in Gießen und war sogar Stadt-Schulsprecher. Drei Jahre vor dem Abitur lernte er seine Frau Susanne dort auf der Lio kennen, mit der er nun in der Nähe von Darmstadt lebt. Hätte Lünzer gewusst, von wem er abstammte, wäre sein Leben anders verlaufen, denn er musste ständig um Anerkennung kämpfen. Das Leben mit seinem Vater war distanziert, und »ich kämpfte um Zuneigung«. Als er immer mehr ins Grübeln kam, outete sich der Rechtsanwalt zur späten Stunde bei einem Gespräch und nannte dem damals 42-Jährigen den Namen seines Erzeugers. So verstand er jetzt, warum seine Kinder nicht Opa zu ihm sagen und zudem nie ins Ferienhaus an der Ostsee durften. Seine Eltern hatten sich scheiden lassen, da war Immo erst acht Jahre alt. Da er in Gießen viele Freunde hatte, wollte er seiner Mutter nicht in ihren neuen Wohnort Kassel folgen. So wuchs der Junge mit der neuen Frau auf. Nach dem Outing des Vaters stritt die leibliche Mutter erst einmal alles ab, um dann doch den Namen des biologischen Vaters zu nennen. Bei einem späteren gemeinsamen Treffen habe dieser dann bestätigt, sich an die Anordnung gehalten zu haben, nichts zu sagen. Zunächst kamen bei Immo Lünzer keine besonderen Gefühle auf, er blieb ihm fremd. Es waren allerdings weitere Besuche geplant, »doch wenige Monate danach starb 1997 zunächst er und wenige Wochen darauf meine Mutter«. Immo Lünzer wird ganz sicher noch einmal nach Gießen kommen, zu einem besonderen Anlass, der an seine Vergangenheit erinnert: Am 30.8.2014 zum Klassentreffen der Abiturienten, deren Schulabschluss dann 40 Jahre zurückliegt. Für Immo Lünzer war übrigens die Wahrheitsfindung »wie eine Erlösung« und er ist seinem »Kuckucksvater« sehr dankbar, dass er ihn auch so großgezogen und letztlich geliebt hat.

Quelle: Sonntag Morgenmagazin vom 7.8.2011, Autor: Dr. Rüdiger Maskus

Vielen Dank für die Veröffentlichungsgenehmigung.

Vaterschaftstest, das Ende eines Geheimnisses

© by Nel (Ioan Cozacu) - http://www.nelcartoons.de

Advertisements

Über luenzer

karmacoach, rückführungstherapeut, lebensberater, biografieentwickler, agrarökologe, freier publizist
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Kuckuckskind abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Was ist Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s