Schweiz – Väterverein mannschafft fordert: Vaterschaftstest nach jeder Geburt und Abschaffung des Ehegatten-Unterhalts


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Das Kuckucksvaterblog-Team dankt dem schweizer Väterverein  Mannschafft und dem Autoren Thomas Müller für die Veröffentlichungsgenehmigung des Artikels aus der Ent!scheidung Nr. 121 Jhrg. 2011.

An der kommenden Generalversammlung von mannschafft am 3. Mai 2011 wird der Vorstand seinen Mitgliedern um Unterstützung für zwei grundlegende Forderungen bitten, die unsere Situation als Väter und geschiedene Männer zentral betreffen. Einerseits wollen wir die flächendeckende Abklärung der Vaterschaft bei der Geburt mittels DNA-Test. Zum anderen betrifft es die Neuregelung des Unterhaltsrechts im Lichte der Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Mit ihrem Vorstoss hat Bundesrätin Sommaruga zu diesem Thema die Büchse der Pandora geöffnet…

Feststellung der Vaterschaft nach jeder Geburt

Über die Anzahl ‚Kuckuckskinder‘ gibt es kaum gesicherte Erkenntnisse; verschiedene Studien sprechen von 0.4 bis zu 12 % aller Kinder, denen die Mütter nicht den biologischen Erzeuger als Vater nennen – angesichts der hohen Zahl von Geburten ein Phänomen beträchtlichen Ausmasses. Gesichert sind hingegen die psychologischen Folgen für das Kind, den gehörnten Pseudovater wie auch den biologischen Vater: Schwere Traumatisierungen aller Opfer dieses Betrugs sind an der Tagesordnung. Dazu kommt auch der finanzielle Schaden für den angeblichen Vater.

Für uns sind solche (zu weiten Teilen gesetzlich legitimierten) Betrügereien nicht mehr hinnehmbar; dies umso mehr, als dass heute probate Mittel existieren, um eine Vaterschaft zweifelsfrei nachzuweisen.

Deshalb fordern wir, dass in Zukunft nach jeder Geburt von Amtes wegen ein Abstammungstest durchgeführt wird, mit dem die Vaterschaft eindeutig bestimmt und in der Geburtsurkunde vermerkt wird. Damit wird diesem Betrug des Kindes und ‚beider‘ Vätern rasch und nachhaltig ein Riegel vorgeschoben. Dies ist die einfachste, gründlichste und auch menschlich korrekteste Form, dem Recht des Kindes auf die Kenntnis seiner Abstammung Nachachtung zu verschaffen – und auch dem legitimen Wunsch von Männern nach Schutz vor emotionalem und finanziellem Betrug. Bereits die Tatsache, dass eine Betrügerin spätestens nach der Geburt auffliegen würde, liesse die Zahl ‚falscher‘ Väter drastisch sinken.

Als zweitbeste Alternative könnten wir uns vorstellen, die heute bestehenden massiven Hürden für eine Feststellung der Vaterschaft (und deren allfälligen Anfechtung) zu beseitigen. Heute ist es für einen zweifelnden Vater ohne Zustimmung der Mutter (die im Streitfall kaum erteilt würde) oder der Behörden unmöglich, legal einen Vaterschaftstest durchzuführen. Es ist die Absicht des Staates (mit allerlei Ausflüchten) unter allen Umständen einen Zahlvater für das Kind zur Verfügung zu haben und die betrügende Mutter so weit wie möglich zu schützen.

Wir verlangen, dass sowohl ein rechtlicher Vater, aber auch das Kind und auch jeder Mann, der eine mögliche Vaterschaft glaubhaft macht oder abstreiten will, zu jeder Zeit einen Test zur Klärung der Abstammung durchführen lassen kann. Dies soll nicht wie heute auf dem (zwischenmenschlich und finanziell sehr belastenden) Weg über das Gericht erfolgen müssen, sondern unter einfacher Anzeige an die Vormundschaftsbehörde, die für eine ordnungsgemässe Abwicklung eines solchen Tests zuständig wäre. Ein mutmasslicher Vater, der heute ohne Zustimmung  der Mutter in der Schweiz einen Abstammungstest durchführen lässt, macht sich nach dem Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen Art. 34 und 36 strafbar.

Gleichzeitig verlangen wir auch die Schaffung einer Strafnorm für jene Mütter, die wider besseres Wissen oder trotz erheblicher Zweifel einen Mann als Vater ihres Kindes bezeichnen, der dies gar nicht ist. Es mag sein, dass sich solche Frauen zum Zeitpunkt der Schwangerschaft und Geburt in einer schwierigen emotionalen Lage befinden. Dies rechtfertigt doch unter keinen Umständen einen so massiven Betrug am eigenen Kind oder einem Mann, der sich diesbezüglich nichts hat zuschulden kommen lassen. Trotz verständlichem Wunsch, nicht für die Finanzierung der mütterlichen Untreue herangezogen zu werden, darf auch der Staat nicht zum Helfershelfer einer kriminellen Handlung werden. Beide Eltern sollten sich vorher überlegen, welche Konsequenzen ihr Handeln diesbezüglich hat und diesen ins Auge sehen.

Letztlich geht es um eine ethische Frage: Soll das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung und eine Beziehung zum leiblichen Vater über die finanzielle Entlastung des Staates und den Schutz hinterhältiger Mütter gestellt werden? Haben Männer kein Recht auf Schutz vor Lüge, Betrug und emotionalem Missbrauch? Wir glauben: Doch. Oder um es in den Worten der feministischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu sagen: „Die Wahrheit kann den Menschen zugemutet werden.“

Neuregelung des Unterhaltsrechts: Ehegatten-Alimente müssen weg!

Die neue Bundesrätin Simonetta Sommaruga stört sich an der Tatsache, dass nach einer Scheidung im Mankofall eine allein erziehende Mutter zum Sozialamt muss, während dem Vater trotz vollem Arbeitspensum das Existenzminimum gelassen wird.

Wir lehnen die Verknüpfung von Unterhaltsfragen mit der seit langem überfälligen und vom Europäischen Gerichtshof für die Menschenrechte mehrfach angemahnten Gleichstellung von Vater und Mutter ab. Sie ist ungehörig und als politischer Schachzug zu verstehen, die gemeinsame elterliche Sorge weiter zu verzögern. Sommarugas Vorgehen hat uns jedoch bewogen, uns grundlegende Gedanken über die herrschende (und Männer massiv diskriminierende) Unterhaltspraxis zu machen und eine völlige Neugestaltung zu fordern

Es fällt auf, dass die heutigen gerichtlichen Unterhaltsregelungen von klischeehaften Vorstellungen ausgehen, die in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gar nicht mehr gegeben sind. So waren z.B. in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Frauen gesellschaftlich für eine Rolle als Hausfrau und Mutter bestimmt. Im Falle einer Scheidung war es ihnen kaum möglich, für sich selbst zu sorgen, weil ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt praktisch versperrt war, während das Einkommen des Mannes für die Ernährung einer Familie dimensioniert war. In einer solchen Situation hatten lebenslange Ehegatten- Alimente durchaus ihren Sinn. Heute jedoch sind Frauen kein blosses Anhängsel ihrer Männer mehr, sondern sind vollwertige Teilhaberinnen am Arbeitsleben. Sie können dadurch auch wirtschaftlich auf eigenen Füssen stehen – wir sehen keinen Grund, weshalb sie dies nach einer Scheidung nicht tun sollten.

Eine grundlegende Neuordnung des Unterhaltswesens ist deshalb angesagt – nicht zuletzt deshalb, weil die betroffenen Väter mehr Erziehungsverantwortung übernehmen wollen bzw. sollen und sich nicht mehr auf eine Rolle als Cyborg (halb Arbeitstier, halb Bancomat) reduzieren lassen wollen.

Die Grundlage unserer Überlegungen ist der Gesetzesvorschlag, den unser Dachverband GeCoBi vor drei Jahren vorgestellt hat. Dieser geht davon aus, dass die gemeinsame elterliche Verantwortung nach einer Trennung oder Scheidung grundsätzlich die je hälftige Betreuung und Versorgung der gemeinsamen Kinder umfasst. Dieser Ansatz ist die Ausgangslage für eine möglicherweise von diesem Prinzip abweichende individuelle Regelung von Betreuungsanteilen und Unterhaltsleistungen durch die Eltern – eine Regelung, die ihren Lebensumständen entspricht und die sie selbst besser treffen können als eine aussen stehende Drittperson. In diesem Modell gibt es vom Prinzip her grundsätzlich keine Unterhaltszahlungen für Kinder; die Eltern erbringen beide die gleiche Betreuungsleistung und müssen lediglich die Barauslagen für die Kinder (z.B. Krankenkasse, Kleider) untereinander aufteilen.

Wenn jedoch ein Elternteil überanteilig betreut, hat er auch Anrecht darauf, vom anderen Elternteil dafür entschädigt zu werden. Wie hoch soll diese Entschädigung sein? Dies ist grundsätzlich Verhandlungssache, denn zu unterschiedlich sind die Ausgangsbedingungen. Dennoch ist es ratsam, einige ökonomische Überlegungen anzustellen. Wenn (dem Klischee folgend) ein Mann voll arbeitet und die Mutter sich um die Kinder kümmert, muss sie auf das Einkommen verzichten, das sie während der zweieinhalb Wochentage hätte erzielen können, würde der Vater die Kinder gemäss seinem Anteil betreuen. Würde der Vater die Kinder trotzdem in seiner Obhut haben, müsste er die Kinder während dieser Zeit in eine Krippe bzw. Tagesstruktur geben, was für ihn nicht unbeträchtliche Kosten verursachen würde. Es ist für ihn vom finanziellen Aspekt her unerheblich, ob er diese Summe an die Krippe oder die Mutter zahlt. Eine Mutter, die in dieser Zeit die Kinder betreut, erbringt eine Leistung, die der Vater nach marktgängigen Massstäben wie den Kosten für Tages- und Abendbetreuung zu entschädigen hat.

Es kann also durchaus sein, dass nach diesem Modell ein paritätisch betreuender Vater zum Sozialamt muss, weil er mit seinem reduzierten Einkommen nicht für sich und seine Kinder sorgen kann. Es ist jedoch ein himmelweiter Unterschied, ob ein solcher Vater zum Sozialamt muss, der seine Kinder mit betreut und erzieht – oder jemand, der wie heute von der Kindererziehung ausgeschlossen und trotz vollem Arbeitspensum faktisch in die Sklaverei geschickt wird.

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7 Antworten zu Schweiz – Väterverein mannschafft fordert: Vaterschaftstest nach jeder Geburt und Abschaffung des Ehegatten-Unterhalts

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  3. mir bekannt schreibt:

    Es gibt eine bessere Lösung: Der Mann gibt unter notarieller Aufsicht seinen Samen in ein Glas, welches der Notar dem Arzt gibt und dieser bringt den Samen unter notarieller Aufsicht zur Eizelle der Frau. So wird die Vaterschaft notariell sichergestellt und beglaubigt.
    Anschließend muss Mann sich sterilisieren lassen. So ist sichergestellt, dass es zu keinem Kuckuckskind kommen kann. Ein Vaterschaftstest wird somit überflüssig. Dem Notar und dem Arzt (beide ebenfalls Männer) wird Mann ja vertrauen, nur Frau nicht.

    • Max Kuckucksvater schreibt:

      Der eigenen Frau traut ‚Mann‘ für gewöhnlich – genau aus diesem Grund ist es ja auch ein leichtes, dem Mann ein Kind unterzuschieben und dem eigenen Kind einen wichtigen Teil dessen Identität zu berauben. Kaum ein Mann unterstellt seiner Frau, fremdgegangen zu sein – das macht es auch so schwierig für uns Männer sich bewußt zu werden, dass wir alle nur Menschen sind – somit fehlbar. Doch der Staat sollte sich dessen im Klaren sein, dass so lange die Vaterschaft nicht erwiesen ist, die Identität des Kindes auf dem Spiel steht.
      „Mirbekannt“ Dein Zynismus in allen Ehren, aber dann liefere doch wenigstens ein in sich schlüssiges Konzept bitte. 😉

  4. Pingback: Obligatorischer Vaterschaftstest nach jeder Geburt? Ja od. Nein? - Lovetalk.de

  5. Pingback: Obligatorischer Vaterschaftstest nach jeder Geburt? Ja od. Nein?

  6. immo lünzer schreibt:

    Auch aus der Sicht eines Kuckuckskindes halte ich das für einen notwendigen Schritt und hoffe, dass dies in immer mehr Ländern eingeführt wird.
    Und ich denke, dass es letzlich auch im Interesse der Mütter ist, in so einer gravierenden Frage bei Zeiten für Klarheit zu sorgen!

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