Erzwungener Stillstand – Meine Suche nach Identität und Wahrheit – Teil 7 – von Marta Pandora


Zeichnung von F.S. Church aus dem 19. Jhdt.

Die Büchse der Pandora – von F.S. Church

Dass das Warten auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes so viel Zeit in Anspruch nehmen würde, davon ist wohl keiner der Beteiligten ausgegangen. Zumindest ich nicht. Anfangs dachte ich, es bricht eine Welt über mir zusammen. Ich konnte mich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass er, mein möglicher Erzeuger, es tatsächlich fertig gebracht hat, Verfassungsbeschwerde einzureichen. Er beschwert sich darüber, dass ich mein Recht auf Kenntnis der Abstammung durchsetzen möchte.

Monatelang verhielt ich mich wie ein aufgescheuchtes Huhn. Ich sah auf die Internetseite, sah Entscheidungen und war immer wieder aufs Neue enttäuscht nicht das zu lesen, was ich mir wünschte, nämlich eine Entscheidung. Das Warten wurde zur Qual, der ich mich nicht ausliefern wollte. Ich fing an, mich mit dem Gedanken anzufreunden, mich nicht in eine Abhängigkeit des obersten Gerichts zu begeben und konzentrierte mich wieder mehr auf mein Leben.

Ich unternahm viel mit meinem möglichen Halbbruder, den ich Anfang 2010 kennenlernte und der aber , wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, nicht so zu mir stand, wie ich es mir erhofft hatte.  Unsere Wege trennten sich wieder nach einer Auseinandersetzung mit seiner Frau. Anfangs gab es mehrere kleine, ich nenne es mal Zwischenfälle, die ich nicht wahrnahm, nicht wahrnehmen wollte. Zu gierig war ich auf ihn, ich hatte Herzklopfen wenn er bei mir anrief, wollte – musste ihn sehen. Meine Gier war groß, ich wollte und suchte seine Nähe, musste bei ihm sein. Dies kann jedoch nur jemand nachvollziehen, der Ähnliches erlebt hat! Es war die Neugier, zu erfahren woher komme ich, wie sieht der andere Teil meiner Herkunft aus.

Diejenige, die am wenigsten damit umgehen konnte, dass ich ihn sehen wollte, war die Ehefrau. Sie fing an zu intervenieren, die gemeinsamen Aktivitäten wurden weniger, er rief weniger an, ich wurde weniger eingeladen und war weniger dabei.

Unterschwellig habe ich es seit dem Sommer dieses Jahres gespürt. Irgendetwas hatte sich verändert, der Zuspruch der mir anfangs entgegengebracht wurde, nahm ab. Mehr und mehr fing er an mich zu bevormunden, gab mir Ratschläge, die ich nicht verstand. Ich war diejenige, die die Lüge von Seiten des möglichen Erzeugers, in deren Familie nun auch körperlich und mit Geist und Seele verkörperte. Meine Vermutung lag darin, dass es schwer war, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.

Nur Menschen, die es selbst erfahren haben, können nachvollziehen wie es sich anfühlt, der Identität beraubt zu sein, wie es sich anfühlt, zu kämpfen um sein Recht auf Kenntnis der Abstammung.

Immer und immer wieder war mein möglicher Erzeuger Thema, wurde es nicht von mir geschürt, schürte er es. Später wurde es so dargestellt, als sei es ständig von mir ausgegangen.

Es gab an einem Sommertag in diesem Jahr eine starke Auseinandersetzung mit seiner Frau. Ich hatte etwas zur Sprache gebracht, was ihr nicht passte, sie schrie mich an, drohte mir mit dem Finger und meinte, ich solle meine Sachen holen (ich wollte dort schlafen). Ganz spontan ging mir durch den Kopf, sobald ich den Mund auf mache und Kritik äußere, geht die Beziehung kaputt.

Ich schrieb ihr eine Mail und bot ihr an, unseren Konflikt alleine auszutragen, indem wir uns treffen und miteinander reden. Ausgelegt wurde es jedoch anders.

Am Tag darauf bekam ich eine Mail, in der es hieß, dass sie erst einmal in Ruhe darüber nachdenken müssen, wie sie ihr weiteres Leben mit mir verbringen wollen. Noch eine Abfuhr von der Seite meines möglichen Erzeugers hätte ich nicht verkraftet. Ich schrieb ihnen, dass ich mich von ihnen verabschiede, ich nicht duckmäusere, nur weil sie den Namen meines möglichen Erzeugers tragen.

Ich konnte es nicht begreifen, dass er so reagierte, weil ich einen Konflikt mit seiner Frau hatte. Aber schon im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die Ehefrau alles steuert. Ich schrieb ihm noch eine Mail, in der ich Dampf abließ und ihn drauf aufmerksam machte, wie sehr er in Abhängigkeit stünde. Danach fühlte ich mich besser. Ich wollte nicht kämpfen um Anerkennung der anderen Seite, das habe ich nicht nötig.

Es kam eine Mail von meiner Anwältin mit einem Anhang. Ein Brief wurde von meinem möglichen Halbbruder und seiner Frau  verfasst, in dem mir Unterlassungsklage angedroht wurde, sofern ich ihn – meinen möglichen Halbbruder, belästigen, sein Grundstück betreten, ihn im Internet verfolgen und ihn als möglichen Bruder betiteln sollte. Das kam mir bekannt vor, ließ nicht auch mein möglicher Erzeuger verlauten, dass ich ihn nicht als Vater bezeichnen darf, dass ich keinen Kontakt zu ihn aufnehmen darf? Er ist ihm so ähnlich.

Unter anderem wurde mir vorgeworfen, ich hätte mir das Vertrauen erschlichen und in deren Ehe eingegriffen.

Eine Abschrift des Briefes wurde auch an den gegnerischen Anwalt meines möglichen Erzeugers gesendet. Zuvor hatten sie versucht mir diesen Brief per Einschreiben zu senden, den ich nicht annahm. Wieder einmal wurde ich so behandelt. Damit es nicht weiter ausartete, brach ich, nicht er, den Kontakt ab.

Ich dachte: „So geht es mir, ich habe den Mund geöffnet, habe geschrieben, wie ich die Situation sehe und dass einiges im Argen liegt und werde verstoßen.“

Das zu glauben viel mir anfangs schwer, doch mit der Zeit bemerkte ich, wie es mir immer besser ging. Mir geht es besser als je zuvor. Ich höre nichts mehr von der Familie und nichts mehr von den Schandtaten, die mein möglicher Erzeuger begangen haben soll.

Sie und Er, mein möglicher Halbbruder und meine mögliche Halbschwägerin haben nichts verstanden, absolut nichts. Anfangs war ich interessant, eine Fremde, die die Schwester sein soll, Neugier wurde befriedigt, dann traten Probleme auf und ich sollte wieder mal verstoßen werden. Das ließ ich nicht zu.

Marta

Fortsetzung: Ich werde meinen Weg bis zum Ende gehen – Meine Suche nach Identität und Wahrheit – Teil 8 – von Marta Pandora

Hier geht es zum Anfang der Geschichte: Die Standesbeamtin machte mich stutzig – Meine Suche nach Identität und Wahrheit – Teil 1 – von Marta Pandora

Über meine Kindheit berichte ich hier: Der Blick zurück – Meine gestohlene Kindheit – Teil 1 von Marta Pandora

 

 

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Über Marta Pandora

Geboren als: Ein Wechselbalg ist ein untergeschobener Säugling (veraltet „Balg“). Dies ist häufig ein negativ besetztes Synonym für ein Kuckuckskind beim Menschen Aufgewachsen in einer fremden Familie! Kämpft seit 1995 um die Anerkennung der Vaterschaft.
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5 Antworten zu Erzwungener Stillstand – Meine Suche nach Identität und Wahrheit – Teil 7 – von Marta Pandora

  1. Petra schreibt:

    Liebe Marta, gege deinen Weg, bleibe dir treu.

  2. charlotte schreibt:

    ich nehme mal an diejenige die hier daumen runter gedrückt haben sind irgendwie an dieser Geschichte beteiligt… das passt vollkommen.. dazu diese Reaktion…

  3. Bea schreibt:

    So schlimm was dir passiert ist, ich wünsche dir Kraft und Mut deinen Weg weiterzugehen und dass du es schaffst, dich vor den Menschen schützen die dich einfach nicht verdient haben – ich kann dich sehr gut verstehen,- alles Liebe – Bea

  4. anitaregina schreibt:

    Liebe Marta,
    Leider gibt es Menschen die nur solange zu einem stehen solange man nicht den Mund aufmacht, resp. sagt was sie hoeren wollen. Das sind aber nicht die Menschen welche wir als wahre Freunde bezeichnen. Leider erkennt man das in gewissen Situationen nicht gleich auf Anhieb, speziell wenn man sich den Kontakt so sehr wuenscht wie in deinem Fall.
    Tut mir sehr leid, dass es sich so entwickelt hat, aber das letzte Wort ist ja in diesem ganzen Fall noch nicht gesprochen… druecke dir nach wie vor die Daumen dass du das bekommst was du verdienst – was eigentlich selbstverstaendlich waere, naemlich Gerechtigkeit!

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