Immer mal wieder in einer aufgrund eigenen Erlebens mitunter – das gebe ich zu – teilweise undifferenzierten Auseinandersetzung in der Geschlechter- oder besser Gleichstellungsdebatte stößt man an Grenzen. Mir ist klar, das Thema Geschlechterdemokratie im Familienrecht ist kein Verkaufsschlager für die Medien, es sei denn, eine Gleichstellungsbeauftragte mit Augenmaß wird aus dem Amt intrigiert. Entsprechend stiefmütterlich wird es noch immer behandelt. Oder gar belächelt und verhöhnt. Sind ja schließlich Männer, die es betrifft. Und Männer müssen Schmerz abkönnen.
Nimmt dieses Thema schon nur Nischencharakter ein, hat es ein weiteres ganz besonders schwer, in die öffentliche Wahrnehmung vorzudringen und ein Umdenken zu generieren: die Kuckuckseltern- oder vielmehr –vaterschaft.
Ganz selten hört oder liest man mal was, warum auch? Jeder kennt irgendwen, wo die Trennung zum Konflikt auswuchs und ein Kind im Spiel war. Aber Kuckucksväter? Kennt irgendjemand Kuckucksväter? Ich nicht. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Ist es damit getan? Ganz sicher nicht. Kuckuckskinder sind ein Teil, eine Facette in einer gesellschaftlich verankerten Ideologie der Familienfeindlichkeit. Nie wird man zu hören bekommen, Deutschland sei familienfeindlich. Jedes politische Zahnrad, ob männlich oder weiblich, bemüht sich nach Kräften, sein Bestes zu geben.
Nichts desto trotz sind wir nahezu Europaschlusslicht in den Geburtenzahlen wie auch einer fairen Handhabung des Sorgerechts. Klagen gegen Kinderlärm geisterten lange durch die Medien, Kinder wurden und werden verscharrt und zu Tode geprügelt, entfremdet, manipuliert, aus funktionierenden Familien heraus gerissen und in unbekannte Heimadressen verbracht. Oder eben viele Jahre belogen. Mit dem Glauben groß gezogen, Teil einer eigenen, Identität und Gene stiftenden Familie zu sein.
Ich kann mir vorstellen, dass es unheimlich schwer ist, einem kleinen Würmchen, einem kleinen „Du“ irgendwann einmal in all den schönen Jahren voller Herzblut mitzuteilen, es sei eigentlich gar nicht das richtige Kind, es sei – zum Teil – das Kind eines anderen Menschen. Ort: unbekannt, Gründe: die eigene Unfähigkeit, Fehler zu reflektieren und aufzuarbeiten.
Sei es wie es sei, und an dieser Stelle glaube ich nur allzu gerne den Filmen zum Thema: irgendwann kommt die Wahrheit ans Tageslicht. Keine schöne Vorstellung, wenn das bisher feste Vertrauen gefriert und auseinander bricht. Dieser Mann, der mich jahrelang in den Arm genommen, zur Schule und ins Bett gebracht und mit mir gespielt und getobt hat, ist ein Fremder. Ich kenne ihn nicht. Ich kenne Mutter nicht, die mir nie etwas erzählt hat. Wer sind diese beiden? Warum tun sie mir das an? Warum dieser Schmerz? Wer ist mein richtiger Vater? Wer bin ich?
Der richtige Vater weiß möglicherweise nichts von seinem Kind. Möglicherweise, wer weiß wie es gezeugt wurde, hätte er nie Interesse daran gezeigt. Möglicherweise aber war Mama auch nur zu bequem, sich den Konsequenzen zu stellen, sich auf eine gewisse Form von Problemen einzulassen, den Vater an der Elternschaft teilhaben zu lassen. Oder sie geriet an eines der zahlreichen Beratungsnetzwerke, denen die Ausgrenzung eines Elternteils, selbstverständlich mit staatlichen Geldern gefördert, eine Lebensaufgabe scheint.
Und da kommen wir auch schon auf des Pudels Kern. Deutschland schützt Frauen. Frauen bekommen mehr Geld als die Kinderkrebsforschung (hier: für Professorinnenförderprogramme), Frauen bekommen zu wenig Lohn, werden hinter jeder vierten Wohnungstür geprügelt, jede 30. Frau wird vergewaltigt und so weiter und so fort. Alles himmelschreiende Lügen und mehrfach widerlegt, spielt aber keine Rolle. Die Frau ist schwach, die Frau ist Opfer. Verscharrt sie ihr Kind, handelt sie in einer seelischen Notlage. Rutschen einem Vater in einem Trennungskonflikt, beispielsweise vor Gericht mit einem Leidensschrei, mal die Emotionen aus der Hand, ist er ein vor Brutalität triefender potentieller Gewalttäter.
Es ist bereits bei einem weit bekannteren Phänomen, der massenhaften Entziehung des Kindes aus einem vernünftigen Umgang zu beiden Eltern durch meist Mütter (weit über 90% des alleinigen Sorgerechts ist in Frauenhand) Usus, irgendeine richterliche Auslegungsform des Kindeswohlschutzes als Begründung zu finden, dass der Vater, wenn überhaupt, einen winzigen Teil der Zeit des Kindes mit seiner Anwesenheit teilen darf. Wer Kind sagt, muss auch Mama sagen.
In diesem Phänomen, der Kuckucksvaterschaft, und ich habe bewusst nicht vom Leiden der gehörnten Väter geschrieben (wen bitteschön interessiert schon das Leid eines Mannes?), wird überhaupt nicht gespiegelt, welche Schuld der Mutter in dieser Konstellation zuzurechnen ist. Und ja, wir müssen von Schuld reden, erst dann, erst mit der Wahrnehmung eines Vergehens ist man bereit, einen Hebel anzusetzen. Aber will man das? Will man sich in einem Land, wo Volksverhetzung á la Alice Schwarzer sowie Trennungseskalation á la Edith Schwab mit dem Bundesverdienstkreuz belohnt wird auf den Lärm all der Frauennetzwerke bis hoch in die RichterInnen-Etagen einlassen?
Wo will man anfangen? Wo soll das hinführen? Aber man muss. Man muss sich damit auseinander setzen, dass ein Mensch Schuld auf sich lädt, wenn er die Entscheidung über das „Produkt“ eines Zeugungsaktes an sich reißt. Wenn er meint, sein Bauch gehöre ihm, er alleine habe die Entscheidungshoheit, dem Leben des Kindes eine Bahn zuzuweisen. Er allein habe das Recht, mit der Lebensgestaltung zweier erwachsener Menschen, dem richtigen und dem gehörnten Vater, zu spielen. Hier muss angesetzt werden. Vaterschaftstest bereits bei der Geburt, Punkt. Nicht verhandlungsfähig. Denn hier, zu diesem Zeitpunkt, tuts noch nicht weh. Hier leistet man(n) noch nicht Unterhalt, entwickelt man(n) noch nicht tiefe Gefühle für ein ihm fremdes Kind.
Tristan Rosenkranz









Hallo Max
Hier habe ich was für Dich, schau doch mal rein.
http://jura27.wordpress.com/2011/06/20/kreativ-award/
LG Martina
Hallo Martina, vielen Dank für den Kreativ-Award. Es freut mich sehr, diese Auszeichnung von Dir zu bekommen. Max
Dieser Blog zeigt Mut, denn er sprecht ein Thema an, welches vielen schon lange auf der Seele brennt, Du Deine Co-Autoren, Ihr habt Euch den Award verdient.
LG Martina
Hallo Martina,
auch von mir vielen Dank für diese Auszeichnung! Das spornt uns weiter an…
Hans